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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Erfahrungen, Hürden und Erwartungen bei der Nutzung der Darmkrebsvorsorge – eine qualitative Befragung von Menschen mit Migrationsgeschichte

Meeting Abstract

  • Diana Wahidie - Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit (Department für Humanmedizin), Lehrstuhl für Versorgungsforschung, Witten, Germany
  • Alena Allak - Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit (Department für Humanmedizin), Lehrstuhl für Versorgungsforschung, Witten, Germany
  • Yüce Yilmaz-Aslan - Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit (Department für Humanmedizin), Lehrstuhl für Versorgungsforschung, Witten, Germany
  • Patrick Brzoska - Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit (Department für Humanmedizin), Lehrstuhl für Versorgungsforschung, Witten, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 664

doi: 10.3205/24gmds368, urn:nbn:de:0183-24gmds3688

Published: September 6, 2024

© 2024 Wahidie et al.
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Text

Einleitung: Studien aus unterschiedlichen Ländern zeigen, dass Menschen mit Migrationsgeschichte Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen seltener in Anspruch nehmen als die Mehrheitsbevölkerung. Solange die Inanspruchnahme bzw. Nicht-Inanspruchnahme auf einer informierten Entscheidung basiert, ist dies aus einer Public-Health-Perspektive betrachtet unproblematisch. Studien zum Gebärmutterhalskrebs- und Brustkrebsscreening weisen jedoch darauf hin, dass Menschen mit Migrationsgeschichte im Gesundheitssystem auf Barrieren stoßen, die eine informierte Entscheidung behindern. Bisher ist unklar, welche Erfahrungen Menschen mit Migrationsgeschichte mit der Darmkrebsvorsorge in Deutschland gemacht haben, welchen Hürden sie beim Zugang zur Darmkrebsvorsorge begegnen und was sie von der Versorgung erwarten. Ziel des vorliegenden Vorhabens war es daher, die Barrieren, die Menschen mit Migrationsgeschichte bei der Nutzung der Darmkrebsvorsorge wahrnehmen sowie ihre Erwartungen und Wünsche an die Versorgung zu ermitteln. Exemplarisch wurden dabei Menschen mit türkischer und afghanischer Migrationsgeschichte betrachtet.

Methoden: Es wurden 18 leitfadengestützte Einzelinterviews mit Menschen mit türkischer und afghanischer Migrationsgeschichte durchgeführt, von denen 10 weiblich und 8 männlich waren. Die Interviews wurden entweder telefonisch oder persönlich im häuslichen Umfeld der Teilnehmenden geführt und audio-aufgezeichnet. Die Rekrutierung der Interviewteilnehmenden erfolgte über das persönliche soziale Netzwerk sowie in Zusammenarbeit mit einem Kulturzentrum und zwei Kulturvereinen. Die Interviews wurden auf Deutsch, Türkisch und Dari geführt. Die Interviews wurden mittels inhaltlich strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet.

Ergebnisse: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass unzureichende Kenntnisse über das deutsche Gesundheitssystem, eine mangelnde Arzt-Patienten-Kommunikation, Ängste vor einer Krebsdiagnose, den Vorbereitungsmaßnahmen für eine Darmspiegelung und die Angst vor Schmerzen während der Behandlung sowie Misstrauen in die Wirksamkeit von Vorsorgemaßnahmen die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge behindern. Die Befragten äußerten insbesondere den Wunsch nach Informationen in ihrer Muttersprache (schriftlich oder audiovisuell), verstärkte ärztliche Aufklärung sowie eine Einbindung von Informationen zu Vorsorgemaßnahmen in bestehende Integrations- und Sprachkurse.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse weisen auf den Bedarf an einer verbesserten Kommunikation und Information im Zusammenhang mit der Darmkrebsvorsorge hin. Informations- und Aufklärungsmaßnahmen sollten nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell sensibel gestaltet sein, um den Bedürfnissen der Zielgruppe gerecht zu werden.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.