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Akzeptanz und Umsetzung der Kompetenzorientierung – bietet die Lehr-Lernkultur im Medizinstudium ausreichend Raum für studentische Kompetenzentwicklungsprozesse?
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| Published: | July 30, 2024 |
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Die Kompetenzorientierung prägt als Leitkonzept die Neustrukturierung des Humanmedizin-Studiums. Inhaltlich sollen praxisnahe Prüfungen angestrebt, der Wechsel von Input- zu Output-/Outcome-Orientierung vollzogen und die Vermittlung von Wissen, Fertigkeiten und Haltungen realisiert werden. Das primäre Lehren, Lernen und Prüfen von reinem Faktenwissen soll zugunsten der Erlangung einer selbstständigen klinischen Handlungskompetenz verändert werden. Aus der medizinischen Ausbildungsforschung sind gleichzeitig Beobachtungen bekannt, die im studentischen Lernen prüfungsstrategisches Verhalten und Selektieren von Lerninhalten nach Prüfungsrelevanz, weniger nach Praxisrelevanz beschreiben. Auch Trivialisierung und Zergliederung komplexer Zusammenhänge, verbesserungswürdige Wissensvernetzung und unzureichende Lerntiefe werden wahrgenommen. Mit Blick auf die Kompetenzorientierung und die Entwicklung von Handlungskompetenz besteht somit das Risiko, die curricularen Bemühungen um externe Wissensintegration durch Lehrorganisation mittels Lernspirale und Orientierung an Learning Outcomes und Lernzielen könnten ihre Wirkung bezüglich Kompetenzentwicklung der Studierenden verfehlen, wenn die interne Wissensintegration durch die Lernenden selbst zu wenig vollzogen wird. Der aufscheinende Konflikt könnte darauf hindeuten, daß sowohl Lernende als auch Lehrende sich noch nicht hinreichend an der Kompetenzentwicklung orientieren, da häufig das hauptsächlich auf Wissensreproduktion ausgelegte Lehren und Lernen weiterhin großes Gewicht hat und sich in der Studierendenschaft aufgrund guter Kalkulierbarkeit nicht selten hoher Akzeptanz erfreut. Lernumgebungen, in denen klinisches Denken und Handeln im Vordergrund stehen und in denen durch Problemorientierung eine höhere Komplexität entsteht, erzeugen bei Studierenden dagegen häufiger Unsicherheiten. Daher soll die Haltung Lehrender und Lernender zur Kompetenz reflektiert werden. In welcher Lehr-Lernkultur bewegen wir uns aktuell im Medizinstudium? Eignen sich die derzeitigen Lern- und Prüfungsbedingungen für die Kompetenz-Entwicklung von Studierenden? Wie könnte eine Modifikation des Lehrens und Lernens gelingen, die persönliche Entwicklung und Handlungskompetenz fördert und gleichzeitig nicht im Kontrast zur ärztlichen Praxis steht?
Moderationsleitung: Sven Benson (Essen)
Ablauf der Vorträge und Diskussion:
- Heiko Schmitz (Düsseldorf): Lehren – Lernen – Prüfen – Das Konzept der Kompetenzorientierung und Hypothesen zu dessen Akzeptanz aus der Perspektive des Düsseldorfer Modellstudiengangs Medizin
- Andreas Burger (Bochum): POL und die Haltung der Lehrenden: Bestimmend für den Lernerfolg?
- Diskussion und Fazit
Literatur
- 1.
- Fabry G. Wie lassen sich professionelle Kompetenzen im Medizinstudium vermitteln? Ethik Med. 2022;34(3):287-299. DOI: 10.1007/s00481-022-00695-w
- 2.
- Ross S, Hauer KE, Wycliffe-Jones K, Hall AK, Molgaard L, Richardson D, Oswald A, Bhanji F; ICBME Collaborators. Key considerations in planning and designing programmatic assessment in competency-based medical education. Med Teach. 2021;43(7):758-764. DOI: 10.1080/0142159X.2021.1925099
- 3.
- Rotthoff T. Standing up for Subjectivity in the Assessment of Competencies. GMS J Med Educ. 2018;35(3):Doc 29. DOI: 10.3205/zma001175
