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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Digitale Transferformate – ein Ansatz zur Verbesserung der Wissensvermittlung im Arbeitsschutz?

Meeting Abstract

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  • Julia Moser - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dresden, Germany
  • Anne Kemter - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dresden, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 812

doi: 10.3205/24gmds383, urn:nbn:de:0183-24gmds3830

Published: September 6, 2024

© 2024 Moser et al.
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Einleitung: Der Einsatz digitaler Technologien ermöglicht eine effiziente und umfassende Vermittlung von Fachthemen zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Damit haben Arbeitsschutzakteure sowie Arbeitgeberinnen, Arbeitgeber, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer niedrigschwelligen Zugang zu relevanten Informationen. Erkenntnisse aus der Wissenschaft und Erfahrungen aus der Praxis belegen, dass eine effektive Wissensvermittlung konkretes Verhalten ändern kann [1], [2], [3]. Inwiefern wird das digital vermittelte Arbeitsschutzwissen tatsächlich in den Betrieben umgesetzt? Diese Fragesteht im Fokus einer Evaluationsstudie zu den von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) angebotenen und digital umgesetzten „Dresdner Treffpunkten für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit“.

Methode: Untersuchungsgegenstand ist die digitale Wissensvermittlung in 13 Dresdner Treffpunkten, die 2023 zu unterschiedlichen Themen, wie Klimawandel, Gefahrstoffe und psychischer Belastung durchgeführt wurden. Insgesamt haben 2.954 Teilnehmer:innen an den digitalen Veranstaltungen über die digitale Plattform WebEx partizipiert. Die Mehrzahl der Veranstaltungen (n = 9) beinhaltete zwei bis vier Expert:innenvorträge. Vier nutzten zusätzlich zur Methode der Frontalpräsentation die Workshop-Methode. Nach allen Dresdner Treffpunkten wurden zwei Befragungen zur Evaluation der jeweiligen Veranstaltung verschickt. Die erste Evaluation fand direkt im Anschluss statt und die zweite nach zwei Monaten. Der Rücklauf bei der ersten Befragung betrug 38 Prozent (N = 1.122), bei der zweiten 28 Prozent (848). Der selbstentwickelten 2-stufigen Evaluation wurde das Stufenmodell von Kirckpartick [4] zu Grunde gelegt. In der ersten Befragung lag der Evaluationsfokus auf der Zufriedenheit mit der Veranstaltung (Stufe 1; Reaktion) und auf dem Lernerfolg (Stufe 2; Lernen). Die zweite Befragung zielte auf die Wissensanwendung und Barrieren in den Betrieben (Stufe 3; Verhalten).

Ergebnisse: Die Mehrheit der Teilnehmer:innen war mit der Informationsmenge, dem Neuigkeitswert der Information, dem Nutzen für die tägliche Arbeit und der Kompetenz der Referent:innen zufrieden oder sehr zufrieden.

In Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen [1], [2], [3], wonach sich die Zufriedenheit positiv auf Wissen und Verhaltensänderungen auswirkt, zeigen die Befragungsdaten, dass 70,6 Prozent (N = 599) der Teilnehmer:innen das in den digitalen Veranstaltungen vermittelte Wissen anwendet. Am häufigsten kommt das Wissen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zum Einsatz. Gleichzeitig weisen die Ergebnisse der Veranstaltungsevaluation auf betriebliche Barrieren für eine wirksame Umsetzung des Wissens im Betrieb hin (z.B. keine Zeit, Führungskraft steht nicht hinter dem Thema).

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse bestätigen, dass digitale Formate für den Transfer von Arbeitsschutzinformationen in die betriebliche Praxis geeignet sind, denn die hohe Zufriedenheit beeinflusst die Umsetzung der vermittelten Inhalte in der betrieblichen Praxis positiv. Zusätzlich gibt über ein Drittel der Teilnehmer:innen (70,1%) nach zwei Monaten an, dass sie das erworbene Arbeitsschutzwissen aktiv nutzen. Ungefähr die Hälfte (50,1%) greift dabei auf die Veranstaltungsunterlagen zurück. Die Integration der Informationen der Dresdner Treffpunkte in die Gefährdungsbeurteilung zeigt die Anschlussfähigkeit der angebotenen Informationen an die betriebliche Praxis. Allerdings berichten nur 26,7% der Teilnehmer:innen der zweiten Befragung von Veränderungen im Betrieb durch die Wissensanwendung. Zukünftige Dresdner Treffpunkte sollten an der praxisnahen Wissensanwendung festhalten, um den Arbeitsschutz zu verbessern.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.


Literatur

1.
Burke JM, Day RR. A cumulative study of the effectiveness of managerial training. J Appl Psychol. 1986;71:232-45.
2.
Lacerenza CN, Reyes DL, Marlow SL, Joseph DL, Salas E. Leadership training design, delivery, and implementation: A meta-analysis. J Appl Psychol. 2017;102(12):1686-1718.
3.
Uslu D, Marcus J, Kisbu-Sakarya Y. Toward optimized effectiveness of employee training programs: A meta-analysis. J Pers Psychol. 2022;21(2):49–65.
4.
Kirkpatrick JD, Kirkpatrick WK. Kirkpatrick’s Four Levels of Training Evaluation. Alexandria (VA): ATD Press; 2016.