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Perspektive der Teilnehmenden an einem Pilotprogramm zur Förderung bewegungsbezogener Gesundheitskompetenz am Arbeitsplatz
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| Published: | September 6, 2024 |
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Einleitung: Körperliche Aktivität kann dabei unterstützen, das Auftreten chronischer Erkrankungen zu vermeiden. Viele Menschen, gerade auch Büroangestellte, bewegen sich jedoch nicht ausreichend, um gesundheitswirksame Effekte körperlicher Aktivität zu erreichen. Deshalb wurde ein digitales Bewegungsprogramm für diese Personengruppe entwickelt, das sich direkt am Schreibtisch durchführen lässt. Es enthält zwei Videos pro Woche mit jeweils einer Übung, die durch wissensbasierte Aspekte und motivationsfördernde Informationen auf Basis des Modells der bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz ergänzt wurden. Um einen vertieften Einblick in die Motive und Einstellungen der Teilnehmenden zu den Programminhalten zu erhalten, wurden im Anschluss die Teilnahmemotivation am Bewegungsprogramm und potenzielle Barrieren aus der Perspektive der Nutzenden erhoben.
Methoden: In leitfadengestützten Interviews wurden 11 Studienteilnehmende (5 Abbrecher*innen und 6 Personen, die die Studie abgeschlossen haben; Altersdurchschnitt: 49 ± 8 Jahre) dazu befragt, wie sie ihre Teilnahme an dem Bewegungsprogramm wahrgenommen haben. Der Leitfaden beinhaltete Fragen zur Bewegung im Alltag und bei der Arbeit, zu bewegungsbezogener Gesundheitskompetenz, zum Ablauf und der Bewertung des Bewegungsprogramms sowie zur Perspektive auf Bewegungsangebote am Arbeitsplatz. Die Auswertung erfolgte anhand der strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz.
Ergebnisse: Die Befragten bewerten das Bewegungsprogramm, insbesondere die kurzen Videos, die jeweils eine Übung und Erklärungen auf Basis des Modells der bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz beinhalten, mehrheitlich positiv. Ein förderlicher Faktor zur Teilnahme wird insbesondere im Design des Programms gesehen. Zu Barrieren für die Teilnahme zählen das Arbeitsumfeld, insbesondere die Bürosituation, potenzielle Reaktionen von Kolleg*innen, oder wahrgenommene Einstellungen der Vorgesetzten. Fünf der elf Befragten haben die Teilnahme abgebrochen. Zum Abbruch der Studienteilnahme führten persönliche oder arbeitsbezogene Gründe wie Mehrarbeit oder ein eigenes Trainingsprogramm. Die Teilnehmenden, die das Bewegungsprogramm abgeschlossen haben, haben ein höheres Bewusstsein für die Relevanz von Bewegung erlangt, sie setzen auch nach dem Programm individuell passende Übungen im eigenen (Arbeits-)Alltag um, allerdings nicht mehr so regelmäßig wie während der Programmteilnahme.Bei den meisten Befragten hat die Teilnahme zudem nicht nur zu mehr Bewegung im Arbeitsumfeld geführt, sondern auch in der Freizeit.
Schlussfolgerung: Aus Sicht der Teilnehmenden besteht ein Bedarf nach Bewegung am Arbeitsplatz. Das hier entwickelte Programm bietet eine Möglichkeit, die Relevanz von Bewegung sowohl bei der Arbeit als auch in der Freizeit herauszustellen und die Teilnehmenden bei der Umsetzung durch Videoübungen und Informationen zu körperlicher Aktivität auf Basis des Modells der bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz zu unterstützen. Damit die Implementierung gelingt, braucht es aber Unterstützung von den Unternehmen und Kolleg*innen sowie die Möglichkeit, das Programm auf die je individuelle Arbeitssituation abzustimmen. Zudem sollten Strategien entwickelt werden, wie die langfristige Umsetzung des Verhaltens sichergestellt werden kann. Möglichkeiten wären Reminder auch nach Programmende, eine partizipative Entwicklung des Programms oder eine hybride Durchführung, um die Verbindlichkeit der Teilnahme zu erhöhen.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
