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Gemeinsame Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) und des Arbeitskreises zur Weiterentwicklung der Lehre in der Zahnmedizin (AKWLZ)

05.08. - 09.08.2024, Freiburg, Schweiz

Pilotierung des interprofessionellen Lehrprojekts „INnovative InTerprofessIonAl Learning in Primary Care“ (INITIAL)

Meeting Abstract

  • Jessica Kauffmann - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Gesundheitswissenschaften, Abteilung Pflegewissenschaft, Tübingen, Deutschland
  • presenting/speaker Melanie Mauch - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Gesundheitswissenschaften, Abteilung Pflegewissenschaft, Tübingen, Deutschland
  • Nadine Röhrig - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
  • Cornelia Mahler - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Gesundheitswissenschaften, Abteilung Pflegewissenschaft, Tübingen, Deutschland
  • Heidrun Sturm - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland

Gemeinsame Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) und des Arbeitskreises zur Weiterentwicklung der Lehre in der Zahnmedizin (AKWLZ). Freiburg, Schweiz, 05.-09.08.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocV-26-02

doi: 10.3205/24gma105, urn:nbn:de:0183-24gma1058

Published: July 30, 2024

© 2024 Kauffmann et al.
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Text

Fragestellung/Zielsetzung: Der Bedarf an interprofessioneller Kooperation und Kommunikation der Gesundheitsberufe wächst angesichts des Strukturwandels und Personalmangels weiter - auch in der Primärversorgung [1]. Um diesem Bedarf frühzeitig zu begegnen, findet das Thema Interprofessionalität (IP) zunehmend Einzug in deren Ausbildung (interprofessional education, IPE). Allerdings bestehen aufgrund struktureller und organisatorischer Rahmenbedingungen große Hürden in der Umsetzung von IPE, sodass die Notwendigkeit besteht, IPE curricular zu verankern [2], [3].

Nach einer Konzeptionsphase wurde im WiSe 2023/24 das Lehrprojekt an 2,5 Seminartagen (20 UE) pilotiert. Studierende der Humanmedizin (HM) (klinisches Wahlpflichtfach) und der Pflege (P) (curricular 5. Fachsemester B.Sc.) bearbeiteten gemeinsam einen Fall aus der Primärversorgung.

Ziele von INITIAL sind, die Einstellung und Sozialisation der Studierenden zu IP vor und nach dem Lehrprojekt zu erheben, Rückmeldungen zu Erwartungen und Seminargestaltung zu erhalten sowie zu erfragen, welche Take Home Message sie in ihren nächsten klinischen Praxiseinsatz nehmen.

Methoden: Zu Beginn (T0) und am Ende (T1) der Seminartage wurden Daten mittels zweier validierter Fragenbögen erhoben: University of the West of England Interprofessional Questionnaire (UWE-IP-D) (Skalen: „Kommunikation und Teamarbeit (K/T)“ und „Interprofessionelles Lernen (IL)“) sowie die Interprofessional Socialization and Valuing Scale (ISVS-9A/9B). Eine deskriptive Auswertung erfolgte. Antworten auf offene Fragen wurden qualitativ ausgewertet, Alter und Berufsausbildung vor dem Studium erfragt.

Ergebnisse: Von 28 Studierenden (11 P; 17 HM) nahmen 21 (76,2% weiblich) an beiden Erhebungszeitpunkten teil. Das durchschnittliche Alter betrug 24,5 Jahre (SD=3,4). Fünf HM-Studierende gaben an, vor ihrem Studium eine Berufsausbildung absolviert zu haben.

UWE-IP-D: Vor Seminarbeginn (T0) lag die Selbsteinschätzung zu „K/T“ (MW=18,6; SD=2,8; MD=18) und „IL“ (MW=15,2; SD=4,7; MD=13) im positiven Bereich (Wertebereich Summenscores: 9 sehr positiv bis 36 sehr negativ (K/T); 9 sehr positiv bis 45 sehr negativ (IL)). Nach dem Seminar (T1) waren die Skalenwerte „K/T“ (MW=16,3; SD=4,0; MD=18) sowie „IL“ (MW=14,6; SD=6,9; MD=11) etwas geringer als zu T0.

ISVS-9A/B: Es zeigte sich eine Verbesserung der Mean-Scores von T0 (9A: MW=5,1; SD=0,7; MD=5,1) zu T1 (9B: MW=5,8; SD=0,6; MD=5,9) (7-stufige Likert-Skala: 7=trifft sehr zu; 1=trifft überhaupt nicht zu).

Weitere Daten werden noch analysiert und beim Kongress vorgestellt.

Diskussion: Alle Skalen zeigen eine leicht positive Tendenz bei bereits positiver Einstellung. Durch die unterschiedliche Angebotsform Wahlpflichtfach und Curricular werden nur HM-Studierende erreicht, die sich bereits für IP interessieren (Selektionsbias). Gemeinsames Lernen am Fall kombiniert mit theoretischem Hintergrundwissen ermöglicht die Versorgungsansätze und Kompetenzen der anderen Profession kennenzulernen und zu reflektieren.


Literatur

1.
Sirsch E, Eberl I. Update: Entwicklungen der Gesundheitsversorgung. Pflege Zeitschrift. 2022;75(10):10-13. DOI: 10.1007/s41906-022-1934-0 External link
2.
Stock-Schröer B, Homberg A. Chancen und Herausforderungen bei der Realisierung interprofessioneller Lehre im Bereich der Integrativen Medizin – eine qualitative Studie. In: Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Zürich, 09.-12.09.2020. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2020. DocV-008. DOI: 10.3205/20gma008 External link
3.
Klapper B, Schirlo C. Special edition booklet: Interprofessional Training – Published by the Robert Bosch Stiftung and the Gesellschaft für Medizinische Ausbildung [Themenheft: Interprofessionelle Ausbildung – herausgegeben von der Robert Bosch Stiftung und der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung]. GMS J Med Educ. 2016; 33(2): Doc38. DOI: 10.3205/zma001037 External link