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Absolvent*innenbefragungen als Grundlage für Qualitätsentwicklung und Forschung in der medizinischen Ausbildungsforschung: Beispiele aus Bayern und Baden-Württemberg
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| Published: | July 30, 2024 |
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Inhaltlicher Schwerpunkt des Symposiums: Strukturierte Befragungen von Absolvent*innen universitärer Studiengänge, sog. Absolvent*innenstudien (fortan: ASN), werden seit den siebziger Jahren in Deutschland durchgeführt. ASN werden häufig von Universitäten (oft im Verbund mehrerer Institutionen) initiiert und primär als Instrument des internen Monitorings und Qualitätsmanagements genutzt. Immer häufiger jedoch führen auch überregionale institutionelle Akteure in Kooperation mit Universitäten solche Studien durch. Hierdurch entstehen zunehmend wertvolle Datenquellen auch für wissenschaftliche Fragestellungen aus dem Bereich der medizinischen Ausbildungsforschung, etwa zum Kompetenzerwerb, zum regionalen Verbleib, zur Facharztwahl und ihren Gründen oder auch zu Herausforderungen am Übergang in den Arztberuf. Besonders attraktiv werden diese Daten durch die substanziellen Stichprobengrößen sowie die Möglichkeit, multizentrisch-vergleichende und/oder längsschnittliche Untersuchungen anzustellen. Vor diesem Hintergrund verfolgt unser Symposium das Ziel, medizinspezifische ASN vorzustellen und anhand bereits vorliegender Auswertungen und Analysen deren Stellenwert als Informationsquelle für die medizinische Ausbildungsforschung aufzuzeigen.
Dabei stehen zwei grundlegende Fragestellungen im Fokus:
- Welchen Herausforderungen sieht sich die nachhaltige Verankerung von ASN in den Fakultäten gegenüber und wie können diese gelöst werden? Wir stellen beispielhaft die Bayerische Absolventenstudie Medizin (MediBAS) an den bayerischen human-, zahn- und tiermedizinischen Fakultäten sowie die Kooperation der Medizinischen Fakultäten Freiburg und Ulm im Rahmen der Befragungen ihrer Absolvent*innen vor. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Programme sollen überblicksartig aufgezeigt werden. Zudem bietet eine vergleichende Perspektive eine relevante Grundlage für die Diskussion verschiedener Organisationsformen von ASN sowie, allgemeiner, von Potenzialen solcher Befragungen für die medizinische Ausbildungsforschung.
- Wir fokussieren die Frage, wie sich Forschungsergebnisse aus diesen Studien hinsichtlich Gestaltung und Innovation in der medizinischen Ausbildung nutzbar machen lassen. Wir stellen ausgewählte wissenschaftliche Ergebnisse aus den beiden ASN im Fokus des Symposiums vor und reflektieren deren Relevanz im Bezug auf die genannte Zielsetzung.
Beiträge:
- Einführung und Moderation: Pascal Berberat (TU München) und Martin Fischer (LMU München)
- Diskussionsbeitrag: Christian Schirlo (Universität Luzern)
- Beitrag 1: Die Bayerische Absolventenstudie Medizin (MediBAS)
Maike Reimer (IHF), Martin Gartmeier (TU München), Johanna Huber (LMU München), Stefanie Keil (Universität Regensburg), Nina Kolb (LMU München), Alexander Kotz (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) & Nina Luisa Zerban (Universität Würzburg)
Die MediBAS-Studie wurde 2015 ins Leben gerufen und stellt ein Kooperationsprojekt zwischen dem Bayerischen Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) und den bayerischen human-, zahn- und tiermedizinischen Fakultäten dar, vertreten durch das Bayerische Kompetenznetz Medizinlehre Bayern (KMB). Für die Befragungen der Absolvent*innen wurde ein an die Human-, Zahn- und Tiermedizin angepasster Fragebogen entwickelt, der auf dem Absolventenfragebogen des IHF basiert. Die Absolvent*innen werden mind. ein halbes Jahr bis max. eineinhalb Jahre nach dem 3. Staatsexamen befragt. Seit dem Winter 2015/16 werden im Turnus von drei Jahren die jeweiligen Absolvent*innen der teilnehmenden Hochschulen befragt. Mittlerweile liegen aus bislang drei Erhebungswellen (15/16, 18/19 und 22/23) Daten von über 1.500 Absolvent*innen vor. - Beitrag 2: Mit gemeinsamen Befragungen mehr erfahren – Die Kooperation der Medizinischen Fakultäten Freiburg und Ulm
Kevin Kunz (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), Hannah Köpper (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) & Oliver Keis (Universität Ulm)
Die Medizinischen Fakultäten Freiburg und Ulm führen gemeinsame Befragungen der Absolvent*innen der Humanmedizin durch. Die zunächst im BMBF-geförderten MERLIN-Projekt baden-württembergweit angelegte Absolvent*innenbefragung wird nunmehr, nach Projektende, in Kooperation der Universitäten Freiburg und Ulm weitergeführt und verstetigt. Die Befragungen finden jeweils ca. eineinhalb Jahre nach Studienabschluss statt und werden jährlich durchgeführt. Befragt werden alle Absolvent*innen des jeweiligen Abschlussjahrgangs. Die erste gemeinsame Befragung der Medizinischen Fakultäten Freiburg und Ulm nach Abschluss des MERLIN-Projekts mit überarbeitetem Fragebogen fand von Dezember 2022 bis April 2023 mit dem Abschlussjahrgang 2020/21 statt. - Beitrag 3: Zentrale Forschungsarbeiten aus der MediBAS 2015-2023: Ein Überblick
Johanna Huber (LMU München) & Martin Gartmeier (TU München)
Der MediBAS-Fragebogen wurde kontinuierlich von den beteiligten Fakultäten zur Beantwortung von spezifischen Forschungsfragen genutzt und weiterentwickelt, wobei unterschiedliche aktuelle Themenschwerpunkte gesetzt wurden. Ergebnisse zu folgenden Aspekten werden berichtet: Auslandsmobilität humanmedizinischer Absolvent*innen im Studium: Ziele und Gründe im Fächervergleich; Entwicklung und Validierung der Munich Research Competence Scale (auf Basis des NKLM) und die Rolle der medizinischen Promotion für die Ausbildung von Wissenschafts-/Forschungskompetenz; Resilienz humanmedizinischer Absolvent*innen: Status und Einflussfaktoren. - Beitrag 4: Auf’s Land?! Wohin zieht es die Absolvent*innen?
Hannah Köpper (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), Kevin Kunz (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) & Oliver Keis (Universität Ulm)
Vor dem Hintergrund der 2021 in Baden-Württemberg beschlossenen Studienzulassung über die „Landarztquote“ zur Verbesserung der Versorgung im ländlichen Raum wurden entsprechende Fragen zur Studienzulassung, zur Beschäftigung und zum beruflichen Verbleib in die Absolvent*innenbefragungen von Freiburg und Ulm aufgenommen. Eine Auswahl dieser Befragungsergebnisse soll beispielhaft für die Bedeutung von Absolvent*innenbefragungen zur Beantwortung aktueller Fragestellungen vorgestellt werden.
