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Seroprävalenz und assoziierte Faktoren der Toxoplasmose bei Mädchen in Deutschland – Ergebnisse der zweiten Folgebefragung der KiGGS-Studie
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| Published: | September 6, 2024 |
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Hintergrund: Eine Infektion mit dem Parasiten Toxoplasma gondii erfolgt in der Regel durch den Verzehr von rohem Fleisch oder die Aufnahme von infektiösen Oozysten aus der Umwelt. In Deutschland ist die Seroprävalenz bei Erwachsenen im internationalen Vergleich hoch (50%), was vermutlich auf den Konsum von rohem Schweinefleisch (Mett) zurückzuführen ist [1]. Vergleichbare Analysen für Kinder und Jugendliche fehlen, werden allerdings zur Bewertung des Public Health-Problems und zur Erarbeitung von Lösungsansätzen benötigt.
Methode: Die Datengrundlage bildet die zweite Folgebefragung der KiGGS-Studie (2014-2017). Zur Bestimmung des Serostatus wurde das Blutserum aller Teilnehmerinnen im Alter von 3 bis 17 Jahren mittels Enzym Linked Fluorescent Assay (ELFA) auf IgG-Antikörper untersucht. Die Seroprävalenz wurde allgemein und stratifiziert untersucht. Assoziierte Faktoren wurden in multivariablen logistischen Regressionsmodellen basierend auf Directed Acyclic Graphs (DAG) identifiziert. Zur Erhöhung der Repräsentativität wurden alle Analysen mit Wichtungsfaktoren durchgeführt. Es werden adjustierte Odds Ratios (aOR) mit 95%-Konfidenzintervallen (95%-KI) berichtet.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 94 von 1.453 Mädchen positiv auf T. gondii getestet, was einer Seroprävalenz von 6,3% (95%-KI 4,7-8,0) entspricht. Mit jedem Lebensjahr steigt die Chance seropositiv zu sein um 1.2 (95%-KI: 1,1-1,3). Ein niedriger Sozialstatus (aOr 2,7; 95%-KI 1,3-5,9) und das Aufwachsen in sehr ländlichen (aOR 2,6; 95%-KI 1,1-5,7) oder städtischen (aOR 2,2; 95%-KI 1,1-4,4) Gegenden waren signifikant mit Seropositivität assoziiert. Es zeigten sich keine regionalen Verteilungsmuster oder Unterschiede zwischen Vegetariern und Nicht-Vegetariern.
Diskussion: T. gondii bildet einen hohen Infektionsdruck bei Mädchen und jungen Frauen in Deutschland. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Übertragungswege von T. gondii je nach Altersgruppe unterscheiden. Im Vergleich zu Erwachsenen, sind Infektionen bei Kindern und Jugendlichen möglicherweise eher auf eine Umweltexposition zurückzuführen als auf den Verzehr von rohem Fleisch. Alternativ könnten sich die Risikofaktoren im Laufe der Zeit geändert haben, z.B. durch Verbesserungen in der Produktion und Zubereitung von Fleisch. Weitere Studien werden an dieser Stelle benötigt. Maßnahmen zur Primärprävention sollten zukünftig dem One Health-Gedanken folgen und darauf abzielen, durch die Aufklärung der Bevölkerung sowie T. gondii-freie Lebensmittel Infektionen zu verhindern.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
