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Transformative Klimakompetenz in der Pflege: Green Guide for Nursing. Ein Beitrag zum nachhaltigen und klimasensiblen Handeln in der Gesundheitsversorgung
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| Published: | September 6, 2024 |
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Einleitung: Der Klimawandel stellt weltweit die größte Bedrohung für die Gesundheit dar und wirkt sich unmittelbar auf die Gesundheitsversorgung und damit auch auf die Pflegepraxis aus. Bisherige Erkenntnisse zeigen, dass sowohl bei Pflegestudierenden als auch bei Pflegefachpersonen in den verschiedenen beruflichen Settings Wissens- und Kompetenzdefizite im Bereich Planetary Health bestehen. Um die klimabedingten Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen, ist es daher erforderlich, die Kompetenzen von Pflegefachpersonen auf diesem Gebiet gezielt zu fördern und auszubauen. In den Curricula von Pflegestudiengängen wird das Thema bisher nur vereinzelt aufgegriffen, so dass ein großer Bedarf an Bildungsmaterialien besteht.
Ziel des an der Hochschule Bielefeld angesiedelten Förderprojektes „Green Guide for Nursing“ (GG-Nurse) ist es, angehenden Pflegefachpersonen transformatives Wissen und lösungsorientierte Klimakompetenz im Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels zu vermitteln sowie eine nachhaltige Verankerung des Themas in Lehre und Praxis anzustoßen.
Methoden: Basierend auf einer internationalen Literaturrecherche sowie den Ergebnissen von Workshops mit Studierenden, Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen wird ein Aktionshandbuch („Do-it-Guide für nachhaltige Pflege“) mit konkreten Ideen zur Vergrößerung des ökologischen Handabdrucks entwickelt. Die Expert*innen werden aus den mit der Hochschule Bielefeld kooperierenden Einrichtungen im regionalen Gesundheitssystem gewonnen. Das Handbuch wird als „Living Guideline“ konzipiert und sowohl in digitaler Form als auch in einer Printversion zur Verfügung stehen. Insgesamt werden vier bis sechs Themen mit hoher Relevanz für eine nachhaltige Pflege integriert, von denen vier auf Basis aktueller Literatur identifiziert wurden: Ernährung, Abfallreduzierung, Mentale Gesundheit und Disaster Nursing. Zwei Themen werden im Rahmen des Projekts partizipativ festgelegt, um den Bedürfnissen und Anforderungen der Praxis Rechnung zu tragen.
Parallel dazu werden forschungs- und praxisorientierte Lehr-/Lerneinheiten in Form von digitalen Educational Escape Rooms mit interaktiven Elementen und multimedialen Inhalten konzipiert, erprobt und evaluiert, um die Anwendung des 'Do-it-Guide' für Studierende zu simulieren und ein spielerisches Lernen und Vertiefen der Inhalte zu ermöglichen.
Die Materialien werden in Modulen deutschsprachiger Pflegestudiengänge erprobt und sowohl formativ als auch summativ evaluiert. Die Evaluationsergebnisse fließen in die Weiterentwicklung des Aktionshandbuchs ein, das anschließend in Praxiseinrichtungen hinsichtlich seiner Anwendbarkeit diskutiert und angepasst wird. Alle Inhalte sind modulunabhängig für alle deutschsprachigen Pflegestudiengänge nutzbar und werden als Open Educational Resources frei zur Verfügung gestellt.
Ergebnisse: Das geplante wissenschaftsbasierte und partizipativ entwickelte Aktionshandbuch (Do-it-Guide) für mehr Nachhaltigkeit in der Pflege bietet praxisorientierte Handlungsempfehlungen für klimasensibles Pflegehandeln in den ausgewählten Themenfeldern. Mit den Educational Escape Rooms als interaktive Lernspiele kann bei Studierenden eine lösungsorientierte und kreative Herangehensweise an die Herausforderungen des Klimawandels gefördert werden. Erste Ergebnisse der konzeptionellen Arbeit werden auf dem Kongress präsentiert.
Schlussfolgerungen: Das Projekt „Green Guide for Nursing“ befähigt Pflegestudierende, klimasensibel im Sinne von Adaptation und Mitigation zu handeln und aktiv an der Gestaltung einer nachhaltigen Pflegepraxis mitzuwirken. Durch die praxisnahe Integration des Themas in Studium und Ausbildung angehender Pflegefachpersonen kann Planetary Health so zu einem integralen Bestandteil pflegerischen Handelns werden. Damit leistet das Projekt einen wichtigen und innovativen Beitrag zu einer klimagerechten Gesundheitsversorgung.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
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