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Die Wirkungen von unterschiedlichen Landschaftsstrukturen auf die menschliche Gesundheit
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| Published: | September 6, 2024 |
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Einleitung: Der gesundheitliche Nutzen von unterschiedlichen Grün- bzw. Naturflächen ist seit langem bekannt (z.B. durch Lärmminderung, Verbesserung der Luftqualität/thermischen Komforts). Und auch Wasserflächen wird eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Mögliche Gesundheitswirkungen von naturbasierten Interventionen sowie im speziellen die Wirkung von unterschiedlichen Naturräumen während gesundheitsbezogener Maßnahmen finden zunehmend wissenschaftliches Interesse. Jedoch besteht nach wie vor großer Forschungsbedarf, inwiefern naturbasierte Interventionen oder Interventionen in Wechselwirkung mit Umweltfaktoren und insbesondere dem Naturraum einen Effekt auf die menschliche Gesundheit haben. Es fehlen qualitativ hochwertige Studien, die die Beziehung zwischen unterschiedlichen strukturellen Elementen in der Natur und deren spezifische Wirkungen auf die menschliche Gesundheit bei naturbasierten Interventionen untersuchen. Aktuell konzentrieren sich die meisten Studien ausschließlich auf die Wirkung von Interventionen, während die Kontextfaktoren nur selten beschrieben und analysiert werden. Folglich besteht ein Mangel an Evidenz zu naturbasierten Interventionen und den potenziellen Wirkungen von unterschiedlichen Landschaftsmerkmalen bzw. Strukturelementen in der Natur auf die psychische und physische Gesundheit von Menschen.
Ziel: Der systematische Literaturreview analysiert bestehende Studien im Hinblick auf die Wirkungen von naturbasierten Therapien und die Effekte von Landschaftsräumen bzw. Strukturelementen auf die menschliche Gesundheit im Allgemeinen sowie auf die psychische und physische Gesundheit im Besonderen.
Methode: Es wurden deutsch- und englischsprachige Studien aus den Datenbanken Medline, PsycInfo, Web of Science und GreenFILE für den Zeitraum 01/2000 bis 04/2023 gesucht, in denen naturbasierte Interventionen in unterschiedlichen Naturräumen durchgeführt wurden. Nach der Pilotierung des Titel- und Abstractscreenings mit 100 Abstracts wurden basierend auf den Ein- und Ausschlusskriterien alle Treffer von jeweils zwei Forschenden gescreent. Für eingeschlossene Treffer wurde ein Volltext-Screening durchgeführt. Die Datenextraktion und Synthese der Ergebnisse der eingeschlossenen Studien wurde von zwei Forschenden unabhängig voneinander vorgenommen. Das Risiko einer Verzerrung wurde anhand von ROBIN-I für nicht-randomisierte Studien und RoB2 für RCTs ebenfalls unabhängig von zwei Forschenden bewertet.
Ergebnis: Insgesamt wurden in den vier Datenbanken 7.676 Treffer gefunden. Nach Löschung von 1.422 Duplikaten standen 6.244 Artikel für das Titel- und Abstractscreening zur Verfügung, davon wurden 6.161 Publikationen ausgeschlossen. Anschließend wurden 82 Studien einem Volltextscreening unterzogen. Insgesamt 40 Studien wurden in die Datenanalyse eingeschlossen. Zusätzlich wurden aus 217 identifizierten Übersichtsarbeiten weitere 3 Artikel extrahiert und eingeschlossen. Die 43 eingeschlossenen Studien wurden in 17 Ländern durchgeführt, dabei wurde naturbasierten Interventionen wie Landschafts-betrachtung, Waldbaden, Wandern oder Spazierengehen in verschiedenen Landschaftsräumen (Wälder, Parks, Gärten) untersucht. Die Dauer und Häufigkeit der Interventionen reichte von 2-120 Minuten bis hin zu mehrtätigen bzw. mehrwöchigen Naturaufenthalten. Insgesamt war die Heterogenität der untersuchten Landschaftselemente sehr groß. Zusammenfassend können für viele Landschaftsräume unterschiedliche Gesundheitseffekte nachgewiesen werden. Dabei scheinen Waldstrukturen im Vergleich zu Parks, Gärten oder Wiesen den größten gesundheitlichen Nutzen für die psychische und physische Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden zu haben.
Schlussfolgerung: Der systematische Literaturreview liefert eine Übersicht und damit wichtige Erkenntnisse über die positiven Wirkungen von naturbasierten Interventionen in unterschiedlichen Landschaftsräumen. Insbesondere die psychische und physische Gesundheit sowie das Wohlbefinden können durch die spezielle Gestaltung von Naturräumen verbessert werden. Diese Ergebnisse tragen zur allgemeinen Gesundheitsförderung bei und können von öffentlichen Gesundheitsdiensten, Gesundheitsdienstleistern, Tourismus oder Stadtplanung für die Entwicklung und Gestaltung von Angeboten von Nutzen sein.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.
