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Identifikation regionaler Trends bei sozioökonomischer Deprivation und Tagesdosen von Langzeit-Opioid-Patienten mit chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen in Deutschland
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| Published: | September 6, 2024 |
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Einleitung: Im weltweiten Vergleich weist Deutschland den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an opioiden Analgetika (OA) auf [1]. Studien aus dem Vereinigten Königreich zeigten zudem höhere Dosen in sozioökonomisch benachteiligten Gebieten [2], [3];; solche Analysen wurden für Deutschland bisher noch nicht durchgeführt. Ziel dieser Untersuchung war es, den Zusammenhang zwischen verordneten Tagesdosen von Langzeit-OA-Patienten mit chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen und sozioökonomischer Deprivation in Deutschland auf regionaler Ebene zu analysieren.
Methoden: Die Basis für die Analyse bildeten die Routinedaten der DAK-Gesundheit aus dem Zeitraum 01/2018 bis 03/2021. Eingeschlossen wurden alle volljährigen Personen, die in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen jeweils mindestens eine OA-Verordnung erhalten hatten. Nach Einschluss wurden die Patienten jeweils für zwei Jahre nachbeobachtet. Anhand einer dreistelligen Postleitzahl ließ sich die Wohnregion der Patienten identifizieren. Für jedes Postleitzahlengebiet wurde die durchschnittliche verschriebene Tagesdosis (PDD) von Opioiden berechnet und mittels direkter Altersstandardisierung für die unterschiedliche Altersstruktur auf den Gebieten adjustiert. Als relatives Maß für die sozioökonomische Benachteiligung der Gebiete diente der vom Robert Koch-Institut entwickelte German Index of Social Deprivation (GISD). Um den Zusammenhang zwischen PDD und GISD hinsichtlich regionaler Trends zu analysieren, wurden die Gebiete mittels k-means Clustering unter Verwendung des Hartigan-Wong-Algorithmus gruppiert.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 113.475 Patienten eingeschlossen. Die Personen verteilten sich auf alle 671 dreistelligen Postleitzahlbezirke, mit mindestens 10 Patienten und höchstens 717 Patienten pro Gebiet. Die Anzahl der zu definierenden Cluster wurde zunächst auf fünf festgelegt und die Ergebnisse im Anschluss kartiert. Es zeigte sich ein großes Cluster mit hoher Tagesdosis bei gleichzeitig hoher sozioökonomischer Deprivation im Nordwesten Deutschlands. In den südlichen Gebieten wurden Cluster mit niedrigen bis mittleren Tagesdosen und niedriger bis mittlerer Deprivation lokalisiert. Alle identifizierten Clustern wiesen jedoch eine hohe Variation bei Tagesdosen und GISD-Werten auf.
Schlussfolgerung: Die vorläufigen Ergebnisse liefern erste Hinweise auf höhere Tagesdosen in sozioökonomisch benachteiligten Regionen Deutschlands. In einem nächsten Schritt wird die Analyse mit variierender Clusteranzahl wiederholt, um die interne Validität zu vergleichen. Die abschließenden Analysen zielen darauf ab, Gebiete zu lokalisieren, in denen ein strukturelles Risiko für Fehlversorgung besteht.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
Literatur
- 1.
- Richards GC, Aronson JK, Mahtani KR, Heneghan C. Global, regional, and national consumption of controlled opioids: a cross-sectional study of 214 countries and non-metropolitan territories. Br J Pain. 2022 Feb;16(1):34-40.
- 2.
- Mordecai L, Reynolds C, Donaldson LJ, de C Williams AC. Patterns of regional variation of opioid prescribing in primary care in England: a retrospective observational study. Br J Gen Pract. 2018 Mar;68(668):e225-e233.
- 3.
- Davies E, Phillips C, Rance J, Sewell B. Examining patterns in opioid prescribing for non-cancer-related pain in Wales: preliminary data from a retrospective cross-sectional study using large datasets. Br J Pain. 2019 Aug;13(3):145-158. DOI: 10.1177/2049463718800737
