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14. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.

7. - 9. Oktober 2015, Berlin

Die „Präventionsassistentin“ in der Kinder- und Jugendarztpraxis

Meeting Abstract

  • Julia Schoierer - Klinikum der Universität München, Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, München, Deutschland
  • Thomas Lob-Corzilius - Christliches Kinderhospital Osnabrück, Osnabrück, Deutschland
  • Sylvia Meier - Deutsche Akademie für Prävention und Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter e.V., Bochum, Deutschland
  • Stephan Böse-O'Reilly - Klinikum der Universität München, Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, München, Deutschland

14. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. Berlin, 07.-09.10.2015. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2015. DocP156

doi: 10.3205/15dkvf267, urn:nbn:de:0183-15dkvf2676

Published: September 22, 2015

© 2015 Schoierer et al.
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Text

Hintergrund: Das Fortbildungscurriculum „Präventionsassistentin“ für Medizinische Assistenzberufe und vergleichbare Berufsgruppen wurde 2003 mit Unterstützung vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (Projekt-Nr. 328-1720/55) entwickelt und als Curriculum „Prävention im Kindes- und Jugendalter“ 2008 von der Bundesärztekammer anerkannt [1]. Bislang wurden bundesweit über 800 Präventionsassistentinnen an sechs Kursstandorten in Deutschland ausgebildet [2], [3]. Im Jahr 2015 starten weitere fünf Kurse mit je ca. 25 Teilnehmerinnen. Das Fortbildungscurriculum umfasst 84 Stunden verteilt auf 4 bis 5 Kurswochenenden oder 2 Kurswochen innerhalb eines Jahres und beinhaltet Präventionsthemen der primären bis tertiären Prävention, wie beispielsweise:

  • Gesunde Ernährung
  • Schlafverhalten
  • Zahnpflege
  • Bewegungsförderung
  • Schutzimpfungen
  • Allergien
  • Schutz vor Tabakrauchbelastung
  • Unfälle in Haus, Freizeit und Verkehr
  • Sucht (Alkohol, Tabak, illegale Drogen)
  • Medienkonsum
  • Sexualverhalten, Kontrazeption und Schutz vor Infektionskrankheiten
  • Körperliche Gewalt, Vernachlässigung und sexueller Missbrauch

Kompetenzziele einer Präventionsassistentin sind in erster Linie, Patienten und deren Familien zu gesundheitsförderlichem Verhalten zu motivieren sowie den Arzt im Bereich der Patientenberatungen zu unterstützen.

Fragestellungen:

1.
Werden Präventionsbereiche durch eine in der Praxis tätige Präventionsassistentin intensiviert bzw. neuetabliert?
2.
Ist das Fortbildungscurriculum „Präventionsassistentin“ geeignet, um einen Kompetenzzuwachs der Teilnehmerinnen zu erreichen?

Methode: Eine 2011 durchgeführte Studie im Rahmen einer Bachelorarbeit [4] befragte alle 500 Teilnehmerinnen von 2003 bis 2008 unter anderem zur Neuetablierung bzw. Intensivierung von Präventionsangeboten an ihrer Arbeitsstelle nach erfolgreicher Teilnahme am Curriculum. Nach einer Rücklaufquote von 24 % konnten 119 Fragebögen in die Studie mitaufgenommen werden.

Curriculumsbegleitend werden regelmäßige Befragungen in Form von Kursevaluationen durchgeführt. Die aktuelle Auswertung der kursbegleitenden Befragung von 2012 bis 2014 erfasste Aussagen über einer selbsteingeschätzten Lernerfolg der Teilnehmerinnen im Rahmen ihrer Fortbildung.

Die Daten wurden jeweils anhand quantitativer Befragung mittels standardisiertem Fragenbogen erhoben.

Ergebnisse: In einer Befragung der Teilnehmerinnen von 2003 bis 2008 (n = 119) im Rahmen einer Bachelorarbeit [4] konnte gezeigt werden, dass Präventionsbereiche nach Intervention neu bzw. intensiver in den Praxisalltag aufgenommen wurden. 57 % gaben an, Unfallprävention neu bzw. intensiver in den Praxisalltag inkludiert zu haben, 58 % gaben dies zu Prävention von Passivrauch an, 56 % zu Kariesprophylaxe und 66 % der befragten Präventionsassistentinnen nahmen Beikosternährung als Präventionsangebot neu auf bzw. intensivierten es.

Ein Auszug der aktuellen Befragung von 2012 bis 2014 aus den Kursorten München und Bad Orb (n = 64) zeigen beispielsweise zu den Themenbereichen Muttermilchernährung als primäre Präventionsmaßnahme, Vorbeugung von Gewalt und Vernachlässigung im Kindesalter sowie Prävention von Passivrauchbelastung einen selbsteingeschätzten Lernerfolg der Teilnehmerinnen um eine bis zwei Schulnoten.

Diskussion: Das Curriculum „Präventionsassistentin“ ist eine geeignete Maßnahme, um medizinische Assistenzberufe der Kinder- und Jugendarztpraxis in relevanten Präventionsthemen zu schulen und eine Implementierung der Präventionsangebote in den Praxisalltag zu fördern.

Praktische Implikation: Die Übernahme von Präventionsleistungen in pädiatrischen Praxen von nicht-ärztlichen Assistenzberufen ist möglich. Bisher fehlt jedoch eine klar definierte Honorierung der Präventionsangebote als delegierbare Leistung, wie sie in der Zahnmedizin durch die zahnmedizinische Prophylaxehelferin zu finden ist.


Literatur

1.
Bundesärztekammer. Fortbildungscurriculum für Arzthelferinnen/Medizinische Fachangestellte „Prävention im Kindes- und Jugendalter“. Berlin: 2007.
2.
Deutsche Akademie für Prävention und Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter e. V. http://www.dapg.info [last accessed on 2014 Dec 12] External link
3.
Hellmann J, Böse-O Reilly S, Lob-Corzilius T, Erik P. Vorbildprojekt zur Vorbeugung Seit fünf Jahren gibt es ein Curriculum „ Fortbildung zur Präventionsassistentin “. Weiterbildung. 2008;3:16-9.
4.
Bückner M. Wandel der Präventionsleistungen in der kinder- und jugendärztlichen Praxis? Einfluss der Präventionsassistentin – eine Evaluationsstudie. 2011. http://bond.ewz.ac.at/opacdata/0050086283.pdf [last accessed on 2015 Jan 3]. External link
5.
Hellmann-Schoierer, J, Böse-O´Reilly, S: Die Präventionsassistentin in der Kinder- und Jugendarztpraxis. Evaluation eines Fortbildungscurriculums in der primären Prävention. Gesundheitswesen. 2009;71:329-31.