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Interprofessionelle Aufgabenstellungen in der Praxisausbildung bei BSc-Studierenden verschiedener Gesundheitsberufe. Was bringt’s?
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| Published: | July 30, 2024 |
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Fragestellung/Zielsetzung: Realitätsnahe Unterrichtsformate wie Simulationstrainings mit Schauspielpersonen, interprofessionelle Ausbildungsstationen und mehr zeigen die grössten Lerneffekte, sind aber meist teuer, zeit- und personalintensiv [1]. Dies führt zur Fragestellung wie die Lernorte Hochschule und Praxis wirksam verbunden werden können, indem Praktika als realitätsnahe Unterrichtsformate für den Lerntransfer interprofessioneller Ausbildungselemente genutzt und zu einer nachhaltigen Kompetenzentwicklung beitragen?
Methoden: Lehrpersonen der Bachelorstudiengänge Ergotherapie, Gesundheitsförderung und Prävention, Hebammen, Pflege und Physiotherapie entwickelten kollaborativ ein vielschichtiges, mehrperspektivisches Lehrangebot. Dabei sind Studierende der verschiedenen Gesundheitsprofessionen aufgefordert, an ihrem Praktikumsort eine interessensgeleitete Aufgabenstellung mit dem Fokus auf die interprofessionelle Zusammenarbeit (IPZ) zu definieren, umzusetzen und einen Reflexionsbericht dazu zu verfassen. Anschliessend werden sie an der Hochschule in interprofessionelle Tandems eingeteilt, in denen sie den Reflexionsbericht eines Peers lesen und darauf basierend ein Peerfeedback verfassen. Dieser Prozess wird von Lehrpersonen aller involvierten Professionen begleitet. Abschliessend findet ein online World Café statt, in dem die Studierenden in moderierten Kleingruppen ihre Erfahrungen und Reflexionen austauschen und diskutieren.
Ergebnisse: Die Erfahrungen mit aktuell rund 900 Studierenden zeigen, dass diese sich mit der Bedeutung, den Stärken und Herausforderungen der IPZ im eigenen Praxisfeld auseinandersetzten und dafür sensibilisiert wurden. Der interaktive, interprofessionelle Austausch in den Tandems und im World Café förderte die Reflexionsfähigkeit, die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme und vertiefte das Verständnis der IPZ für das antizipierte, eigene professionelle Handeln in der Praxis.
Diskussion: Es ist davon auszugehen, dass sowohl die inhaltliche und methodisch-didaktische Struktur des Lernformates, wie beispielsweise die Rolle der Dozierenden im Begleitprozess und/oder die Bedeutung der strukturierten Peer-Interaktionen wesentlich den interprofessionellen Lernprozess und -transfer unterstützten und fazilitierten. Basierend auf den bisherigen Erfahrungen, kann angenommen werden, dass dieses Lernformat nachhaltig für die interprofessionelle Zusammenarbeit in der jeweiligen Berufspraxis sensibilisiert und selbstwirksames Handeln im interprofessionellen Kontext fördert.
Take Home Message: Das Lehr- und Lernformat bietet eine innovative und effektive Methode zur Förderung des interprofessionellen Lerntransfers. Es verbindet Lernorte, fördert den Austausch zwischen verschiedenen Gesundheitsberufen und bereitet die Studierenden auf die interprofessionellen Anforderungen im Gesundheitswesen vor.

