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Quantitative und qualitative Analyse der Wirkung eines 3-Schritte-Modells zum Blended Learning in der mikroskopischen Anatomie im Vergleich zur traditionellen Vorlesung
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| Published: | July 30, 2024 |
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Fragestellung/Zielsetzung: Vor dem Hintergrund einer möglichen Einführung der neuen Approbationsordnung im Jahr 2027, die eine Umwandlung von 30% der traditionellen Vorlesungen in Blended-Learning-Formate vorsieht, war das Ziel unseres Forschungsprojektes, ein niederschwelliges und effektives Konzept zur Digitalisierung von Vorlesungsinhalten zu entwickeln.
Methoden: Unser konzeptueller Ansatz beinhaltete zunächst eine gründliche Analyse der Schwerpunktthemen der zu digitalisierenden Vorlesungen. Auf dieser Basis entwickelten wir ein 3-Schritte-Modell zur Digitalisierung, das an zwei Vorlesungen der Mikroskopischen Anatomie erprobt wurde. Der erste Schritt bestand im Bereitstellen von digitalisierten Lehrmaterialien (Inputphase: Videos, Texte oder annotierten Folien). Im zweiten Schritt folgten anwendungsorientierte Aufgaben (Anwendungsphase: Freitextaufgaben, MC-Fragen oder Uploadaufgaben). Der dritte Schritt (Feedbackphase) ermöglichte eine Selbstkontrolle durch bereitgestellte Ressourcen. Ein Fortschrittsbalken diente zur zeitaktuellen Visualisierung des individuellen Bearbeitungsfortschritts. Die Umsetzung des entwickelten Konzepts wurde mit einer traditionellen Präsenzvorlesung verglichen, die von denselben Dozierenden zu einem vergleichbaren Thema gehalten wurde. Neben Wissenszuwachs und Effizienz wurden von n=231 Proband*innen auch emotionale Parameter erhoben [1], deren Expression in vorherigen Forschungsarbeiten mit nachhaltigem Bildungserfolg in Verbindung gebracht wurde [2], [3]. Der methodische Rahmen bestand aus einem Mixed-Methods-Ansatz, der quantitative und qualitative Analyseverfahren kombinierte.
Ergebnisse: Die Anwendung unseres 3-Schritte-Modells zeigte einen signifikant höheren subjektiv empfundenen Wissenszuwachs im Vergleich zur konventionellen Präsenzvorlesung (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]). Weiterhin wurden negative Emotionen wie Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit, Scham, Frustration, Verwirrung und Langeweile in der digitalisierten Form signifikant reduziert, während positive Emotionen wie Zufriedenheit, Hoffnung, Freude und Stolz signifikant gesteigert wurden (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]).
Diskussion: Die qualitativen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die positiven quantitativen Effekte auf eine verbesserte Zeiteinteilung, verzeichnete Erfolgserlebnisse, individuell anpassbares Lerntempo und sofortiges Feedback zurückzuführen sind. Diese Ergebnisse bestätigen die Effektivität unseres Digitalisierungsansatzes und dessen Potential, Blended-Learning-Formate für Lehrende sowie Lernende effizient und benutzerfreundlich zu gestalten. Das 3-Schritte-Modell bietet einen Ansatz, der darauf abzielt, auf die aktuellen und künftigen Herausforderungen in der medizinischen Lehre zu reagieren. Unser Modell unterstützt die Integration humanistischer und transformativer Lerntheorien in die medizinische Ausbildung.
Literatur
- 1.
- Pekrun R, Goetz T, Titz W, Perry RP. Academic Emotions in Students’ Self-Regulated Learning and Achievement: A Program of Qualitative and Quantitative Research. Educ Psychol. 2002;37(2):91-105. DOI: 10.1207/S15326985EP3702_4
- 2.
- Pekrun R, Lichtenfeld S, Marsh HW, Murayama K, Goetz T. Achievement Emotions and Academic Performance: Longitudinal Models of Reciprocal Effects. Child Dev. 2017;88(5):1653-1670. DOI: 10.1111/cdev.12704
- 3.
- Pekrun R, Goetz T, Frenzel AC, Barchfeld P, Perry RP. Measuring emotions in students’ learning and performance: The Achievement Emotions Questionnaire (AEQ). Contemp Educ Psychol. 2011;36(1):36-48. DOI: 10.1016/j.cedpsych.2010.10.002
