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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Risikoklassen von sozialen Determinanten und die Vorhersage der Dauer der unbehandelten Psychose

Meeting Abstract

  • Hannah Edelhoff - Abteilung Public Mental Health, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg, Mannheim, Germany
  • Frederike Schirmbeck - Abteilung Public Mental Health, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg, Mannheim, Germany; Department of Psychiatry, Amsterdam University Medical Center, Meibergdreef, University of Amsterdam, Amsterdam, Netherlands
  • Ulrich Reininghaus - Abteilung Public Mental Health, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg, Mannheim, Germany
  • * GROUP Investigators - Investigators from the Genetic Risk and Outcome of Psychosis (GROUP) Study, Netherlands, Netherlands

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 335

doi: 10.3205/24gmds558, urn:nbn:de:0183-24gmds5582

Published: September 6, 2024

© 2024 Edelhoff et al.
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Text

Einleitung. Soziale Determinanten der Gesundheit sind bedeutend für die Entstehung sowie Aufrechterhaltung gesundheitlicher Ungleichheiten. Einerseits stehen sie im Zusammenhang mit mentaler Gesundheit und andererseits beeinflussen sie Hilfesuchverhalten und Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen [1]. Im Kontext von Schizophrenie-Spektrums-Störungen zeigte sich, dass Personen mit eher ungünstigen sozialen Determinanten höhere Erkrankungsraten aufwiesen und eine längere Zeitspanne bis zur Initialisierung adäquater antipsychotischer Behandlung verstrich [2]. Der Großteil der Studien betrachtete bisher jedoch vor allem einzelne Faktoren, ohne das Zusammenspiel zwischen den Faktoren zu berücksichtigen. Eine vorangegangene Kohortenstudie verfolgte einen multivariaten Ansatz und ermittelte anhand mehrerer soziale Risikofaktoren eine 4-Klassen-Lösung, wobei die am stärksten benachteiligten Gruppen die längste Zeit bis zum Behandlungsstart hatten [3]. Dies lässt vermuten, dass es Untergruppen von betroffenen Personen gibt, die ähnliche Ausprägungen von sozialen Determinanten aufweisen und Unterschiede in der Inanspruchnahme von Behandlung hat.

Methoden. In einer Kohortenstudie mit Personen mit einer Schizophrenie-Spektrums-Störung (n = 553) wurden die soziodemographischen Variablen Geschlecht, Ethnie, Bildungsgrad, Beschäftigungsstatus, Wohnsituation, Cannabiskonsum und Anteil von unerfüllten Bedürfnissen in einer latenten Klassenanalyse (LCA) einbezogen, mit dem Ziel, homogene Klassen von Personen mit geteilten Merkmalsausprägungen aufzudecken. Anschließend wurden die Unterschiede in der Dauer der unbehandelten Psychose (DUP) mittels ANOVA und Cox Proportional Hazard Regressionsanalysen verglichen.

Ergebnisse. In der LCA zeigte die 3-Klassen-Lösung die beste Modellpassung. Die Personen in Klasse 1 (n = 144, 27.0%) waren vorwiegend weiblich, konsumierten kein Cannabis lebten häufiger mit Partner/Familie und hatten mittlere bis geringe Anteile an unerfüllten Bedürfnissen. Klasse 2 umfasste die meisten Personen (n = 297, 53.7%) und diese waren vorwiegend männlich, identifizierten sich als ethnische Mehrheit (kaukasisch), hatten häufiger einen Sekundarschul- oder Hochschulabschluss, arbeiteten eher in Teilzeit-/Vollzeitbeschäftigung und lebten häufiger allein. Personen in Klasse 3 (n = 112, 20.3%) waren ebenfalls vorwiegend männlich, identifizierten sich häufiger als ethnische Minderheiten, konsumierten häufig Cannabis, häufig keinen Schulabschluss/Grundschulabschluss, waren vorwiegend arbeitslos und wiesen mittlere bis hohe Anteile an unerfüllten Bedürfnissen auf. Klasse 2 und 3 wiesen deskriptiv eine höhere DUP auf. In der Cox Proportional Hazard Regressionsanalysen zeigten sich jedoch keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf DUP zwischen den Klassen.

Schlussfolgerung. Die Ergebnisse implizieren, dass Personen mit einer Schizophrenie-Spektrums-Störung anhand der Zusammenschau sozialer Determinanten in drei Klassen aufgeteilt werden können. Während in univariaten Analysen Zusammenhänge mit den einzelnen Determinanten und der DUP aufgedeckt werden konnten, zeichnete sich dies in der multivariaten Betrachtung nicht ab, was Hinweise auf mögliche protektive oder abmildernde Effekte von bspw. sozialer Unterstützung liefert. Dies unterstreicht die Relevanz der simultanen und ganzheitlichen Berücksichtigung sozialer Determinanten, um Einblicke in die Kombination und Intersektionalität sozialer Determinanten zu schaffen und Auswirkungen über den Kontext jedes einzelnen Faktors hinaus zu ergründen.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.

Der Beitrag wurde bereits publiziert: SIRS 2024 [4]


Literatur

1.
Henking C, Reeves A, Chrisinger B. Global inequalities in mental health problems: understanding the predictors of lifetime prevalence, treatment utilisation and perceived helpfulness across 111 countries. Preventive Medicine. 2023;177:107769.
2.
Jester DJ, Thomas ML, Sturm ET, Harvey PD, Keshavan M, Davis BJ, et al. Review of major social determinants of health in schizophrenia-spectrum psychotic disorders: I. Clinical outcomes. Schizophrenia Bulletin. 2023;49(4):837-50.
3.
Van Der Ven E, Jones N, Bareis N, Scodes JM, Dambreville R, Ngo H, et al. An intersectional approach to ethnoracial disparities in pathways to care among individuals with psychosis in coordinated specialty care. JAMA Psychiatry. 2022;79(8):790-8.
4.
Edelhoff H, Schirmbeck F, Reininghaus U, GROUP Investigators. Risk Clusters of Multiple Social Determinants in the Prediction of Duration of Untreated Psychosis. In: 2024 Annual Congress of the Schizophrenia International Research Society (SIRS); 3-7 April 2024; Florence, Italy.