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Qualitätssicherungsverfahren „Sepsis“ – klinische Diagnose versus Kodierung?
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| Published: | September 6, 2024 |
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Einleitung: Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) ist gemäß § 137a SGB V dazu berufen, den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) als Auftrag- und Normgeber mit Empfehlungen zu allen Fragen der gesetzlichen Qualitätssicherung zu beraten. 2020 beauftragte der G-BA das IQTIG mit der Entwicklung eines Qualitätssicherungsverfahrens (QS-Verfahren) „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Sepsis“ [1].
In jedem QS-Verfahren braucht es Kriterien, die festlegen welche Fälle Teil des Verfahrens sein werden. Diese bilden dann den sogenannten QS-Filter. Gemäß Beauftragung soll sich das QS-Verfahren Sepsis an der S3 Leitlinie dieser Erkrankung [2] und entsprechend der Sepsis-3 Definition orientieren. Letztere definiert die Erkrankung als akut lebensbedrohliche Organdysfunktion, hervorgerufen durch eine inadäquate Wirtsantwort auf eine Infektion und eine lebensbedrohliche Organdysfunktion gemäß Dimensionen des SOFA-Score. Der progrediente klinische Verlauf der Krankheit steht den Grenzen des QS-Filters gegenüber. Der Filter kann, bei einem stationären Verfahren wie diesem, nur über ICD- oder in Kombination mit einem oder mehreren OPS-Kodes der Sozialdaten bei den Krankenkassen als stationäre Entlassdiagnose auslösen. Hieraus entsteht die Herausforderung ein klinisches Instrument zur Verlaufsdokumentation, wie der “Sepsis-related organ failure assessment score“ (SOFA-Score) ein solches ist, in eine Diagnose zu einem festen Zeitpunkt, in dem Fall die stationäre Entlassdiagnose zu übersetzen.
Methodik: Die nachfolgend dargestellte Auslösung wurde auf Basis von Literatur, bestehenden Definitionen und Kodierhilfen, sowie dem Einbezug von Expertinnen und Experten entwickelt. Die SOFA-Kriterien des Scores, die die Schwere der Organdysfunktion beurteilen, wurden in ICD-/OPS-Kodes zur Abbildung der akut lebensbedrohlichen Organdysfunktion übersetzt und dann miteinander in explorativen Sozialdatenanalysen miteinander kombiniert.
Ergebnisse: Für die Auslösung eines Falles wurden schließlich drei Blöcke mit ICD- und/oder OPS-Kodes gebildet, die dann in drei Varianten miteinander kombiniert wurden:
- Variante 1: septischer Schock (R57.2)
- Variante 2: Kode aus Sepsis-Block UND 2Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom“ (SIRS) infektiöser Genese mit Organkomplikationen (R65.1) UND NICHT septischer Schock
- Variante 3: Kode aus Sepsis-Block UND Kode aus Organdysfunktions-Block UND NICHT Kode aus R-Block
Insgesamt beinhalten alle Blöcke rund 580 Kodes, so dass eine hohe Anzahl an Kombinationsmöglichkeiten entsteht [3], [4].
Diskussion: In explorativen Sozialdatenanalysen konnte gezeigt werden, dass diese Methodik rund 235.000 Sepsisfälle jährlich auslöst. Dies entspricht auch den Fallzahlen in vergleichbarer Literatur und zeigt die hohe Spezifität des QS-Filters, der in seiner Komplexität dieses ebenfalls komplexe Krankheitsbild für die Qualitätssicherung erfassbar macht.
Schlussfolgerung: Anhand dieses Verfahrens zeigt sich, dass es möglich ist eine Brücke zu bauen zwischen den klinischen Anforderungen der Diagnosestellung und der Datengrundlage, derer sich die Qualitätssicherung bedienen muss. So kann eine Erkrankung wie die Sepsis, die mit einer hohen Sterblichkeit einhergeht, im Sinne der Qualitätsförderung zur Verbesserung der medizinischen Versorgungsqualität erfassbar gemacht werden.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.
Literatur
- 1.
- G-BA. Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Beauftragung des IQTIG mit der Entwicklung eines Qualitätssicherungsverfahrens Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Sepsis. 2020. Verfügbar unter: https://www.g-ba.de/downloads/39-261-4377/2020-07-16_IQTIG-Beauftragung_QS-Sepsis_DeQS-RL.pdf
- 2.
- Brunkhorst FM, Weigand M, Pletz M, Gastmeier P, Lemmen SW, Meier-Hellmann A, et al. S3-Leitlinie: Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge. AWMF-Registernummer 079–001. Deutsche Sepsis Gesellschaft (DSG); Dezember 2018. Verfügbar unter: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/079-001.html
- 3.
- IQTIG. Entwicklung eines Qualitätssicherungsverfahrens „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Sepsis“. Abschlussbericht. 2022. Verfügbar unter: https://iqtig.org/downloads/berichte/2022/IQTIG_Entwicklung-QS-Verfahren-Sepsis_Abschlussbericht_2022-05-31.pdf
- 4.
- IQTIG. Qualitätssicherungsverfahrens „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Sepsis“. Abschlussbericht. Machbarkeitsprüfung. 2023. Verfügbar unter: https://iqtig.org/downloads/berichte/2023/IQTIG_Machbarkeitspruefung-Sepsis_Abschlussbericht_2023-06-30-barrierefrei.pdf
