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SiGerinn – Sicherheit und Interprofessionalität in der Geburtshilfe, gemeinsam und von Beginn an. Ein interprofessionelles Lehrprojekt für angehende Ärzt:innen, Hebammen und Pflegende
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| Published: | July 30, 2024 |
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Fragestellung/Zielsetzung: Interprofessionelle Lehre (IPL) verspricht die frühzeitige Ausbildung interprofessioneller Kompetenz und damit einen positiven Einfluss auf Versorgungsqualität und Patientensicherheit [1]. In der Geburtshilfe ergeben sich besondere Herausforderungen an die interprofessionelle Zusammenarbeit (IPZ) durch die geteilte Expertise verschiedener Berufsgruppen sowie die Besonderheit des im Grundsatz physiologischen Prozesses einer Geburt, kombiniert mit dem Respekt vor seltenen, aber potenziell schwerwiegenden Komplikationen [2]. Das Projekt SiGerinn hat zum Ziel, ein interprofessionelles Training zum Thema Patientensicherheit (iPST) in der Geburtshilfe zu entwickeln.
Methoden: Die Entwicklung der Trainingsinhalte basiert auf der Evaluation von Frameworks zum Thema IPZ, angewendet auf das Setting Geburtshilfe. Es wurde pilotierend als Teil einer interprofessionellen Ausbildungsstation auf der Wöchnerinnenstation des Universitätsklinikum Bonn implementiert. Eine formative Evaluation erfolgte zur kontinuierlichen Verbesserung von Inhalten und Konzept. Zur Effektevaluation wird mittels einer Prä-/Post-Befragung der selbst eingeschätzte Kompetenzgewinn der Teilnehmenden sowie deren Einschätzungen zum Nutzen von IPL erhoben. Das Projekt ist befristet bis Dezember 2024.
Ergebnisse: Kernthemen des iPST sind IPZ und Patientensicherheit in der Geburtshilfe, Patient*innenorientierung, Rollenverständnis und Kommunikation. Die formative Evaluation und vorläufige Ergebnisse der Prä-/Post-Erhebung zeigen eine hohe Zustimmung zu den Inhalten des iPST im Setting Geburtshilfe. Die praktische Umsetzbarkeit wird maßgeblich beeinflusst durch individuelle Motivation, Unterstützung durch Leitende und Lehrende sowie organisatorische Gegebenheiten, insbesondere der strukturellen Flexibilität der einzelnen Fachbereiche.
Diskussion: Die Ergebnisse bestätigen positive Einflussfaktoren und Barrieren gelingender IPL und IPZ [3], angewendet auf das Setting Geburtshilfe. Vor dem Hintergrund des Zusammenhangs von defizitärer IPZ und Behandlungsfehlern [1] stellt sich die Frage, wie die offenkundige initiale Motivation aufrechterhalten und zur sicheren Versorgung genutzt werden kann. Projekte zur Förderung von IPZ sollten sowohl den individuellen Kompetenzgewinn und die Motivation als auch äußere Rahmenbedingungen ansprechen. Als positiv erwiesen sich ein geschätztes, (be-)wertungsfreies Format in einer Kleingruppe sowie der direkte Anwendungsbezug. Eine Herausforderung ist die kontinuierliche Teilnahme aller relevanten Berufsgruppen.
Take Home Messages:
- 1.
- Interprofessionalität ist Haltung und Handlung. Lernformate sollten Handlungskompetenzen und eine positive Einstellung zu IPZ vermitteln.
- 2.
- Interprofessionelle Lehre – jede*r will, keine:r kann? Probleme zeigen sich auf konzeptueller, weniger auf inhaltlicher Ebene. Es bedarf interprofessioneller und interorganisationaler Bemühungen, praktikable Lernformate zu entwickeln, um IPL nachhaltig zu implementieren.
Literatur
- 1.
- World Health Organization. Health Professions Networks Nursing & Midwifery Human Resources for Health. Framework for Action on Interprofessional Education & Collaborative Practice. Geneva: WHO; 2010. p.1-64.
- 2.
- Hüner B, Derksen C, Schmiedhofer M, Lippke S, Riedmüller S, Janni W, Reister F, Scholz C. Reducing preventable adverse events in obstetrics by improving interprofessional communication skills – Results of an intervention study. BMC Pregnancy Childbirth. 2023;23(1):55. DOI: 10.1186/s12884-022-05304-8
- 3.
- Handgraaf M, Wallin J, Groll C, Posenau A. Identification of barriers and facilitators of successful interprofessional education (IPE) – a scoping umbrella review. Int J Health Prof. 2023;10(1):117-135.
