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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

„Ich darf keine Erwartungen an ihn stellen, aber ...“ – Anforderungen der Akteur:innen im Pflegearrangement Distance Caregiving

Meeting Abstract

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  • Farina Bünning - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Germany
  • Andrea Budnick - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 382

doi: 10.3205/24gmds624, urn:nbn:de:0183-24gmds6240

Published: September 6, 2024

© 2024 Bünning et al.
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Text

Einleitung: In der Forschung zu distance caregiving wurde der Fokus bisher auf distance caregiver, die eine pflegeempfangende Person über eine räumliche Distanz hinweg unterstützen, gelegt [1]. Damit das Pflegearrangement zuverlässig funktionieren kann, müssen die Anforderungen aller Akteur:innen (pflegeempfangende Personen, distance caregiver, Personen des privaten und professionellen lokalen Netzwerkes) berücksichtigt werden. Diese Forschungslücke wird im Projekt ROAD – CaRegiving frOm A Distance geschlossen [2]. Ziel des vom BMBF geförderten Projektes ist es, ein Modell zu distance caregiving zu entwickeln, welches Handlungsempfehlungen für alle Akteur:innen zur verbindlichen Gestaltung dieses Pflegearrangements umfasst. Dabei wird die Fragestellung bearbeitet, welche Kongruenzen und Divergenzen zwischen den Erwartungen der Akteur:innen im Pflegearrangement bestehen.

Methoden: Es wurden pflegeempfangende Personen (n=20), distance caregiver (n=20) und Personen des privaten (n=10) und professionellen lokalen Netzwerkes (n=8) des Pflegearrangements distance caregiving rekrutiert. Mit allen Akteur:innen wurden separat problemzentrierte Leitfadeninterviews geführt, die anhand der phänomenologischen Analyse nach Giorgi und Kolleg:innen ausgewertet wurden [3]. Es wurden die Erwartungen der Akteur:innen kategorisiert, einander gegenüber gestellt und Kongruenzen und Divergenzen abgeleitet.

Ergebnisse: Die distance caregiver sind im Durchschnitt 52 Jahre alt (M=51,8), größtenteils weiblich (n=14) und berufstätig (n=17). Die pflegeempfangenden Personen sind durchschnittlich 82 Jahre alt (M=82,4) und ebenfalls überwiegend weiblich (n=13). In den meisten Fällen sind die distance caregiver die Kinder der pflegeempfangenden Personen (n=17). Die Analyse zeigt, dass sich mit steigendem Pflegegrad die Erwartungen der distance caregiver bezüglich der Kommunikation und Informationsweitergabe an das lokale Netzwerk erhöhen. Dabei geht es primär um den Gesundheitszustand der pflegeempfangenden Person. Weiterhin erhöhen sich die Erwartungen der distance caregiver zur zuverlässigen Zuarbeit durch das private Netzwerk bezüglich der unmittelbaren Übermittlung von administrativen Anliegen. Insbesondere die Bedeutung des privaten lokalen Netzwerkes steigt mit zunehmendem Pflegebedarf. Kongruent sind beispielsweise die Erwartungen aller Akteur:innen über die stärkere Einbindung des familiären Netzwerkes und der distance caregiver bei hohem Pflegebedarf. Bei mittlerem Pflegebedarf bestehen Divergenzen zwischen dem privaten lokalen Netzwerk und den distance caregivern über die Verteilung von Zuständigkeiten im Pflegearrangement. Im Gegensatz zum privaten lokalen Netzwerk sind die Erwartungen der pflegeempfangenden Personen und der distance caregiver an das professionelle Netzwerk konkreter kommuniziert, da hier die Unterstützungsaufgaben offiziell definiert sind.

Schlussfolgerung: Der interpersonelle Ansatz weist die Perspektiven aller Akteur:innen auf und stellt Konflikte und Potentiale in der zuverlässigen Umsetzung des Pflegearrangements distance caregiving dar. So können beispielsweise Kommunikations- oder interaktionale Probleme erkannt und in lösungsorientierte Handlungsempfehlungen übersetzt werden. Die Ergebnisse fließen in ein neues Modell zu distance caregiving ein, welches das zuverlässige Funktionieren des Pflegearrangements gewährleisten und zur Sicherheit aller Akteur:innen beitragen soll.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.


Literatur

1.
Franke A, Kramer B, Jann PM, van Holten K, Zentgraf A, Otto U, et al. Aktuelle Befunde zu „distance caregiving“: Was wissen wir und was (noch) nicht? Z Gerontol Geriatr. 2019;52:521–8.
2.
Budnick A, Bünning F, Kuhlmey A. CaRegiving frOm A Distance (ROAD): home care in the future-flexible and nearby - multimethod qualitative study protocol. BMJ Open. 2022 Oct 11;12(10):e062927.
3.
Giorgi A, Giorgi B, Morley J. The Descriptive Phenomenological Psychological Method. In: Willig C, Rogers CS, editors. The Sage Handbook of Qualitative Research In Psychology. London: Sage; 2017. p. 176-192.