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Welche Faktoren beeinflussen die Publikationschance einer medizinischen Dissertation?
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| Published: | July 30, 2024 |
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Fragestellung: Ein zentrales Ziel des Medizinstudiums ist die Sicherung des wissenschaftlichen Nachwuchses und des Forschungsfortschritts [1]. Dieses Ziel soll auch über studienbegleitende Promotionen verfolgt werden, deren Qualität durch zusätzliche finanzielle Mittel für Betreuung und Promotionsstipendien angehoben werden soll. Um diese Mittel zu rechtfertigen, muss sichergestellt werden, dass medizinische Promotionen wissenschaftlich erfolgreich abgeschlossen werden. Unter Erfolg verstehen wir dabei neben dem Abschluss der Dissertation eine Publikation der Forschungsarbeit mit Zugang und Mehrwert für die wissenschaftliche Community. In diese Studie sollen Faktoren, die diesen Erfolg begünstigen, identifiziert werden.
Methoden: Die Studie wurde als Mixed-Methods-Ansatz durchgeführt. Dazu wurden für die Promotionsjahrgänge 2019 und 2020 sämtliche Dissertationen zum „Dr. med.“ an der Medizinischen Fakultät der LMU München analysiert (n=653). Die in „PubMed“ gefundenen und der jeweiligen Dissertation zugeordneten Publikationen wurden u.a. mit Forschungsart und H-Faktor der Betreuenden korreliert.
Um weitere Erfolgsfaktoren zu identifizieren, wurden darauf aufbauend halbstrukturierte, gemischt deduktiv-induktive Einzelinterviews mit insgesamt 13 Promovenden durchgeführt und nach Mayring ausgewertet. Die Auswahl erfolgte nach dem Maximum Variation Sampling.
Ergebnisse: Lediglich 56% der Promovierten publizierten ihre Dissertationsforschung, davon 60% mit einer Publikation, 20% mit zwei. Sowohl die Wahrscheinlichkeit zu publizieren als auch der kumulative Impact Factor der Publikationen war bei experimentellen Arbeiten signifikant höher. Darüber hinaus bestand eine erhöhte Wahrscheinlichkeit zur Publikation bei einem H-Faktor des Betreuenden im mittleren Bereich sowie ein erhöhter kumulativer Impact Factor bei einem H-Faktor des Betreuenden im mittleren bis hohen Bereich. In den Interviews legten die Teilnehmer besonderen Wert auf die zwischenmenschliche Beziehung, welche die Erreichbarkeit, Zusammenarbeit, Publikationsmotivation und das Themeninteresse positiv beeinflusst. Besonders von den erfolgreichen Promovenden wurde eine Inanspruchnahme von externen Mentoren und statistischer Beratung sowie eine frühzeitige Information über die Publikationserwartung und den Zeitplan genannt.
Diskussion: Unsere Daten geben Hinweise für die Notwendigkeit von zusätzlichen individuellen Beratungsangeboten für die Promovenden sowie einer guten, persönlichen Beziehung zur Betreuung mit klarer Zieldefinition.
Take Home Message: Besonders experimentelle Arbeiten werden viel und hochrangig publiziert. Betreuung und eine klare Zieldefinition sind Schlüsselfaktoren für den wissenschaftlichen Erfolg einer medizinischen Doktorarbeit.

