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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Typ 2 Diabetes in der erwerbstätigen Bevölkerung: Unterscheiden sich Raten und Trends zwischen neun Berufsgruppen? Eine Analyse anhand von Routinedaten der AOK Niedersachsen

Meeting Abstract

  • Batoul Safieddine - Medizinische Soziologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany
  • Julia Graßhoff - Medizinische Soziologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany
  • Siegfried Geyer - Medizinische Soziologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany
  • Stefanie Sperlich
  • Jelena Epping - Medizinische Soziologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany
  • Johannes Beller - Medizinische Soziologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 123

doi: 10.3205/24gmds381, urn:nbn:de:0183-24gmds3810

Published: September 6, 2024

© 2024 Safieddine et al.
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Hintergrund: Sozioökonomische Ungleichheiten bei Typ-2-Diabetes (T2D) sind gut etabliert. Vor dem Hintergrund sich verändernder Arbeitsbedingungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf den Lebensstil, das sitzende Verhalten und die Gestaltung eines metabolischen Risikoprofils ist jedoch nicht bekannt, ob sich die T2D-Prävalenz zwischen verschiedenen Berufsgruppen, unbesehen der sozioökonomischen Position, unterscheidet. Vor diesem Hintergrund untersuchten wir die Unterschiede bei der T2D-Prävalenz und deren zeitlichen Entwicklung zwischen 2012 und 2019 in neun Berufsbranchen definiert nach KldB2010.

Methoden: Die Studie basiert auf Daten der „Allgemeine Ortskrankenkasse Niedersachsen“ AOKN. Insgesamt wurden 1,6 Millionen erwerbstätige Personen berücksichtigt, die zwischen 2012 und 2019 versichert waren. Die Prävalenzraten von T2D, dargestellt durch versicherungsdauer- und altersadjustierte vorhergesagte Wahrscheinlichkeiten für die T2D-Prävalenz in vier Zweijahreszeitperioden zwischen 2012 und 2019, wurden auf der Grundlage von logistischen Regressionsanalysen mit ‘margins‘ geschätzt. Prävalenz-Ratios wurden berechnet, um den zeitlichen Effekt auf die T2D-Prävalenz in den neun Berufsbranchen zu untersuchen. Die Analysen wurden nach Geschlecht und zwei Altersgruppen (18-45 Jahre; >45 Jahre) stratifiziert.

Ergebnisse: Die Analysen zeigten Unterschiede zwischen den Berufsbranchen hinsichtlich der vorhergesagten Wahrscheinlichkeiten für T2D. Die Berufsbranchen „Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit“ und „Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung“ wiesen die höchsten vorhergesagten Wahrscheinlichkeiten auf, während Beschäftigte in der Branche „Land-, Forst-, Tierwirtschaft, Gartenbau“ mit Abstand die niedrigsten vorhergesagten Wahrscheinlichkeiten für T2D hatten. In allen Berufsbranchen hatten Männer in der älteren Altersgruppe deutlich höhere Vorhergesagten Wahrscheinlichkeiten für T2D im Vergleich zu Frauen. Insgesamt zeigte sich ein steigender Trend bei der T2D-Prävalenz in der Altersgruppe 18-45 Jahre, und ein sinkender Trend in der Altersgruppe >45 Jahre, mit geschlechtsspezifischen Unterschieden zwischen den Berufsbranchen.

Schlussfolgerung: Da die Literatur über die horizontalen beruflichen Unterschiede bei T2D begrenzt ist, zielten die Analysen darauf ab, vulnerable Berufsbranchen zu definieren, auf die sich zukünftige Studien konzentrieren sollten. Unsere Studie zeigte geschlechts- und altersspezifische unterschiedliche Vulnerabilitätsniveaus zwischen den Berufsbranchen in Bezug auf die Prävalenz und die zeitliche Entwickelung von T2D in der Zeitperiode zwischen 2012 und 2019. Spezifische Berufe innerhalb der vulnerablen Berufsbranchen müssen in künftigen Studien in den Mittelpunkt gestellt werden, unter Betrachtung von potentiellen Störfaktoren und Mediatoren. Dies ist notwendig, um spezifische Zielgruppen zu definieren, auf die T2D-Präventionsmaßnahmen ausgerichtet werden sollten.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.