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Von engagierten Medizinstudierenden zu Change Agents im Gesundheitswesen? Was studentische Modulverantwortliche für ihre berufliche Praxis lernen
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| Published: | July 30, 2024 |
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Fragestellung/Zielsetzung: Medizinstudierende, die sich aktiv für die Curriculumentwicklung einsetzen, profitieren von zahlreichen Vorteilen: Sie können mitbestimmen, sammeln reichhaltige Studienerfahrungen, entwickeln pädagogische und berufliche Visionen in der Medizin und erweitern ihre Führungserfahrung, z.B. durch Interessenvertretung und Problembewältigung [1], [2]. Es ist bisher jedoch wenig darüber bekannt, wie sich das studentische Engagement in der Curriculumentwicklung auf die spätere berufliche Praxis und die Lehre auswirkt.
Methoden: Die Studie wurde an der Charité – Universitätsmedizin Berlin durchgeführt. Der integrierte, kompetenzbasierte Modellstudiengang Medizin umfasst 40 Module, in welchen ca. 3000 Studierende lernen. In jedem Modul sind studentische Modulverantwortliche (StüMve) zusammen mit verantwortlichen Lehrenden der Fakultät für die Weiterentwicklung und Verbesserung der Lehre zuständig. StüMve organisieren die Evaluation ihrer jeweiligen Module, holen sich qualitatives Feedback der Mitstudierenden ein und besprechen in umfangreichen Modulreviews die Ergebnisse und Implementierung der Neuerungen [3]. Mittels leitfadengestützten, teilstrukturierten Online- und Präsenzinterviews wurden ehemalige StüMve zu ihrem aktuellen Berufsleben und ihrer lehrbezogenen Tätigkeit befragt. Insgesamt waren in der Zeit von Wintersemester 10/11 bis Wintersemester 16/17 N=54 StüMve tätig, von denen 34 kontaktierbar waren und zur Studie via e-Mail eingeladen wurden.
Ergebnisse: Es wurden bislang 9 Interviews mit ehemaligen StüMven, jetzt tätig als Ärzt*innen, durchgeführt und mittels der strukturierten Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2023) ausgewertet. Die Interviewten sind seit min. 5 Jahren im Beruf tätig. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass folgende damals erlernten Fähigkeiten und Haltungen als StuMv auch heute im Beruf angewendet werden: Die Durchsetzung von Interessen durch effektives Verhandeln und Diskutieren, die Übernahme von Verantwortung, die Fähigkeit sich selbst zu organisieren, die Vorbereitung von Konzepten und das Entwickeln eines Verständnisses für Fakultätspolitik. Zudem konnte ein hohes Engagement für die Verbesserung der Lehre in der derzeitigen Berufspraxis festgestellt werden.
Diskussion: Medizinstudierende, die sich für die Weiterentwicklung ihres Curriculums engagieren, lernen eine Vielzahl von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sie als ärztliche Change Agents im Gesundheitswesen einsetzen. Zudem behalten sie auch nach dem Studium ihr Engagement für die Verbesserung der Lehre und versuchen als treibende Kraft Strukturen in ihrem beruflichen Alltag zu verändern.
Literatur
- 1.
- Annan HG, Do V, MacLeod A. Learning by doing: A phenomenological study of medical student leaders. Med Educ. 2023;57(8):753-760. DOI: 10.1111/medu.15025
- 2.
- Dhaese SA, Van de Caveye I, Vanden Bussche P, Bogaert S, De Maeseneer J. Student participation: to the benefit of both the student and the faculty. Educ Health (Abingdon). 2015;28(1):79-82. DOI: 10.4103/1357-6283.161921
- 3.
- Milles LS, Hitzblech T, Drees S, Wurl W, Arends P, Peters H. Student engagement in medical education: A mixed-method study on medical students as module co-directors in curriculum development. Med Teach. 2019;41(10):1143-1150. DOI: 10.1080/0142159X.2019.1623385
