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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Progressionsfreies Überleben von Lungenkrebspatient*innen unter Berücksichtigung der Histologie – eine Analyse auf Basis von Krebsregisterdaten aus Deutschland

Meeting Abstract

  • Louisa Labohm - Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Universität zu Lübeck, Lübeck, Germany
  • Alexander Katalinic - Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Universität zu Lübeck, Lübeck, Germany; Institut für Krebsepidemiologie e. V., Universität zu Lübeck, Lübeck, Germany
  • Lina Jansen - Epidemiologisches Krebsregister Baden-Württemberg, am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg, Germany
  • Florian Oesterling - Landeskrebsregister Nordrhein-Westfalen gGmbH, Bochum, Germany
  • Annika Waldmann - Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Universität zu Lübeck, Lübeck, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 540

doi: 10.3205/24gmds529, urn:nbn:de:0183-24gmds5293

Published: September 6, 2024

© 2024 Labohm et al.
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Einleitung: Lungenkrebs gehört in Deutschland zu den häufigsten Krebsarten und geht mit einer insgesamt schlechten Prognose einher. Populationsbezogene Daten aus den Krebsregistern können eine realistische Einschätzung über das Überleben geben. Diese Arbeit beschäftigt sich primär mit der Frage, welchen Einfluss die Histologie des Tumors auf das progressionsfreie Überleben (PFS) von Lungenkrebspatient*innen hat.

Methoden: Wir kombinierten Daten aus vier Krebsregistern in Deutschland (Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Schleswig-Holstein). Eingeschlossen wurden Personen ab 18 Jahren und Wohnsitz im entsprechenden Bundesland, die im Zeitraum 2016-2019 die Diagnose Lungenkrebs (ICD-10 C34) erhielten (Follow Up bis 2022). Die Fälle wurden den histologischen Gruppen „Adenokarzinom“, „Plattenepithelkarzinom“, „kleinzellige Lungenkarzinome“ und „sonstige histologische Subgruppen“ zugeordnet. Das PFS wurde mit der Kaplan-Meier-Methode unter Verwendung der Landmarkmethode (Indexdatum: Diagnosedatum plus 3 Monate, kein Progress, Rezidiv, Fernmetastase in diesem Zeitraum) geschätzt. Auch eine nach Alter, Geschlecht, Histologie und Stadium adjustierte Cox- Regression wurde durchgeführt.

Ergebnisse: Der gepoolte Roh-Datensatz umfasste 70821 Fälle (60 % Männer, 40 % Frauen). Die Landmark-Population umfasste 42527 Personen (59 % Männer, 41 % Frauen). Das mediane Alter bei Diagnose lag bei 67 Jahren (IQR: 60-75). 21,5 % hatten bei Diagnose ein frühes Stadium (UICC I oder II), 21,4 % ein lokal fortgeschrittenes (III) und 40,2% hatten ein metastasiertes Stadium (IV). Im Beobachtungszeitraum verstarben 61,4% der Personen im medianen Alter von 69 Jahren (IQR: 62-77). Adenokarzinome (43 %) waren der häufigste histologische Subtyp gefolgt von Plattenepithelkarzinomen (22,7 %), „sonstigen histologische Subgruppen“ (19,2 %) und kleinzelligen Lungenkarzinomen (15,1 %).

Das PFS lag im Median bei 323 Tagen (95 % KI: 305-333), bei den Frauen war es mit 365 (95 % KI: 363-367) etwas besser als bei den Männern (303; 95 % KI:294;303). Nach einem Jahr lebten 65,2% nach fünf Jahren 7,7 % der Personen. Bei Frauen mit Adenokarzinom lebten nach einem Jahr 73,3 %, mit Plattenepithelkarzinom 69,9 %, mit sonstiger histologischer Subgruppe 68,5 % und mit kleinzelligem Lungenkrebs 57,1 %. Bei den Männern war das PFS insgesamt schlechter. Das beste Überleben hatten Männer mit Plattenepithelkarzinom, hier lebten nach einem Jahr 66,8 %, gefolgt von Adenokarzinomen (66,1 %), sonstigen histologischen Subgruppen (61 %) und kleinzelligem Lungenkrebs (47,4 %). Die Ergebnisse der Cox-Regression zeigten einen statistisch signifikanten Einfluss der Histologie auf das PFS. Mit dem Adenokarzinom als Referenzgruppe lag das Hazard Ratio für das PFS mit Plattenepithelkarzinom bei 1,13 (95 % KI: 1,10-1,17), sonstigen histologischen Subgruppen bei 1,20 (95 % KI: 1,16-1,25) und kleinzelligem Lungenkrebs bei 1,55 (95 % KI: 1,50-1,60). Auch das Geschlecht hatte einen statistisch signifikanten Einfluss (Männer: Referenzgruppe; Frauen: HR = 0,85, 95 %KI: 0,83-0,87). Gegenüber dem frühen Stadium hatten das lokal fortgeschrittene Stadium (HR = 2,31, 95 % KI: 2,21-2,41) und das metastasierte Stadium (HR = 3,99; 95 % KI: 3,84-4,14) ebenfalls einen statistisch signifikanten Einfluss auf das PFS.

Schlussfolgerung: Das PFS nach Lungenkrebsdiagnose ist insgesamt schlecht und hängt von der Histologie, dem Geschlecht und dem Stadium bei Diagnose ab. Diese Ergebnisse gelten für den Zeitraum, in dem nur im begrenztem Maße Immunonkologika zur Verfügung standen, und können als Ausgangspunkt für die Evaluierung der sich derzeit rasch veränderten Therapie genutzt werden.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.