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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Gesunde Sozialdienste – Ergebnisse eines Surveys zu psychischen Belastungen und Beanspruchungsfolgen von Beschäftigten der Sozialdienste der Krankenhäuser in Deutschland

Meeting Abstract

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  • Ines Dieckmännken - Universität Kassel, Kassel, Germany
  • Alfons Hollederer - Universität Kassel, Kassel, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 108

doi: 10.3205/24gmds293, urn:nbn:de:0183-24gmds2932

Published: September 6, 2024

© 2024 Dieckmännken et al.
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Einleitung: Sozialarbeitende sehen sich berufsbedingten psychischen Belastungen wie emotionalen und kognitiven Anforderungen konfrontiert. Psychische Belastungen können die Entwicklung von Burnout zur Folge haben. Aktuelle Gesundheitsreporte zeigen, dass Berufsgruppen im Sozial- und Gesundheitswesen eine überproportional hohe Anzahl an Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund psychischer Störungen und Verhaltensstörungen verzeichnen. Dies trifft im Besonderen auf Mitarbeitende in Krankenhäusern, zu denen auch die Beschäftigten der Sozialdienste zählen, zu. Das SGB V verpflichtet die Krankenhäuser zur Sicherstellung der sozialen Betreuung und Beratung der Patient:innen. Dieser Aufgabe kommen in besonderer Weise die Beschäftigten der Sozialdienste nach, die mithilfe von persönlichen, sozialen, ökonomischen, rechtlichen und verwaltungsbezogenen Unterstützungsmaßnahmen die Betreuung und Beratung der Patient:innen gewährleisten sollen. Dabei spielen die psychosoziale Beratung, die Klärung von Fragen zur wirtschaftlichen Situation sowie die Organisation und Koordination mit anderen Fachdiensten im Rahmen des Entlassmanagements eine zentrale Rolle. Ziel dieser Studie ist es daher, psychische Belastungen und Beanspruchungsfolgen von Beschäftigten der Sozialdienste der Krankenhäuser in Deutschland zu analysieren.

Methode: Im November 2023 wurde eine freiwillige Online-Befragung bei den Sozialdiensten aller Krankenhausstandorte in Deutschland zu psychischen Belastungen und Beanspruchungsfolgen durchgeführt. Die Datenbasis bildete das Verzeichnis der Krankenhäuser und Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen des Statistischen Bundesamtes. Der Survey umfasste ein breites Variablenset zu psychischen Belastungen und Beanspruchungsfolgen, die im Rahmen der deutschsprachigen Version des COPSOQ abgefragt wurden. Zudem wurden eigene Items zum Vorhandensein von Angeboten der Betrieblichen Gesundheitsförderung und Supervision integriert.

Ergebnisse: Es nahmen 619 von insgesamt 2.503 Sozialdiensten der Krankenhausstandorte in Deutschland an der Erhebung teil. Die Rücklaufquote betrug unter Berücksichtigung der Grundgesamtheit 25 %. Die für die Sozialdienste jeweils antwortenden Personen waren zu 84 % weiblich und zu 16,2 % männlich. 70,0 % der Befragten gaben an, in den letzten 12 Monaten trotz Krankheit zur Arbeit gegangen zu sein. Mithilfe der umfassenden COPSOQ-Datenbank der Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften findet zudem eine vergleichende Gegenüberstellung der Sozialarbeitenden in den Sozialdiensten mit Sozialarbeitenden insgesamt und allen anderen Berufsgruppen statt.

Diskussion: Die Erkenntnisse liefern Hinweise zur Verbreitung berufsbezogener psychischer Belastungen und Beanspruchungsfolgen bei Sozialarbeitenden in den Sozialdiensten der Krankenhäuser und Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland. Im Besonderen wird das Phänomen des Präsentismus dabei berücksichtigt, da der Anteil in dieser Befragung über dem Vergleichswert eines nationalen Surveys lag: Der Fehlzeitenreport 2023 zeigte, dass 56,7 % der befragten Angestellten in den letzten 12 Monaten mindestens an einem Tag trotz Krankheit zur Arbeit gegangen waren, bzw. im Home Office gearbeitet hatten. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse werden Optimierungspotentiale für die gesundheitsfördernde Anpassung berufsbezogener psychischer Belastungen diskutiert und Handlungsempfehlungen abgeleitet, um insbesondere die gestiegenen Krankenstände und Arbeitsunfähigkeiten zu adressieren und damit zur Prävention und Gesundheitsförderung in den Sozialdiensten der Krankenhäuser beizutragen.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.


Literatur

1.
Dieckmännken I, Hollederer A. Sozialmedizinische Aufgaben und Herausforderungen der Sozialdienste im stationären Gesundheitswesen. In: Gostomzyk J, Hollederer A, editors. Angewandte Sozialmedizin. Landsberg: ecomed MEDIZIN; 2023. p. 1–15.
2.
Hollederer A. Working conditions, health and exhaustion among social workers in Germany. European Journal of Social Work. 2022;25(5):792–803.
3.
Hollederer A. Aktuelle Entwicklungen in der betrieblichen Gesundheitsförderung in Deutschland. In: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), editor. Arbeit und Gesundheit von Erwerbstätigen in Deutschland: Auswertungen mit der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung im Fokus. Dortmund: BAuA; 2023. p. 43–49.
4.
Hollederer A. Arbeitsunfähigkeit in der Sozialen Arbeit in Deutschland: Covid-19, Burnout und Arbeitsunfälle bei Berufen der Sozialarbeit/-pädagogik in der Corona-Pandemie. Zeitschrift Klinische Sozialarbeit. 2023;19(02):9–12.
5.
Hollederer A. Wer leidet in der Sozialen Arbeit an Erschöpfung? Soz Passagen. 2023;15(1):233–250.