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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Betriebliche Gesundheitsförderung in der Pflege gemeinsam gestalten – Potenziale und Barrieren für Partizipation. Ergebnisse von Fokusgruppen und einem World-Café im Rahmen der Projekte zur Guten gesunden Arbeit in der Pflege in Krankenhäusern in M-V

Meeting Abstract

  • Catrin Nathalie Roßbach - Hochschule Neubrandenburg, Neubrandenburg, Germany
  • Julie Haeger - Hochschule Neubrandenburg, Neubrandenburg, Germany
  • Susanne Hartung - Hochschule Neubrandenburg, Neubrandenburg, Germany
  • Hanna Janetzke - Hochschule Neubrandenburg, Neubrandenburg, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 254

doi: 10.3205/24gmds295, urn:nbn:de:0183-24gmds2958

Published: September 6, 2024

© 2024 Roßbach et al.
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Text

Einleitung: Pflegefachkräfte sind die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen und vielfältigen Belastungen ausgesetzt. Im Rahmen von Betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) können eine Vielzahl von verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit und Arbeitsbedingungen umgesetzt werden. Voraussetzung und Gelingensbedingung dafür ist, dass den Zielgruppen ein hohes Maß an Partizipation ermöglicht wird.

Methoden: Um Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Partizipation von Pflegenden im Bereich BGF/BGM zu untersuchen, wurden zwei Fokusgruppeninterviews mit Leitungspersonen der Pflege (n=3) und BGM-Verantwortlichen in Krankenhäusern (n=4) durchgeführt. Grundlage dafür waren Erkenntnisse aus zuvor geführten leitfadengestützten Einzelinterviews (n=41) mit betrieblichen und überbetrieblichen Akteuren im Bereich BGF. Abgeleitete Handlungsempfehlungen zur Gestaltung von gesunder Arbeit in Krankenhäusern wurden auf einem Fachtag im Rahmen eines World Cafés mit 29 Vertreter*innen von Krankenhäusern und Sozialversicherungsträgern diskutiert. Die Ergebnisse der Interviews und Fokusgruppen wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.

Ergebnisse: Partizipation von Mitarbeitenden ist auf vielfältige Art möglich. Je nach Fokus kann sie stark auf die individuelle Person und ihren Arbeitsbereich oder auf übergeordnete Prozesse im Unternehmen bezogen sein. Beispiele für Partizipationsmöglichkeiten sind BEM-Gespräche, innerbetriebliches Vorschlagswesen, Teilnahme an Bedarfserhebungen, Mitwirkung in QM-Zirkeln und Steuerkreisen, die Mitarbeitervertretung oder auch Zielvereinbarungs-/Mitarbeitergespräche. Eine Herausforderung ist, dass Pflegende durch den fordernden Arbeitsalltag erschöpft und von Vorerfahrung mit Partizipation resigniert sind (z.B. durch fehlende Rückmeldungen bei Bedarfserhebungen, Maßnahmenentwicklung etc.). Pflegekräfte sind oft auch schwer erreichbar im Arbeitsalltag, was zu Informationslücken führt. Da die meisten Partizipationsmöglichkeiten im Sinne einer Komm-Struktur konstruiert sind, ist die Inanspruchnahme bzw. Teilnahme durch die Pflegenden mitunter eingeschränkt. Umso wichtiger ist daher die aktive Unterstützung von Partizipation durch Führungskräfte (z.B. durch Freistellung, aktive Ansprache in Teamsitzungen). Eine weitere Möglichkeit zur Partizipation im BGM besteht im Einsatz von Multiplikator*innen. Diese können je nach Position im Unternehmen unterschiedliche Rollen einnehmen, z.B. als Lotsen zu Angeboten Betrieblicher Gesundheitsförderung, als Informationsvermittler*innen zwischen BGM und Pflegebereich oder als Organisator*innen bereichsspezifischer Angebote zur BGF.

Schlussfolgerung: Partizipation kann auf mehreren Ebenen in Krankenhäusern mit verschiedenen Ansätzen und Strategien ermöglicht werden. Wichtig ist den Mitarbeitenden die Partizipationsmöglichkeiten aufzuzeigen und ihre Inanspruchnahme aktiv zu unterstützen. Partizipationsprozesse bedürfen einer umfassenden, begleitenden Kommunikation, damit sie für die Mitarbeitenden als sichtbar und wirksam erlebt werden. Für den Einsatz von Multiplikator*innen im Bereich BGM braucht es idealerweise ein auf den Betrieb angepasstes Multiplikator*innenkonzept, welches klare Tätigkeitsbeschreibungen und Zuständigkeiten enthält und eine starke Einbindung der Multiplikator*innen in betriebliche Prozesse unterstützt. Überlegungen für ein solches Konzept werden in diesem Beitrag dargestellt.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.