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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Zusammenhänge zwischen akustischen Indizes und der Bewertung der städtischen Geräuschumgebung basierend auf Soundwalks in Essen, Deutschland

Meeting Abstract

  • Kai Schröer - Institut für Urban Public Health, Universitätsmedizin Essen, Universität Duisburg-Essen, Essen, Germany
  • Timo Haselhoff - Institut für Urban Public Health, Universitätsmedizin Essen, Essen, Germany
  • Judith Schröder - Institut für Urban Public Health, Universitätsmedizin Essen und Universität Duisburg-Essen, Essen, Germany
  • Susanne Moebus - Institut für Urban Public Health (InUPH), Universitätsklinikum Essen, Universität Duisburg-Essen, Essen, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 857

doi: 10.3205/24gmds419, urn:nbn:de:0183-24gmds4194

Published: September 6, 2024

© 2024 Schröer et al.
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Einleitung: Akustische Umgebungen beeinflussen Gesundheit (Lärm), Wohlbefinden (Sicherheit und Orientierung) und Handlungsmöglichkeiten der Menschen [1]. Um nachhaltige und gesundheitsfördernde Städte zu schaffen, braucht es hochwertige akustische Umgebungen, insbesondere vor dem Hintergrund der notwendigen Verdichtung urbaner Räume, die mit der Zunahme von Geräuschen einhergeht [2]. Der Soundscape-Ansatz ermöglicht eine Untersuchung urbaner Umgebungsgeräusche durch Betrachtung individueller Wahrnehmung [3]. Mittels Soundwalks lassen sich durch standardisierte Fragebögen [4] verschiedene affektive Qualitäten zur akustischen Umgebung erheben. Als zeit- und kostenintensive sowie ortsgebundene Methode, eignet sich der Einsatz von Soundwalks auf der gesamtstädtischen Ebene jedoch nicht. Ein Ansatz zur Skalierung der Bewertungen der akustischen Umgebung ist die Verwendung akustischer Indizes, die verschiedene Qualitäten einer Geräuschumgebung widerspiegeln. Ziel der Arbeit ist daher, in einem ersten Schritt einen Zusammenhang zwischen akustischen Indizes und affektiven Soundscape-Qualitäten herzustellen.

Methoden: Wir verwenden Daten aus dem Projekt Be-MoVe [5]. Insgesamt wurden 35 Soundwalks mit 91 Teilnehmer:innen in zwei Essener Stadtteilen (Holsterhausen, Stadtkern) durchgeführt und Daten aus 858 Fragebögen an 22 Hörstationen mit jeweils einer dreiminütigen Audioaufnahme erhoben. Die Teilnehmer:innen dokumentieren ihre Zustimmung zu acht affektiven Qualitäten zur Beschreibung der akustischen Umgebung - beispielsweise „angenehm“ oder „störend“ - auf einer 5-stufigen Likert-Skala (1-5). Die Audioaufnahmen werden zur Berechnung der ökoakustischen Indizes Acoustic Richness (AR), Bioacoustic Index (BIO), Normalized Difference Soundscape Index (NDSI), dem Schalldruckpegel LZeq und der Link Density (LD) von auf Frequenzkorrelationsmatrizen basierenden komplexen Netzwerken verwendet. Die affektiven Qualitäten und ihre räumliche Variabilität zwischen den Untersuchungsräumen werden mittels deskriptiver Statistiken analysiert. Spearman-Rangkorrelationskoeffizienten (rho) werden zur Analyse der Zusammenhänge zwischen affektiven Qualitäten und akustischen Indizes verwendet.

Ergebnisse: Für die akustischen Umgebungen beider Untersuchungsräume war die durchschnittliche Zustimmung am höchsten für die affektiven Qualitäten „lebendig“ (3.4/5), „störend“ (3.1/5) und „ereignisreich“ (3.1/5), am niedrigsten für „ruhig“ (2.1/5). Die größten Unterschiede zwischen den beiden Untersuchungsräumen finden sich für „lebendig“, „chaotisch“ sowie „angenehm“ und „störend“, wobei die Zustimmung im Stadtkern zunimmt, mit Ausnahme von „störend“. Insgesamt deutet der durchschnittliche NDSI (-0.3) auf eine eher anthrophon geprägte Umgebung hin und die LD (0.5) auf ein mittleres Niveau akustischer Dominanz. Der Vergleich der beiden Untersuchungsräume zeigt eine höhere Lautstärke (LZeq: 74.1 zu 73.4), eine geringere Persistenz der Lautstärke (AR: 0.2 zu 0.3), einen höheren Anteil an biophonen Geräuschen (NDSI: -0.3 zu -0.4) und eine erhöhte akustische Dominanz (LD: 0.6 zu 0.3) in Holsterhausen gegenüber dem Stadtkern. Hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen affektiven Qualitäten und akustischen Indizes finden wir den höchsten Spearman-Rangkorrelationskoeffizienten zwischen „angenehm“ und LZeq (ρ = -0.48; 95% Konfidenzintervall (KI): -0.54, -0.43), was auf einen moderaten Zusammenhang hinweist. Spearman-Rangkorrelationskoeffizienten mit |ρ| ≥ 0,4 werden für „angenehm“ und LZeq (-0.5; KI: -0.5, -0.4)/LD (-0.4; KI: -0.4, -0.3), „ruhig“ und LZeq (-0.5; KI: -0.5, -0.4)/AR (-0.4; KI: -0.4, -0.3) sowie „störend“ und LZeq (0.5; KI: 0.4, 0.5)/LD (0.4; KI: 0.3, 0.4) gefunden. Alle anderen Qualitäten zeigen schwächere Zusammenhänge.

Schlussfolgerungen: Die Analysen zeigen einen moderaten Zusammenhang zwischen ausgewählten affektiven Qualitäten und akustischen Indizes. Eine Charakterisierung von Soundscapes mittels der Indizes LZeq, AR und LD bildet einen vielversprechenden Ansatz, akustische Qualitäten der urbanen Umwelt effizienter und folglich umfassender bestimmen zu können.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.


Literatur

1.
Androsch P, Sedmak F, Wiesner J. Das menschengerechte Schallwellenmeer. Von der Lärmvermeidung zur Akustischen Raumplanung. Informationen zur Raumentwicklung. 2013;3:259-267.
2.
Moebus S, Gruehn D, Poppen J, Sutcliffe R, Haselhoff T, Lawrence BT. Akustische Qualität und Stadtgesundheit – Mehr als nur Lärm und Stille. Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz. 2020;63(8):997-1003.
3.
DIN ISO 12913-1:2018-02. Akustik – Soundscape – Teil 1: Definition und Rahmenkonzept (ISO_12913-1:2014). Berlin.
4.
DIN ISO/TS 1291-2:2018. Akustik – Soundscape – Teil 2: Anforderungen an die Datenerhebung und die Dokumentation (ISO/TS 12913-2:2018). Berlin.
5.
Stadt Essen. Be-MoVe – Ein Reallabor für Fuß- und Radverkehr [Internet]. [zitiert 30.04.2024]. Verfügbar unter: https://www.essen.de/leben/umwelt/nachhaltigkeit/bemove___reallabore_fuer_die_beteiligungsbasierte_foerderung_aktiver_mobilitaet_und_gesundheitsfoerdernder_stadtraeume_1.de.jsp External link