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14. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.

7. - 9. Oktober 2015, Berlin

Versorgungsforschung in der Pflege – Der Blick der Wissenschaft

Meeting Abstract

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  • Hermann Brandenburg - Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar, Dekan der pflegewissenschaftlichen Fakultät, Lehrstuhl für Gerontologische Pflege, Vallendar, Deutschland

14. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. Berlin, 07.-09.10.2015. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2015. DocV51

doi: 10.3205/15dkvf020, urn:nbn:de:0183-15dkvf0204

Published: September 22, 2015

© 2015 Brandenburg.
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Wissenschaftliche Kenntnisse aus der pflegewissenschaftlichen Versorgungsforschung sind ein wesentliches Element einer guten Versorgungspraxis. Aus wissenschaftlicher Sicht stellen sich dabei folgende Herausforderungen:

Welche Themen und Fragestellungen sind relevant und müssen angesichts knapper Ressourcen prioritär erforscht werden?

Hierzu liegen Befunde aus nationalen und internationalen pflegewissenschaftlichen „Forschungsagenden“ vor, die u.a. auf folgende Themen favorisieren:

  • Pflegerisch-klinische Themen an der Schnittstelle von Altern und Pflege
  • Gesundheitsvorsorge, Prävention und Verhinderung v. Pflegebedürftigkeit
  • Umgang mit chronischen Krankheiten
  • Partizipation, Mitwirkung, Empowerment
  • Pflegesystemforschung (u.a. bezogen auf verschiedene Settings)

Wie gelingt es wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Pflegeforschung in die Praxis umzusetzen?

Hierzu liegen Befunde aus der „Disseminations- und Implementierungswissenschaft“ (DIW) vor, die sich u.a. auf folgende Aspekte beziehen:

    • Konzepte, Theorien und Strategien
    • Methodische Aspekte der DIW
    • Praktische Erfahrungen mit dem „Theorie-Praxis-Transfer“ in pflegerischen Handlungsfeldern

Welche Erkenntnisse der Innovationsforschung müssen beachtet werden, damit nachhaltig die Versorgungssituationen verbessert werden können?

Hierzu liegen Befunde aus der „Innovationsforschung“ vor, bei der u.a. folgende Erkenntnisse beachtet werden müssen:

    • Qualitätsprobleme entstehen häufig an den Schnittstellen (zwischen Institutionen, Professionen, Settings). Dabei werden die strukturellen und systemischen Ursachen zu wenig beachtet.
    • Substantielle Verbesserung der Versorgungspraxis setzt Vernetzung und Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen voraus. Diese ist nach wie vor unterentwickelt und setzt Änderungen der professionellen Haltungen voraus (und zwar auf allen Seiten)
    • Innovation ist (auch) verbunden mit einer inhaltlichen Vision von „guter“ Pflege. Konzeptionelle und inhaltliche Vorstellungen können sich u.a. durch ein hohes Maß an externer Regulierung der Pflegepraxis zu wenig entwickeln (und durchsetzen)

Der Beitrag greift aus der Perspektive der gerontologischen Pflege diese drei Herausforderungen auf und präsentiert empirische Befunde zum Erkenntnisstand. Er kann als Argument für eine „konkrete Utopie“ der pflegewissenschaftlichen Versorgungsforschung verstanden werden.