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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Same same but different? Arbeitsbedingungen in der ambulanten und stationären Jugendhilfe – eine Querschnittstudie

Meeting Abstract

  • Maren Kersten - Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), Hamburg, Germany
  • Sylvie Vincent-Höper - Medical School Hamburg (MSH), Hamburg, Germany
  • Tanja Wirth - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Hamburg, Germany
  • Sabine Gregersen - Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), Hamburg, Germany
  • Albert Nienhaus - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Competenzzentrum Epidemiologie und Versorgungsforschung bei Pflegeberufen (CVcare), Hamburg, Germany; Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), Hamburg, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 113

doi: 10.3205/24gmds380, urn:nbn:de:0183-24gmds3800

Published: September 6, 2024

© 2024 Kersten et al.
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Text

Hintergrund: In der Jugendhilfe gibt es im Wesentlichen zwei Bereiche – die ambulante und die (teil-) stationäre Jugendhilfe. Beide zeichnen sich durch eine hohe emotionale Anforderung aus, da die Beschäftigten kontinuierlich mit dem psychischen und physischen Leid ihrer Klient:innen konfrontiert sind. Die Arbeit ist geprägt durch den Fachkräftemangel, die Verantwortung für das Wohlergehen der Klientinnen und Klienten und eine anspruchsvolle Beziehungsarbeit. Das Hauptziel dieser Studie ist, die Arbeitsbedingungen, Copingstrategien und Gesundheitsindikatoren in der Jugendhilfe insgesamt sowie in den Subgruppen der ambulanten und stationären Jugendhilfe möglichst umfassend und systematisch zu untersuchen, um Empfehlungen für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung sowie berufsspezifische Präventionsmaßnahmen abzuleiten.

Methode: Die Teilnehmenden wurden über die Leitungen der bei der BGW versicherten Verbände sowie über BGW-Medien eingeladen an der Online-Befragung teilzunehmen. Für die Analyse der Arbeitsbedingungen der ambulanten und stationären Jugendhilfe wurden arithmetische Mittelwerte der erhobenen Skalen sowie die zugehörigen Standardabweichungen gruppenweise berechnet. Die Mittelwerte der Skalen wurden mittels t-Tests verglichen und die Effektstärken mit Cohens d quantifiziert.

Ergebnisse: Insgesamt nahmen N=1044 Beschäftigte an der Studie teil, wobei 671 Personen (64,3 %) dem Bereich der stationären Jugendhilfe angehörten. Die meisten Arbeitsmerkmale wiesen ähnliche Ausprägungen in der ambulanten und stationären Jugendhilfe auf. Es gab jedoch einige Unterschiede. Insbesondere waren die sozialen Anforderungen und die Aggressionen seitens der Klient:innen in der stationären Jugendhilfe höher ausgeprägt. Der Handlungsspielraum war in der stationären Jugendhilfe deutlich geringer ausgeprägt, während die Beschäftigten in diesem Bereich eine höhere Sinnhaftigkeit der Arbeit sowie ein höheres Maß an selbstgefährdenden Stressbewältigungsstrategien zeigten. Die Gesundheitsindikatoren unterschieden sich in ihrer Ausprägung nicht signifikant voneinander.

Schlussfolgerungen: Besondere Aufmerksamkeit sollte in der stationären Jugendhilfe auf die Gewaltprävention und die Stärkung des Entscheidungsspielraums gelegt werden, da diese beiden Faktoren im Vergleich zur ambulanten Jugendhilfe auffällig waren.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.

Der Beitrag wurde bereits präsentiert: Vortrag auf der 64. Wissenschaftlichen Jahrestagung der DGAUM (https://www.dgaum.de/fileadmin/pdf/Jahrestagung/2024_Muenchen/DGAUM2024_Programmheft_final_compressed_04.03.2024.pdf). Keine Veröffentlichung des Abstracts im Tagungsband.


Literatur

1.
Baldschun A. Arbeitszufriedenheit von Sozialarbeitern: Konzepte, Strukturen und Faktoren des Wohlbefindens von Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen in sozialen Diensten. In: Borrmann S, Fedke C, Thiessen B, Hrsg. Soziale Kohäsion und gesellschaftliche Wandlungsprozesse. Sozialer Wandel und Kohäsionsforschung. Wiesbaden: Springer VS; 2019.
2.
Sozialgesetzbuch (SGB) Achtes Buch (VIII) Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII).
3.
Vincent-Höper S, Lengen JC, Kersten M, Gregersen S. Analysis of Job-Related Demands and Resources in Ambulatory Youth Welfare Services: A Qualitative and Quantitative Approach. Int J Environ Res Public Health. 2020;17(8):2941. DOI: 10.3390/ijerph17082941 External link