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Der zeitliche Verlauf von Hepatitis C-Prävalenz und -Virämie in Justizvollzugsanstalten in Niedersachsen, 2008 bis 2022
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| Published: | September 6, 2024 |
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Einleitung: Am niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) werden serologische Untersuchungen auf Hepatitis C-Virus (HCV) bei inhaftierten Personen der niedersächsischen Justizvollzugsanstalten (JVAen) durchgeführt, veranlasst durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte. In JVAen sind die HCV-Raten in der Regel höher als in der Allgemeinbevölkerung. Das Ziel der vorliegenden Sekundärdatenanalyse war, die jährliche Serologie-Testquote, die Seroprävalenz und die virämische HCV-Prävalenz (VHP) in niedersächsischen JVAen zwischen 2008 und 2022 zu beschreiben, um zu den Eliminierungsbemühungen in der betroffenen Population beizutragen.
Methoden: Die Anzahl der jährlich inhaftierten Personen (Belegung) wird vom Niedersächsischen Landesamt für Statistik veröffentlicht. Die Ergebnisse der Serologie und PCR wurden über das Laborinformationssystem des NLGA abgerufen. Wir berechneten die jährliche Serologie Testquote als Anzahl der getesteten Personen geteilt durch die Belegung. Zur Berechnung der jährlichen Seroprävalenz (positive Serologie) und VHP (positive PCR) wurde die Anzahl der jeweils jährlich getesteten Personen als Nenner genutzt. PCR wurde nur bei antikörperpositiven Personen durchgeführt.
Mehrfach untersuchte Personen wurden nur einmal pro Jahr gezählt.
Ergebnisse: Die Belegung der JVAen sank von 5.528 Personen (2008) auf 3.547 (2022). Die Serologie-Testquote für diesen Zeitraum zeigte deutliche Schwankungen. Sie sank von 61 % im Jahr 2008 auf 52 % im Jahr 2010, stieg dann wieder an und erreichte 2014 einen Höchstwert von 67 %. Seitdem ging die Serologie-Testquote zurück und betrug 2022 34 %. Die Seroprävalenz schwankte zwischen 21 % (2008) und 15 % (2017), und betrug 18 % im Jahr 2022 Die VHP schwankte zwischen 69 % (2008) und 52 % (2020), und betrug 53 % im Jahr 2022.
Schlussfolgerung: Die Seroprävalenz und die VHP in niedersächsischen JVAen schwankten im untersuchten Zeitraum, blieben aber insgesamt auf hohem Niveau. Dies zeigt den weiterhin bestehenden Bedarf an Public-Health-Maßnahmen, die auf inhaftierte Personen in JVAen zugeschnitten sein sollten. Die Schwankungen spiegeln möglicherweise Änderungen der Therapien und der Test-Routinen durch Fortschritte in der Medikamentenentwicklung, wie etwa die Zulassung von Sofosbuvir 2014, wider. Die Testquote wurde wahrscheinlich unterschätzt, da für die Berechnungen die JVA-Gesamtbelegung und nicht die Anzahl der neu aufgenommenen Personen herangezogen wurde. Dennoch ist der abnehmende Trend bedenklich und deutet darauf hin, dass mehr getan werden muss, um nationale und internationale Eliminierungsziele auch unter inhaftierten Personen zu erreichen.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.
