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Das Zusammenwirken von Schlaf und Kognition auf die Mortalität im Alter – Eine Längsschnittstudie auf Basis der NAKO Gesundheitsstudie
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| Published: | September 6, 2024 |
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Hintergrund: Schlafprobleme und kognitive Veränderungen sind in alternden Bevölkerungen weit verbreitet. Nachweislich steht eine schlechte kognitive Leistungsfähigkeit mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko im Zusammenhang. Ebenfalls werden sowohl eine reduzierte als auch gesteigerte Schlafdauer mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert. Unzureichend ist hingegen das Zusammenwirken von Schlaf und Kognition in Bezug auf die Mortalität erforscht. Daraus resultierend widmet sich dieser Beitrag folgender Forschungsfrage: Inwiefern beeinflusst die Schlafdauer den Zusammenhang zwischen subjektiver Kognition und Mortalität?
Methoden: Die Analysen basieren auf der Baseline-Erhebung der NAKO Gesundheitsstudie unter Verwendung des Mortalitäts-Follow-Ups mit 28.903 Personen, die bei Studienbeginn 65 Jahre oder älter waren. Die Messung der Kognition beruht auf der selbsteingeschätzten subjektiven Gedächtnisbeurteilung (sehr gut – mittelmäßig; schlecht - sehr schlecht). Die Schlafdauer pro Nacht wird anhand der gewöhnlichen Aufstehzeit und der Zubettgehzeit der Teilnehmenden berechnet und folgendermaßen kategorisiert: <7 Stunden; 7-9 Stunden (optimal); >9 Stunden. Mittels logistischer Regressionsanalyse wird der Einfluss der subjektiven Kognition und der Schlafdauer auf die Mortalität analysiert, kontrolliert für Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildung und verschiedene Komorbiditäten. Anschließend erfolgt die Berechnung eines Interaktionseffekts, um die mögliche Moderation durch die Schlafdauer zu untersuchen.
Ergebnisse: Sowohl eine reduzierte Schlafdauer (OR=1,3; p=0,014) als auch eine gesteigerte Schlafdauer (OR=1,2 p=0,020) sind mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert. Ebenfalls ist eine (sehr) schlechte Kognition mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert (OR=1,3; p=0,036). Der Interaktionsterm deutet darauf hin, dass die Schlafdauer die Assoziation zwischen Kognition und Mortalität moderiert. Demnach unterscheiden sich Personen mit einer optimalen Schlafdauer und schlechter Kognition nicht signifikant von Personen mit einer optimalen Schlafdauer und guter Kognition (OR=0,9; p=0,907). Weiterhin beeinflusst eine Schlafdauer von unter 7 Stunden oder über 9 Stunden das Mortalitätsrisiko negativ unabhängig von der Kognition, allerdings führt nur bei einer guten Kognition der negative Effekt einer reduzierten Schlafdauer (OR=1,3; p = 0,021) oder einer gesteigerten Schlafdauer (OR=1,2; p=0,020) zu signifikanten Mortalitätsnachteilen. Dementsprechend ist keine Akkumulation von Nachteilsdimensionen erkennbar, sondern gruppenspezifische Effekte in Abhängigkeit der Kognition.
Schlussfolgerung: Die vorläufigen Ergebnisse zeigen ein Zusammenwirken der Kognition und der Schlafdauer in Bezug auf das Mortalitätsrisiko im Alter. Dieses Zusammenwirken kann das Resultat eines Selektionseffektes sein, und die optimale Schlafdauer ein Indikator für bessere physische Gesundheit. Es kann aber auch tatsächlich ein kompensatorischer Effekt der optimalen Schlafdauer bestehen. Daher sollte dem Schlaf beeinträchtigter Personen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden und weitere gruppenspezifische Analysen durchgeführt werden.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.
