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Gemeinsame Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) und des Arbeitskreises zur Weiterentwicklung der Lehre in der Zahnmedizin (AKWLZ)

05.08. - 09.08.2024, Freiburg, Schweiz

Wahl der fachärztlichen Richtung – Entscheidungen von Medizinstudierenden in der ersten Hälfte des Studiums

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Maryna Gornostayeva - Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, CPD, Abteilung für Allgemeinmedizin, Mannheim, Deutschland
  • Katrin Schüttpelz-Brauns - Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Geschäftsbereich Studium und Lehrentwicklung, Abteilung Medizinische Ausbildungsforschung, Mannheim, Deutschland
  • Jasmin Rädler - Universität Trier, Professur für Medien- und Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Computational Communication Science, Fachbereich II, Medienwissenschaft, Trier, Deutschland
  • Kristina Hoffmann - Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, CPD, Abteilung für Allgemeinmedizin, Mannheim, Deutschland

Gemeinsame Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) und des Arbeitskreises zur Weiterentwicklung der Lehre in der Zahnmedizin (AKWLZ). Freiburg, Schweiz, 05.-09.08.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocV-22-03

doi: 10.3205/24gma084, urn:nbn:de:0183-24gma0849

Published: July 30, 2024

© 2024 Gornostayeva et al.
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Fragestellung/Zielsetzung: Nachwuchsgewinnung ist von großer Bedeutung in allen Facharztrichtungen. Einige Disziplinen stehen vor der Herausforderung, genügend Ärzt*innen für die Weiterbildung zu gewinnen, um die Patientenversorgung aufrecht zu erhalten. Eine Strategie zur Nachwuchssicherung sollte es sein, die Studierenden während des Studiums für die zukünftigen Facharztrichtungen zu begeistern. In Mannheim wird eine Längsschnittstudie durchgeführt mit dem Ziel, die Facharztrichtungswahl von Studierenden zu beobachten, wie stabil diese im Laufe ihres Medizinstudiums bleibt und welche Faktoren dabei wichtig sind.

Methoden: Mit einem selbstentwickelten Fragebogen werden die Studierenden zu vier verschiedenen Zeitpunkten online befragt: zum Beginn des Studiums (T1) und zum Beginn des klinischen Studienabschnittes (T2) sowie am Ende des klinischen Studienabschnittes (T3) und am Ende des PJs (T4). Insgesamt sollen an der Studie fünf Studierenden-Kohorten teilnehmen, die ihr Studium jeweils in den Jahren 2018 – 2022 begonnen haben.

Ergebnisse: Hier werden die ausgewählten Zwischenergebnisse aus den Befragungen T1 und T2 vorgestellt. Von 444 Studierenden der T1- und 352 der T2-Befragung haben 119 Studierende an den beiden Befragungen teilgenommen. Die Wahl bzgl. der Facharztrichtung nach dem Studium blieb bei 64 Studierenden konstant (stabile Gruppe), 55 änderten ihre Entscheidung (Wechselgruppe). Die Mehrheit von Studierenden (ca. 70%) der stabilen Gruppe teilte zu den beiden Befragungszeitpunkten mit, dass ihre Präferenz bereits vor dem Studium feststand und sie waren sich bei dieser Entscheidung relativ sicher. 75% der Studierenden der Wechselgruppe gaben bei der T1-Befragung an, dass ihre Präferenz auch bereits vor dem Studium feststand. Bei der T2-Befragung teilten 71% von Ihnen jedoch mit, dass ihre Präferenz sich während des Studiums entwickelt hat. Bei der Frage zur Entscheidungssicherheit waren sie sich auch unsicherer. Gruppenneutral wurden in den beiden Befragungen die Faktoren wie Interesse, Spaß und Vielfalt sehr häufig und z. B. Karriere/Erfolg oder finanzieller Aspekt selten genannt. Bei der T2-Befragung wurde Work Life Balance deutlich häufiger angegeben. Unterschiede gab es bei den Faktoren Patient*innen, fachspezifische Tätigkeiten und Niederlassung. Die stabile Gruppe nannte sie in den beiden Befragungen mehrmals. Bei der Wechselgruppe kamen diese Faktoren in der T1-Befragung kaum vor und in der T2 wurden sie öfter genannt.

Diskussion: Die stabile und die Wechselgruppe legen in der ersten Medizinstudium-Hälfte viel Wert darauf, im späteren Beruf eine interessante vielfältige Tätigkeit auszuüben. Work-Life-Balance wird auch für alle mit der Zeit immer wichtiger. Die fachspezifischen Aspekte wie fachbezogene Besonderheiten, Patientenklientel bzw. Betreuungsart beeinflussen die Wahl der Wechselgruppe während des Studiums. Daher sollte u.a. Patientenkontakt früh im Studium bzw. Sammlung praktischer Erfahrungen longitudinal gefördert werden.