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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Die Interrelation zwischen sedentärem Lebensstil, Kognition und Mortalität im höheren Alter: Eine Längsschnittanalyse der NAKO Gesundheitsstudie

Meeting Abstract

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  • Daniela Georges - Universität Rostock, Rostock, Germany
  • Elena Rakusa - Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkankungen (DZNE), Bonn, Germany
  • Gabriele Doblhammer - Universität Rostock, Rostock, Germany; Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkankungen (DZNE), Bonn, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 351

doi: 10.3205/24gmds425, urn:nbn:de:0183-24gmds4257

Published: September 6, 2024

© 2024 Georges et al.
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Hintergrund: Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass sowohl ein sedentärer, d.h. durch Inaktivität geprägter, Lebensstil als auch eine schlechte kognitive Leistungsfähigkeit mit erhöhten Mortalitätsrisiken assoziiert sind. Weniger erforscht ist demgegenüber die Wechselwirkung zwischen diesen beiden Domänen. Ziel dieses Beitrags ist die Analyse des gleichzeitigen Einflusses von sedentärem Lebensstil und Kognition auf das Mortalitätsrisiko.

Daten und Methoden: Unter Verwendung der Baseline-Erhebung der NAKO-Gesundheitsstudie und des darin integrierten Mortalitäts-Follow-Ups werden Unterschiede im Mortalitätsrisiko nach a) sedentärem Lebensstil (< 150 Minuten Aktivität pro Woche gemessen an der MET), b) kognitiver Leistungsfähigkeit (gemessen an den drei Indikatoren der subjektiven Gedächtnisbeurteilung, der Konzentrations- und Verarbeitungsfähigkeit und dem semantischen Gedächtnis) und c) ihrem wechselseitigen Einfluss auf das Mortalitätsrisiko im Alter 65+ über einen Zeitraum von bis zu 9 Jahren analysiert (n=28.000). Mittels logistischer Regression werden gruppenspezifische Mortalitätsrisiken (Oddds Ratios, OR) unter Kontrolle auf soziodemographische und sozialstrukturelle Merkmale, Lebensstilfaktoren und relevante Komorbiditäten ermittelt.

Ergebnisse: Das Mortalitätsrisiko im Alter 65+ beträgt 4,1% und variiert in Abhängigkeit vom Lebensstil und der Kognition. Ein sedentärer Lebensstil ist mit einem bis zu 1,9-fachen Mortalitätsrisiko assoziiert. Eine schlechte Kognition ist – unabhängig vom Kognitionsindikator – mit erhöhten Mortalitätsrisiken assoziiert, wobei das OR bei einer schlechten subjektiven Gedächtnisbeurteilung bei 1,4, bei niedriger Konzentrations- und Verarbeitungsgeschwindigkeit bei 1,9 und bei einem niedrigen Level des semantischen Gedächtnisses bei 1,2 liegt (alle p<0,05). Demgegenüber unterscheiden sich Personen mit einer mittleren kognitiven Leistungsfähigkeit nicht signifikant von der Referenzgruppe mit (sehr) guter Kognition. Der Interaktionseffekt zwischen sedentärem Lebensstil und Kognition verdeutlicht, dass ein nicht-sedentärer Lebensstil kognitionsbedingte Mortalitätsnachteile nivellieren kann, denn die nicht-sedentären Gruppen mit guter und schlechter kognitiver Leistungsfähigkeit unterscheiden sich hinsichtlich ihres Mortalitätsrisikos nicht signifikant voneinander. Andererseits verstärkt ein sedentärer Lebensstil den nachteiligen Einfluss einer schlechten Kognition, sodass über alle Analysen das Mortalitätsrisiko von Personen mit gleichzeitig schlechter Kognition und sedentärem Lebensstil deutlich erhöht ist ((sehr) schlechte Gedächtnisbeurteilung*sedentärer Lebensstil: OR=3,5, p<0,001; niedrige Konzentrations- und Verarbeitungsgeschwindigkeit*sedentärer Lebensstil: OR=3,7, p<0,001; niedrige semantische Gedächtnisleistung*sedentärer Lebensstil: OR=3,3, p<0,001).

Diskussion: Die vorliegende Studie beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen dem (sedentären) Lebensstil, kognitiver Leistungsfähigkeit und dem Risiko für Mortalität bei älteren Erwachsenen. Sie verdeutlicht, dass sowohl ein sedentärer Lebensstil als auch eine beeinträchtigte kognitive Funktion eigenständige Mortalitätsrisiken darstellen. Besonders interessant ist die Erkenntnis, dass eine nicht-sedentäre Lebensweise möglicherweise die negativen Auswirkungen einer schlechten kognitiven Funktion auf das Mortalitätsrisiko abschwächen kann. Somit erweist sich die Förderung eines aktiven Lebensstils als wichtiger Faktor des gesunden Alterns, der auch alter(n)sbedingte kognitive Degenerationsprozesse nivellieren kann. Demgegenüber scheint ein inaktiver Lebensstil den ungünstigen Einfluss einer beeinträchtigten Kognition zu verstärken, was zu einem deutlich erhöhten Mortalitätsrisiko bei Personen mit beiden Risikofaktoren führt. Diese Ergebnisse betonen die Bedeutung einer ganzheitlichen Herangehensweise an die Gesundheit im Alter, die sowohl körperliche (In-)Aktivität als auch kognitive Gesundheit berücksichtigt, um das Mortalitätsrisiko zu verringern.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.