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ESPRIT – Untersuchung der Effektivität einer Social Prescription und virtueller Patienteninformationen zur Steigerung der Tertiärprävention bei Krebspatient/innen
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| Published: | September 6, 2024 |
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Einleitung: Tertiärprävention durch körperliche Aktivität und psychosoziale Unterstüzung kann helfen, Krankheitsfolgen zu minimieren und die Lebensqualität von Krebspatient/innen zu verbessern. Die Inanspruchnahme von Programmen zur Verbesserung der Tertiärprävention bei Krebspatient/innen ist jedoch nach wie vor gering. Social Prescribing liefert individualisierte Behandlungspläne und vermittelt Patient/innen an nicht-klinische Dienste. Es ist eine vielversprechende Strategie zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens von Krebspatient/innen. Nach wie vor fehlen jedoch wissenschaftliche Erkenntnisse, die belegen, welche Strategien am effektivsten sind, um das präventive Gesundheitsverhalten von Krebspatient/innen nachhaltig zu verbessern und daher in der klinischen Praxis eingesetzt werden sollten. Angehörige sind häufig eine der wichtigsten Informations- und Beratungsquellen für Patient/innen und können dabei helfen, das präventive Gesundheitsverhalten der Patient/innen nachhaltig zu verbessern. Die Rolle der Angehörigen bei der Bewegungsförderung von Krebspatient/innen und der Inanspruchnahme supportiver Therapie ist jedoch vergleichsweise wenig erforscht. Viele Angehörige leiden zudem selbst unter geringer Lebensqualität und mangelnder psychosozialer Unterstützung. Die ESPRIT-Studie soll helfen, diese Forschungslücken zu adressieren.
Methodik: In dieser randomisiert-kontrollierten, monozentrischen Pilotstudie wird zur Baseline sowie nach 3, 6 und 12 Monaten Follow-up die Wirksamkeit einer Social Prescription (Intervention A) und virtueller Patienteninformationen (Intervention B) im Vergleich zur Regelversorgung hinsichtlich der Förderung körperlicher Aktivität von Krebspatient/innen untersucht. Dies wird, anhand der durchschnittlichen Schrittzahl/Tag gemessen. Zudem wird das Ausmaß sozialer Beteiligung und psychosozialer Unterstützung (SAL) bei Krebspatient/innen und deren Angehörigen erfasst. Sekundäre Endpunkte sind die gesundheitsbezogene Lebensqualität (EORTC QLQ-C15-PAL), Selbstwirksamkeit (CBI-D-B), Health Literacy (CHLT-6) sowie das Wissen über den Nutzen von körperlicher Aktivität und psychosozialer Unterstützung. Zusätzlich werden Kosteneffektivität sowie die Dauer der Arzt-Patienten-Gespräche erfasst. Im Rahmen eines hybriden Mixed-Methods-Designs und mittels semi-strukturierter Interviews werden Implementierungsbarrieren und Förderfaktoren analysiert.
Ergebnisse: Die Studie wird am Comprehensive Cancer Centre Ostbayern (CCCO) durchgeführt. Die Interventionsentwicklung wurde im April 2024 abgeschlossen. Rekrutierungsstart ist Mai 2024. Präsentiert werden erste Ergebnisse der Baseline-Erhebung.
Diskussion: ESPRIT untersucht mittels eines methodisch robusten Designs die Wirksamkeit innovativer Strategien zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens von Krebspatient/innen sowie deren Angehörigen. Unter Verwendung eines hybriden Effektivitäts-Implementierungs-Designs wird exploriert, welche Strategien effektiv sind und in der klinischen Praxis eingesetzt werden könnten, um körperliche Aktivität, Teilnahme an sozialen Aktivitäten und Inanspruchnahme psychosozialer Unterstützung zu fördern.
Schlussfolgerungen: Diese Studie liefert kausale Evidenz über die Wirksamkeit neuartiger, evidenz-basierter Kommunikationsstrategien und eines umfassenden Low-Cost-Ansatzes zur Steigerung eines aktiven Lebensstils sowie der Inanspruchnahme psychosozialer Unterstützung und des sozialen Austauschs unter Krebspatient/innen und deren Angehörigen. Aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit haben diese Interventionen das Potenzial, auf verschiedene vulnerable Patient/innengruppen übertragen zu werden. Die gewonnenen Erkenntnisse können dazu beitragen, die Bedürfnisse verschiedener Patient/innengruppen optimal zu adressieren und die Versorgungsqualität nachhaltig zu verbessern.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
