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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Incentive-Experiment des Panels „Gesundheit in Deutschland“: Ergebnisse zu Ausschöpfung, Non-Response-Bias, Panelfallkosten

Meeting Abstract

  • Stefan Damerow - Robert Koch-Institut, Berlin, Germany
  • Nicolas Frenzel Baudisch - infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft, Bonn, Germany
  • Matthias Wetzstein - Robert Koch-Institut, Berlin, Germany
  • Ilter Öztürk - Robert Koch-Institut, Berlin, Germany
  • Johannes Lemcke - Robert Koch-Institut, Berlin, Germany
  • Thomas Weiß - infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft, Bonn, Germany
  • Jennifer Allen - Robert Koch-Institut, Berlin, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 935

doi: 10.3205/24gmds452, urn:nbn:de:0183-24gmds4523

Published: September 6, 2024

© 2024 Damerow et al.
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Text

Einleitung: Aktuell baut das Robert Koch-Institut (RKI) ein auf die Public-Health-Forschung ausgerichtete Panel-Infrastruktur auf („Gesundheit in Deutschland“, GID) [1]. Durch sinkende Ausschöpfungsquoten in den vergangenen Jahrzehnten ist der Aufbau einer probabilistischen Stichprobe, die Aussagen auf Bevölkerungsebene zulässt, immer ressourcenintensiver geworden. Incentives (Teilnahmeanreize) haben in diesem Kontext an Bedeutung gewonnen. Daher werden häufig Incentive-Experimente durchgeführt, um eine hohe Datenqualität bei geringerem Ressourceneinsatz zu erreichen. Das RKI führt die initiale Rekrutierung der ersten Panel-Stichprobe gemeinsam mit dem Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) durch. Ziel dieser Rekrutierung ist der Aufbau einer ersten probabilistischen Panelkohorte, die für kontinuierliche epidemiologische Studien zur Beobachtung der Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland befragt werden kann. Die Grundgesamtheit umfasst alle in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Personen ab 16 Jahren. Als Zufallsstichprobe dienten rund 170.000 Adressen einer zweifach geschichteten (Klumpen-)Stichprobe aus Einwohnermeldeämtern. Die Feldzeit lief von Januar bis Mai 2024. Ein Teil der Zielpersonen wurde zufällig für ein Incentive-Experiment mit vier Gruppen mit je 1440 Individuen ausgewählt. Die Incentives wurden entweder bedingungslos vorher ausgezahlt („vorher“) oder waren an die Registrierung für das Panel gebunden („nachher“). Die Incentive-Schemata der Gruppen waren: (1) vorher 5 €, 10 € nachher, in bar; (2) 10 € nachher, in bar; (3) 5 € vorher, 10 € nachher, als Gutschein; (4) keinerlei Incentive (Kontrollgruppe).

Zentrale Fragen des Incentive-Experiments sind: Differenziert nach Incentive-Gruppe (a) die Ausschöpfungsquote für die Panel-Registrierung, (b) die mögliche Verzerrung durch Non-Response-Bias sowie (c) die Panelfallkosten.

Methoden: Je nach Fragestellung kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz. In einem ersten Schritt werden Unterschiede der Ausschöpfungsquote differenziert nach Incentive-Gruppe deskriptiv dargestellt. Verschiedene Unterschiedstests prüfen einen etwaigen Non-Response-Bias im Vergleich mit Randverteilungen von Referenzdaten wie der Bevölkerungsvorausberechnung, dem Mikrozensus oder der GID-Hauptstichprobe; hierbei werden soziodemografische und Gesundheitsmerkmale verglichen. Für mögliche Selektionseffekte bei der Panel-Registrierung (im Vergleich zu Teilnehmenden ohne Panel-Einwilligung) werden Odds Ratios einer logistischen Regression berichtet. Für die Panelfallkosten werden die Kosten pro Panelfall je Incentive-Gruppe angegeben sowie die relativen Kosten pro Panelfall je Experimentalgruppe im Verhältnis zur Kontrollgruppe.

Ergebnisse: Die Feldzeit der Rekrutierung läuft noch bis Ende Mai 2024. Schon jetzt sind zum Teil deutliche Unterschiede zwischen den Incentive-Gruppen erkennbar. Das Incentive-Experiment bestätigt die theoretischen Überlegungen zum Incentive-Konzept. Der Einsatz von Bargeld statt Gutscheinen und die unbedingte Auszahlung („vorab“) von 5€ erhöht die Teilnahmebereitschaft substanziell. Insbesondere in der schwer erreichbaren Bevölkerungsgruppe von Personen mit niedriger Schulbildung ist eine weniger verzerrte Stichprobenzusammensetzung im Vergleich zu allen anderen Incentive-Gruppen zu beobachten.

Abschließend lassen sich die Hypothesen jedoch erst nach Feldende überprüfen.

Schlussfolgerung: Die Auswertung des Incentive-Experiments liefert Erkenntnisse dazu, wie eine hohe Datenqualität bei geringerem Ressourceneinsatz erreicht werden kann. Angesichts der großen Fallzahl und probabilistischen Ziehung lassen sich die Erkenntnisse auf ähnliche epidemiologische Forschungsvorhaben übertragen.

Interessenkonflikte: N. Frenzel Baudisch und Th. Weiß sind bei der infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH angestellt.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.


Literatur

1.
Lemcke J, Loss J, Allen J, Öztürk I, Hintze M, Damerow S, et al. Gesundheit in Deutschland: Etablierung eines bevölkerungsbezogenen Gesundheitspanels. Journal of Health Monitoring. 2024;(S2):1–22.