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Hyper- und hyposexuelles Verhalten bei Menschen mit substanzgebundenen Suchterkrankungen – trilaterale Zusammenhänge zwischen Sucht, Sexualität und Trauma
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| Published: | September 6, 2024 |
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Sexuelle Störungen sind häufige Begleiterscheinungen von substanzgebundenen Suchterkrankungen. Dabei stehen insbesondere hypersexuelles (ein erhöhtes Niveau sexueller Aktivität und Erregung, inkl. Kontrollverlust sexueller Impulse, Leidensdruck) und hyposexuelles Verhalten (eine stark verringerte/ absente sexuelle Erregung und Aktivität, inkl. Leidensdruck), mit einem schädlichen Substanzkonsum in Verbindung. Traumaexposition gilt als Risikofaktor für Suchterkrankungen sowie die genannten sexuellen Störungen.
Forschungsfragen:
- 1.
- Welche multivariaten Zusammenhänge bestehen zwischen Substanzkonsum, hyper- bzw. hyposexuellem Verhalten und Traumaexposition?
- 2.
- Unterscheiden sich diese Zusammenhänge bei Personen mit Suchterkrankungen (PmS) im Vergleich zu Personen mit anderen bzw. keinen psychiatrischen Diagnosen?
Eine Online-Befragung wurde durchgeführt. Erhoben wurde Alkohol- und Drogenmissbrauch, Hypersexualität, Hyposexualität, Kindheitstraumata, gegenwärtige posttraumatische Symptome, Soziodemografie sowie der Gesundheitsstatus. Das Sample (N=329) setzte sich aus PmS (Untersuchungsgruppe) sowie Personen mit anderen psychischen Erkrankung bzw. keinen entsprechend vorliegenden Diagnosen (Kontrollgruppen) zusammen. Zur statistischen Analyse wurden Mittelwertvergleiche (einfaktorielle ANOVA, Kruskal-Wallis-Test), multivariate/ ordinale Regressionsmodelle und Mediations-/ Moderationsnanalysen durchgeführt.
Männliches Geschlecht, schädlicher Substanzkonsum und Hyperarousal wurden als Prädiktoren für höhere Hypersexualitäts-Werte bei PmS identifiziert. Verschiedene hyposexuelle Verhaltensweisen bei Frauen wurden durch höhere Werte bzgl. Alkohol- und Drogenmissbrauch vorhergesagt; und bei Männern durch Traumaexposition in der Kindheit sowie aktuelle posttraumatische Symptome. Im Vergleich zu den Kontrollgruppen mit anderen psychiatrischen Diagnosen zeigten Frauen mit Suchterkrankungen ein geringeres sexuelles Verlangen, Männer mit Suchterkrankungen zusätzlich eine geringere Zufriedenheit mit dem Sexualleben und eine verminderte Fähigkeit, eine Erektion aufrechtzuerhalten. Hyper- und hyposexuelles Verhalten wurde bei PmS signifikant häufiger gefunden, als in den Kontrollgruppen.
Die Ergebnisse indizieren Herausforderungen für die psychosoziale Versorgung von PmS, welche anhand geschlechtssensibler und interdisziplinärer Perspektiven eruiert werden.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
