Article
Entitätsspezifische Unterschiede zwischen beruflichen Positionen im Return-to-Work nach Krebs
Search Medline for
Authors
| Published: | September 6, 2024 |
|---|
Outline
Text
Einleitung: Jährlich werden in Deutschland etwa 500.000 Krebserkrankungen neu diagnostiziert. Verbesserungen in der Behandlung und Früherkennung verschiedener Krebsentitäten sowie die auf einem hohen Niveau verharrenden altersstandardisierten Inzidenzraten haben dazu geführt, dass aktuell etwa 35 % aller Diagnosen bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter (20-64 Jahre) gestellt [1] werden. Ein zentrales Rehabilitationsziel für diese Betroffenen ist die Rückkehr ins Erwerbsleben (Return-to-Work, RTW). Die RTW-Rate variiert dabei in Abhängigkeit medizinischer Faktoren und den damit einhergehenden Erkrankungs- und Behandlungsfolgen (Versterben, frühzeitiger Rentenbezug) sowie dem ausgeübten Beruf mit 30–93 % stark [2]. Das Ziel der Arbeit ist daher die Darstellung der Unterschiede in der beruflichen Position für verschiedene Krebsentitäten (ICD-10 C17–21, C30–39, C50, C60–63).
Methoden: Für die Analysen wurden Rehabilitations- und Erwerbsverlaufsdaten von Personen (N = 35.611) aus dem Scientific Use File „Abgeschlossene Rehabilitation im Versicherungsverlauf“ der Deutschen Rentenversicherung verwendet, die im Antrag der onkologischen Rehabilitation angaben, erwerbstätig zu sein. Mit Hilfe von Restricted Mean Survival Time (RMST) Analysen wurden die Wahrscheinlichkeiten der Zustände: Erwerbstätig, Erwerbslos, Krankengeldbezug, Alters- und Erwerbsminderungsrente sowie Tod im Beobachtungszeitraum von 8 Jahren berechnet. Zur Ermittlung von adjustierten relativen RTW-Unterschieden in der beruflichen Position wurden zudem logistische Regressionsmodelle erstellt. Dabei wurde ein erfolgreicher RTW dann angenommen, wenn die Person in einem der beiden Jahre nach der medizinischen Rehabilitation mindestens 360 Tage erwerbstätig gemeldet war und in dem entsprechenden Jahr keinen Rentenantrag gestellt hatte.
Ergebnisse: Insgesamt erreichten 49 % (n = 2.272) der Rehabilitand:innen mit Bösartigen Neubildungen (BN) im unteren Verdauungstrakt, 27 % (n = 759) der Rehabilitand:innen mit BN der Atmungsorgane, 63 % (n = 10.307) der weiblichen Brustkrebsrehabilitand:innen und 60 % (n = 3.579) der Rehabilitand:innen mit BN der männlichen Genitalorgane einen RTW innerhalb von 2 Jahren nach Ende der Rehabilitation. Die mittlere Zeit in Erwerbstätigkeit der 5 Jahre nach der Reha reichte von 16 Monaten bei Rehabilitand:innen mit BN der Atmungsorgane bis 36 Monaten Brustkrebsrehabilitand:innen. Auch in Bezug auf das Überleben und die Zeiten in Erwerbslosigkeit sowie Erwerbsminderungsrente zeigten sich entitätsspezifische Unterschiede zwischen einfachen und qualifizierten sowie manuellen und nicht-manuellen Berufen. Die Assoziationen der Regressionsmodelle für den RTW nach 2 Jahren bestätigten die RMST-Analysen der beruflichen Position. So zeigten sich beispielsweise in den adjustierten Odds Ratios bei Rehabilitand:innen mit BN im unteren Verdauungstrakt signifikante Unterschiede in nahezu allen beruflichen Positionen. Bei Personen mit BN der männlichen Genitalorgane zeigten sich nur in Bezug auf die höchste berufliche Position signifikant höhere Chancen auf einen RTW.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse können zu einem besseren Verständnis entitätsspezifischer RTW-Unterschiede zwischen unterschiedlichen beruflichen Positionen beitragen und erweitern die Erkenntnisse aus bisherigen Befragungsstudien [3]. Die RMST-Analysen ermöglichen dabei eine intuitive Interpretation der Effektstärken. Dies kann genutzt werden, um den Rehabilitations- und Erwerbsverlauf darzustellen und Ansatzpunkte für die berufliche Reha zu entwickeln.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.
Literatur
- 1.
- Schellack S, Kowalski C, Nowossadeck E, Barnes B. Krebsneuerkrankungen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland. Forum. 2023;38(4):265–8.
- 2.
- Spelten ER, Sprangers MAG, Verbeek JHAM. Factors reported to influence the return to work of cancer survivors: a literature review. Psycho-Oncology. 2002;11(2):124–31.
- 3.
- Arndt V, Koch-Gallenkamp L, Bertram H, Eberle A, Holleczek B, Pritzkuleit R, et al. Return to work after cancer. A multi-regional population-based study from Germany. Acta Oncologica. 2019;58(5):811–8.
