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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Diskriminierungserfahrungen im Medizinstudium an zwei Universitäten: Ergebnisse aus dem Projekt Studimeter

Meeting Abstract

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  • Amanda Voss - Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Erlangen, Germany
  • Susanne Dettmer - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Germany
  • Jan Zöllick - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 392

doi: 10.3205/24gmds599, urn:nbn:de:0183-24gmds5999

Published: September 6, 2024

© 2024 Voss et al.
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Einleitung: Das Medizinstudium stellt eine Phase der Persönlichkeitsentwicklung und des Wissenserwerbs dar, geprägt durch die Beziehung zwischen Studierenden und Dozierenden. Erfahrungen der Diskriminierung können diese Phase beeinflussen und zu psychischer Belastung und Beanspruchung führen. Das Studimeter-Projekt zielt darauf ab, die psychische Belastung von Studierenden von Universitäten aus verschiedenen Regionen und mit unterschiedlichen Studienbedingungen zu erfassen und zu vergleichen. Befragt wurden Medizinstudierende der Universitäten Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin (Charité), die im Regelstudiengang (FAU) bzw. im Modellstudiengang der Humanmedizin (Charité) eingeschrieben sind.

Methodik: Zum Ende des Wintersemesters 2022/23 wurden an der FAU (n=160) und der Charité (n=273) Medizinstudierende mittels Online-Fragebogen befragt. Die Befragung umfasste u.a. Diskriminierungserfahrungen, die (wahrgenommenen) Merkmale, die aus Sicht der Studierenden die Basis für die Diskriminierung darstellten, sowie institutionelle Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung. Die Ergebnisse wurden deskriptiv und vergleichend ausgewertet.

Ergebnisse: Etwa 30% der befragten Medizinstudierenden gaben an, innerhalb der letzten 12 Monate Diskriminierung selbst erfahren oder beobachtet zu haben. Die Häufigkeit dieser Erfahrungen wurde mit einem Median = 3 (selbst erfahrenen) und einem Median = 4 (beobachteten) Situationen angegeben. Als häufigste Quellen der Diskriminierung wurden Dozierende, andere Studierende und ärztlich-pflegerisches Personal. Der durchschnittliche institutionelle Schutz vor Diskriminierung wurde mit M=5,86 (SD=2,63; Skala 1-10) bewertet, wobei Unterschiede je nach Erfahrungsgrad der Diskriminierung festgestellt wurden. Geschlecht und Migrationsgeschichte wurden dabei häufig als Merkmale genannt, die anderen Personen als Basis für abfällige Bemerkungen diente.

Schlussfolgerung/Diskussion: Ein relevanter Anteil der Studierenden an zwei deutschen medizinischen Fakultäten berichtet über Diskriminierungserfahrungen. Besonders Dozierende und ärztliches Personal stellen häufige Quellen der Diskriminierung dar, die zumeist auf das Geschlecht oder die (vermeintliche) Migrationsgeschichte abzielt. Es besteht ein Mangel an institutionellen Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung, was ein dringendes Handlungsfeld für medizinische Fakultäten darstellt. Wir erörtern abschließend Möglichkeiten zur Verringerung von Diskriminierungserfahrungen und stellen aktuell geplante Maßnahmen an den beiden Fakultäten vor.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.