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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Rassistische Diskriminierungserfahrungen von Versorgungsnutzer*innen: Eine Analyse von Online-Beiträgen

Meeting Abstract

  • Tugba Aksakal - Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Lehrstuhl für Versorgungsforschung, Witten, Germany
  • Christian Kempny - Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Lehrstuhl für Versorgungsforschung, Witten, Germany
  • Till Neugebauer - Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Lehrstuhl für Versorgungsforschung, Witten, Germany
  • Mohamed Idris - Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Lehrstuhl für Versorgungsforschung, Witten, Germany
  • Kübra Annac - Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Lehrstuhl für Versorgungsforschung, Witten, Germany
  • Yüce Yilmaz-Aslan - Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Lehrstuhl für Versorgungsforschung, Witten, Germany
  • Patrick Brzoska - Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Lehrstuhl für Versorgungsforschung, Witten, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 283

doi: 10.3205/24gmds597, urn:nbn:de:0183-24gmds5971

Published: September 6, 2024

© 2024 Aksakal et al.
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Text

Einleitung: Rassistische Diskriminierung im Gesundheitswesen stellt nicht nur ein ethisches Problem dar, sie kann auch weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Versorgungsnutzer*innen haben. Die Folgen rassistischer Diskriminierung können vielfältig sein, darunter ungerechte Behandlung, erschwerte Zugänglichkeit zu angemessener Versorgung und verzögerte medizinische Therapien. In dieser Studie wurden online verfügbare Beiträge näher untersucht, um Rassismuserfahrungen von Versorgungsnutzer*innen im Gesundheitswesen zu analysieren. Ziel war es, durch die systematische Sammlung und Auswertung ein tieferes Verständnis der Problematik zu gewinnen, um zur Entwicklung besserer Ansätze für zukünftige Forschung und gezielte Interventionen beizutragen.

Methoden: Die Studie konzentrierte sich auf die Analyse von 818 deutsch-, arabisch-, russisch- und türkischsprachigen Beiträgen, die auf jameda.de, klinikbewertungen.de, YouTube und TikTok von Nutzer*innen veröffentlicht wurden. Die Identifizierung relevanter Beiträge erfolgte mittels Web-Scraping durch die Verwendung spezifischer Schlagwörter wie „Rassis*“, „Diskriminierung“, „Hautfarbe“ und „Herkunft“. Die Beiträge wurden anschließend einer umfassenden inhaltlichen Analyse unterzogen, die sowohl automatisierte Prozesse mithilfe von Sentiment Analysis (Stimmungsanalyse) als auch manuelle Analysemethoden nach Kuckartz umfasste.

Ergebnisse: Die Inhaltsanalyse führte zur Identifizierung von 10 Kategorien, die eine Vielzahl rassistischer Erfahrungen umfassten, die von Versorgungsnutzer*innen im Gesundheitswesen geschildert wurden. Diese Erfahrungen umfassten sowohl verbale Angriffe und abwertende Bemerkungen seitens des medizinischen Personals als auch das Erleben struktureller Barrieren, die den Zugang zu angemessener Versorgung beeinträchtigten. Als rassifiziert markierte Menschen berichteten u.a. auch über finanzielle Diskriminierung, wie beispielsweise das Erfordernis einer Vorauszahlung, während andere Patient*innen (ohne rassifizierte Merkmale) dies hätten nicht tun müssen. In einigen Beiträgen führten Nutzer*innen das rassistische Verhalten des medizinischen Personals darauf zurück, dass dieses unter starkem Druck und hohen Belastungen arbeite. Außerdem betonten die Nutzer*innen, dass rassistische Diskriminierungserfahrungen einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Betroffenen hatten. Dazu gehörten erhöhter Stress, psychische Belastungen und ein Verlust an Vertrauen in das Versorgungssystem, die aufgrund der erlebten Diskriminierung wahrgenommen wurden. Häufig äußerten sich die Betroffenen dahingehend, dass sie die Einrichtung oder Arztpraxis nach der erlebten rassistischen Diskriminierungserfahrung nicht erneut besuchen würden.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse liefern wertvolle Einblicke in die Erfahrungen und erlebten Herausforderungen von Versorgungsnutzer*innen im Gesundheitswesen. Sie legen nahe, dass Maßnahmen zur Sensibilisierung, Schulung und Unterstützung des medizinischen Personals notwendig sind, um rassistische Diskriminierung zu vermeiden und eine gerechte und hochwertige Versorgung für alle sicherzustellen. Diese Erkenntnisse bilden eine Grundlage für weitere Untersuchungen und die Entwicklung gezielter Interventionen zur Förderung einer inklusiven und gerechten Gesundheitsversorgung.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.