Article
„Erstmal überhaupt wissen, was die anderen Berufsgruppen machen“ – Konzeption einer interprofessionellen rehabilitationsbezogenen Lehrveranstaltung für die Berufsgruppen des Reha-Teams
Search Medline for
Authors
| Published: | July 30, 2024 |
|---|
Outline
Text
Fragestellung/Zielsetzung: Obwohl Reha-Teams aus vielen unterschiedlichen Professionen bestehen, gibt es keine interprofessionellen rehabilitationsbezogenen Lehrkonzepte (Reha-IPL) für mehr als 3 Berufsgruppen. Um zur Entwicklung von entsprechenden Reha-IPL beizutragen, stellt sich die Frage, wie Reha-IPL aus Sicht von klinisch Tätigen und Lehrverantwortlichen gestaltet sein sollten.
Methoden: Mittels eines explorativen Ansatzes wurden Praktiker*innen und Lehrverantwortliche von 6 Berufsgruppen im Rehabilitationsbereich in leitfadengestützten Expert*inneninterviews befragt. Diese Interviews wurden inhaltsanalytisch ausgewertet, die Ergebnisse bilden die Grundlage zur Konzeption der Lehrveranstaltung mit mehr als 3 Berufsgruppen.
Ergebnisse: Es konnten 10 Expert*innen mit diversen beruflichen Hintergründen befragt werden (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]). Die Wichtigkeit von Reha-IPL wurde von allen Teilnehmenden ausgedrückt, besonders frühzeitige Veranstaltungen in der Ausbildung und im Studium. Es müssen unterschiedliche Voraussetzungen der Lernenden bedacht werden (Alter, Wissensstand, praktische Erfahrungen).
Im Mittelpunkt der Reha-IPL sollte das Kennenlernen der anderen Berufsgruppen mit ihren Aufgaben und Kompetenzen stehen. Weitere inhaltliche Schwerpunkte sind die Stärkung von Kommunikationsfähigkeit, sozialrechtliche Grundlagen des Rehabilitationssystems und die Kenntnis des ICF-Modells als gemeinsame Sprache. Die Lehrenden sollten Reha-IPL interprofessionell planen und nehmen eine Rolle als Moderator/Coach ein. Als didaktisch wichtig werden aktivierende und kooperative Lernformen sowie das informelle Kennenlernen der Lernenden genannt. Neben Gruppenarbeit und Fallbeispielen können für einen höheren Praxistransfer auch Schauspielpatient*innen oder Betroffene hinzugezogen werden.
Auf Grundlage der Ergebnisse erfolgt aktuell die Entwicklung eines interprofessionellen Lehrkonzeptes für die Berufsgruppen von Reha-Teams. Das Ergebnis soll ein anpassbares rehabilitationsbezogenes Konzept für verschiedene Indikationsbereiche und für unterschiedliche beteiligte Berufsgruppen sein. Angestrebt wird eine gemeinsame Entwicklung der Lehrinhalte mit den kooperierenden Lehrverantwortlichen der jeweiligen Berufsgruppen.
Diskussion: Die Befragten heben die Wichtigkeit von Reha-IPL in der Ausbildung und im Studium hervor. Hier kann ein Selbstselektionsbias nicht ausgeschlossen werden, aber bei dieser Fragestellung ist die Beteiligung besonders interessierter Personen ein Vorteil. Ein großer Fokus, sowohl inhaltlich als auch didaktisch, wurde auf das Kennenlernen der verschieden Berufsgruppen mit ihren jeweiligen Kompetenzen gelegt, damit für späteres Arbeiten die Rollenklarheit gestärkt wird. In der Rehabilitation variieren je nach Indikationsschwerpunkt die Zusammenstellungen des Teams. Deshalb wird eine flexible Reha-IPL bei der Konzeption angestrebt. Ebenfalls kann bzgl. unterschiedlicher Rahmenbedingungen an anderen Lehrstandorten somit ein Transfer erleichtert werden.
