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12. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.

23. - 25. Oktober 2013, Berlin

Deutschlandweite Prognose der bevölkerungsbezogenen Morbiditätserwartung für häufige Krebserkrankungen – Auswirkungen auf die Versorgung

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Jeanette Bahr - Institut für Community Medicine, Greifswald, Germany
  • Neeltje van den Berg - Institut für Community Medicine, Greifswald, Germany
  • Ulrike Stentzel - Institut für Community Medicine, Greifswald, Germany
  • Franziska Radicke - Institut für Community Medicine, Greifswald, Germany
  • Wolfgang Hoffmann - Institut für Community Medicine, Greifswald, Germany

12. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. Berlin, 23.-25.10.2013. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2013. DocKV13-143

doi: 10.3205/13dkvf149, urn:nbn:de:0183-13dkvf1498

Published: October 25, 2013

© 2013 Bahr et al.
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Hintergrund: Bedingt durch den demographischen Wandel, welcher durch eine Zunahme der älteren Bevölkerungsgruppen gekennzeichnet ist, wird ein Anstieg der Anzahl der Neuerkrankungen an malignen Tumoren erwartet. Die Überlebenszeit hat sich bei vielen Krebserkrankungen verlängert, wobei gleichzeitig das Durchschnittsalter der Erkrankten gestiegen ist. In den nächsten Jahren werden somit die Anforderungen an die ambulante und stationäre onkologische Versorgung steigen. In dieser Analyse werden die Anzahl der Neuerkrankungen und der Prävalenzen für das Jahr 2020 prognostiziert und die Auswirkungen auf die stationäre und ambulante Versorgung untersucht. Berücksichtigt werden die Berechnungs- und Belegungstage, Behandlungsarten und Krankheitskosten sowie der Bedarf an onkologisch qualifizierten Fachärzten.

Methodik: Hochrechnungen der Neuerkrankungen und der Prävalenzen für Krebs gesamt und der 10 häufigsten Krebsarten bei Männern und Frauen erfolgten auf der Grundlage von Daten aus den epidemiologischen Krebsregistern und der Bevölkerungsprognosen der statistischen Ämter aller Bundesländer. Die durchschnittliche Anzahl der Berechnungs- und Belegungstage in der stationären Versorgung wurden auf der Basis dieser Prognosen für 2020 hochgerechnet. In Hinblick auf die Behandlungsarten (z.B. zytoreduktive oder chemotherapeutische Behandlung) wurde die ambulante Versorgung mit Abrechnungsdaten niedergelassener Hämatologen und Onkologen des WINHO (Wissenschaftlichen Institutes der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen) analysiert. Krankheitskostenprognosen für das Jahr 2020 wurden auf der Basis von Daten des statistischen Bundesamtes berechnet, unter der Annahme, dass die Kosten pro prävalenten Fall innerhalb der Altersgruppen über den Projektionszeitraum konstant bleiben.

Ergebnisse: Die Anzahl der Krebsneuerkrankungen wird insgesamt um etwa 67.000 Fälle (18% bei den Männern und 9% bei den Frauen) und die Prävalenzen um etwa 176.000 Fälle (17% bei den Männern und 9% bei den Frauen) zunehmen. Die Zahlen zeigen dabei große regionale Unterschiede. Auf dieser Basis wird sich die Anzahl der benötigten Berechnungs- und Belegungstage in der stationären Versorgung für Deutschland insgesamt bis 2020 um etwa 13% erhöhen. Die Ergebnisse der Analyse der Abrechungsdaten zeigen eine steigende Anzahl der Patienten mit ambulanten Behandlungen (z.B. Zunahme um 14% in der zytoreduktiven und 7% in der chemotherapeutischen Behandlung) bezogen auf drei ausgewählte Krebsarten (Magen-, Darm- und Lungenkrebs) innerhalb eines 3-Jahreszeitraumes von 2008 bis 2011. Zwischen den Jahren 2002 und 2008 sind die Krankheitskosten im ambulanten Bereich um 52% und im stationären Bereich um 31% gestiegen. Im Jahr 2020 werden weiter steigende Krankheitskosten um etwa 1,7 Milliarden Euro erwartet.

Diskussion/Schlussfolgerung: Durch den Anstieg der Krebsneuerkrankungen und der Prävalenzen wird der medizinische onkologische Versorgungs- und Pflegebedarf steigen und die Krankheitskosten, die Berechnungs- und Belegungstage im stationären Bereich zunehmen. Die Ergebnisse der Abrechnungsdaten und der Krankheitskosten zeigen für die untersuchten Leistungen und Krebsarten einen relativ stärkeren Zuwachs der Versorgungsleistungen im ambulanten Bereich, was auf eine Verschiebung von Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Bereich hindeutet.