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Effekte von Communities That Care auf kommunale Präventionsstrukturen – Ergebnisse der quasi-experimentellen CTC-EFF-Studie
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| Published: | September 6, 2024 |
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Hintergrund: Communities That Care (CTC) ist eine weltweit verbreitete Rahmenstrategie für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung (PGF) bei Jugendlichen [1]. Ihre fünf Kernelemente sind: Aufbau eines lokalen PGF-Netzwerks, Schulung und technische Unterstützung des Netzwerks, lokale Datenerhebung zu Risiko-/Schutzfaktoren sowie jugendlichem Problemverhalten, bedarfsorientierte Auswahl evidenzbasierter PGF-Maßnahmen aus einem Evidenzregister sowie qualitätsgesicherte Umsetzung dieser Maßnahmen. Kontrollierte Studien aus den USA und Australien belegen die Wirksamkeit von CTC. Die Community Youth Development Study (CYDS) zeigt, dass die Effekte von CTC auf jugendliches Problemverhalten zu 95 % darüber zustande kommen, dass CTC die Übernahme eines wissenschaftsbasierten PGF-Ansatzes durch die Kommunen befördert [2], [3]. Derzeit wird erstmalig die Wirksamkeit von CTC in Deutschland untersucht. Der Beitrag geht der Frage nach, inwiefern die von CTC intendierten Veränderungen lokaler Präventionsstrukturen im deutschen Kontext erreicht werden.
Methodik: Die vom BMBF von 4/2020 bis 12/2023 geförderte, an der Medizinischen Hochschule Hannover und Universität Hildesheim angesiedelte CTC-EFF-Studie [4], [5] ist eine konzeptuelle Replikationsstudie der CYDS (DRKS00022819). An dieser nicht-randomisierten cluster-kontrollierten Studie nahmen zu T0 je 21 CTC- und a-priori gematchte Vergleichskommunen (IK/VK) aus Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz teil. Aufgrund hoher Drop-outs wurde das 1:1-Matching der Kommunen ex-post aufgehoben. Die Analysen basieren auf Angaben von 79 Community Key Informants (CKI) aus 28 Kommunen, für die sowohl zu T0 (2021) als auch zu T1 (2023) Daten vorliegen (n = 49 CKI aus 17 IK und n = 30 CKI aus 11 VK). Der primäre Endpunkt ist der Anteil der CKI, deren Kommune nach einem Index aus 21 Items einer der beiden höchsten Stufen der Übernahme eines wissenschaftsbasierten PGF-Ansatzes zuzuordnen ist. Sekundäre Endpunkte sind das Ausmaß der intersektoralen Kooperation für PGF, der Zusammenarbeit für PGF, des Bevölkerungsrückhalts für PGF (Wertebereich jeweils 1 bis 4) sowie der Budgetanteil (%), der nach Meinung der CKI für PGF eingesetzt werden sollte. Unterschiede in Mittelwerten (MW) wurden mit Mann-Whitney-U-Tests und in Anteilswerten mit Kontingenzanalysen getestet.
Ergebnisse: Während sich der primäre Endpunkt zu T0 nicht signifikant zwischen IK und VK unterschied, (22%/7%; p=,066) zeigte sich zu T1 ein signifikanter Unterschied zugunsten der IK (30%/10%; p=,034). Wenngleich sich die sekundären Endpunkte auf deskriptiver Ebene in den IK positiver entwickelten als in den VK, sind diese Unterschiede nicht signifikant: Zusammenarbeit zu T0 1,35/1,54 (p=,188) zu T1 1,45/1,52 (p=,638), intersektorale Kooperation zu T0 1,50/1,70 (p=,130) zu T1 1,91/2,01 (p=,313), Bevölkerungsrückhalt zu T0 1,70/1,69 (p=,794) zu T1 1,68/1,63 (p=,638) und finanzieller Rückhalt zu T0 51,2%/54,6% (p=,170) zu T1 53,8%/53,2% (p=,963).
Conclusio: Bei der Ergebnisbewertung ist zu beachten, dass aufgrund der COVID-19-Pandemie die angestrebten Fallzahlen nicht erreicht, das a-priori Matching aufgehoben und die Analysestrategie daran angepasst wurde. Die Ergebnisse zu den intendierten Veränderungen lokaler Präventionsstrukturen sprechen für einen Effekt von CTC auf den primären Endpunkt (Übernahme wissenschaftsbasierter PGF). Dieser Effekt fiel etwas schwächer aus als erwartet. Aus den Kommunen liegen Hinweise vor, dass dies den Pandemiemaßnahmen geschuldet ist. Es wurden keine signifikanten Effekte auf die sekundären Endpunkte gefunden. Die Ergebnisse sprechen insgesamt für die Wirksamkeit von CTC im deutschen Kontext, sollten aber zurückhaltend interpretiert werden.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
Literatur
- 1.
- Walter U, Groeger-Roth F, Röding D. Evidenzbasierte Prävention für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: Der Ansatz „Communities That Care“ (CTC) für Deutschland. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2023 Jul;66(7):774-83.
- 2.
- Hawkins JD, Catalano RF, Arthur MW, Egan E, Brown EC, Abbott RD, et al. Testing communities that care: the rationale, design and behavioral baseline equivalence of the community youth development study. Prev Sci. 2008 Sep;9(3):178-90.
- 3.
- Brown EC, Hawkins JD, Rhew IC, Shapiro VB, Abbott RD, Oesterle S, et al. Prevention system mediation of communities that care effects on youth outcomes. Prev Sci. 2014 Oct;15(5):623-32.
- 4.
- Röding D, Soellner R, Reder M, Birgel V, Kleiner C, Stolz M, et al. Study protocol: a non-randomised community trial to evaluate the effectiveness of the communities that care prevention system in Germany. BMC Public Health. 2021 Oct 23;21(1):1927. DOI: 10.1186/s12889-021-11935-x
- 5.
- Röding D, Reder M, Soellner R, Birgel V, Stolz M, Groeger-Roth F, et al. Evaluation des wissenschaftsbasiertenkommunalen Präventionssystems Communities That Care: Studiendesign und Baseline-Äquivalenz intermediärer Outcomes. Präv Gesundheitsf. 2023 18:316–26.
