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Die Gesundheitskompetenz junger Eltern im Rahmen der U2-Vorsorgeuntersuchung erscheint defizitär
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| Published: | July 30, 2024 |
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Hintergrund und Zielsetzung: Die Gesundheitskompetenz von Eltern ist hochrelevant für ein gesundes Aufwachsen von Kindern. Pro Jahr werden in Deutschland über 700.000 Kinder geboren, 95% erhalten die Vorsorgeuntersuchung U2 durch eine/n Kinderärzt*in. Meistens erfolgt die U2 auf der Wochenbettstation. Gesundheitsuntersuchungen sind Leistungen der GKV; die Inhalte der U2 sind in der Kinder-Richtlinie des G-BA festgelegt: Hör-, Hüftdysplasie- und Stoffwechselscreening, Früherkennung Cholestase, Prophylaxe von Hirnblutung, Karies- und Rachitis, Verhaltensempfehlung zur SIDS-Prophylaxe, Aufklärung zum Schütteltrauma, Allergieprävention, Ernährung und Körperpflegeaspekte und es erfolgt ein Ausblick auf zukünftige Untersuchungen und Impfungen.
Ob die Fülle an Information im Klinikalltag verständlich und bleibend vermittelt wird, ist nicht untersucht. Eine einheitliche Schulung des ärztlichen Personals erfolgt nicht und die Durchführungsqualität wird nicht überprüft.
Zusätzlich vermuten wir, dass die Anstrengungen und Aufregung rund um die Geburt zu einer herabgesetzten Aufnahmekapazität der wenige Stunden alten Eltern führen können, nicht selten verstärkt durch eine Sprachbarriere.
Verminderte elterliche Gesundheitskompetenz kann zu vermeidbaren Gesundheitsproblemen und Folgeerkrankungen ihrer Kinder führen. Ziel dieser Untersuchung ist deshalb, die Ist-Situation zu analysieren und Lösungsmöglichkeiten daraus zu erarbeiten.
Methoden: In Fokusgruppeninterviews mit Klinikärzten und niedergelassenen Kinderärzten, die die weiteren Vorsorgeuntersuchungen in ihrer Praxis durchführen, ist eine Ist-Stand-Analyse erhoben worden. Zusätzlich wurden U2 Gespräche auf mehreren Wochenbettstationen beobachtet und die Inhalte auf Vollständigkeit überprüft.
Ergebnisse: Fokusgruppeninterviews ergaben, dass wesentliche Inhalte der U2 bei Eltern zur U3 nach 4 Wochen häufig nicht mehr erinnerlich sind. Dabei bleibt offen, ob Inhalte keine Erwähnung fanden oder ob die erforderliche Aufnahmekapazität bei den anwesenden Elternteilen unzureichend war.
Die zur Verfügung stehende Zeit für eine U2 beträgt max. 25 min. Darin sind körperliche Untersuchung, Blutentnahme, Screeningtests und ärztliches Aufklärungsgespräch enthalten. Selten wurden Inhalte vollständig übermittelt. Bei vorliegender Sprachbarriere und ohne Dolmetscher wurden einige Inhalte gar nicht besprochen.
Patientenorientierte Kommunikation ist nicht möglich. Aktive Fragen wurden von Eltern kaum gestellt und es erfolgt keine Verständnisüberprüfung.
Diskussion und Ausblick: Die hier aufzeigte Lücke zwischen angestrebter und bei den Eltern nachweisbarer Inhaltsvermittlung zu Themen rund um die Gesundheit des Babys führt uns zu folgenden Hypothesen:
- Das U2 Aufklärungsgespräch ist inhaltlich überladen.
- Eine patientenorientierte Kommunikation erfolgt bisher nicht.
- Es besteht ein dringender Bedarf an verbesserter Gesundheitsaufklärung für Eltern.
- Ein Folgeprojekt ist nötig, um eine qualitativ nachhaltige Verbesserung zu erreichen.
