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Die Stabilisierung spino-pelviner Dissoziationen durch innovative minimal-invasive Implantate – eine Fallanalyse
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Published: | October 21, 2024 |
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Fragestellung: Spino-pelvine Dissoziationen sind seltene Verletzungen, die sowohl bei Hochrasanztrauma als auch mit zunehmender Inzidenz bei Fragilitätsfrakturen auftreten können. Mit der vorliegenden Arbeit möchten wir die ersten Fälle vorstellen, die in unserer Klinik mit dem modularen, minimal invasiven Implantatsystem VERTICALE® Triangular Fixation (Silony Medical GmbH) versorgt wurden.
Methodik: Im Zeitraum von 6/2021 bis 12/2022 wurden in unserer Klinik 11 Patient*innen mit dem VERTICALE® Triangular Fixation System bei spino-pelviner Dissoziation bilateral versorgt. Das Implantatsystem ist modular aufgebaut, d.h. die Stabilisierung des hinteren Beckenrings kann problemlos zu einer spino-pelvinen Stabilisierung erweitert werden (trianguläre Osteosynthese nach [1]). Kernstück des Systems ist eine gefensterten 9,2 mm Iliumschraube, welche perkutan über der Spina iliaca post. sup. eingebracht wird. Mittels Zielbügel wird eine 7,2 mm SI-Schraube quasistatisch und ebenfalls perkutan über das Schraubenfenster der Iliumschraube gesetzt.
Damit ist die Stabilisierung iliosakral erreicht. Durch einen Konnektor an der Iliumschraube kann diese mit einem Pedikelschrauben-Stab-System perkutan über einen Wiltse-Zugang auf die Wirbelsäule erweitert werden.
Für die vorliegende Arbeit wurden die Daten retrospektiv ausgewertet.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Von den 11 Patienten waren 7 weiblich und 4 männlich. Das mittlere Alter betrug 72 Jahre (SD 10).
9 Fälle sind der Gruppe der Fragilitätsfrakturen zuzurechnen. Die Frakturmorphologie umfasst U- und H-shaped Frakturen des hinteren Beckenrings (FFP-Typ 4). 2 Beckenverletzungen waren im Rahmen von Hochrasanztraumata entstanden und sind als AO 61 C3 zu klassifizieren.
Die mittlere OP-Dauer (Schnitt-Naht) betrug im Gesamtkollektiv 2:48 Stunden (SD 0:49). Intraoperative Besonderheiten traten in 3 Fällen auf. Dabei handelte es sich um eine dysplastische Beckenanatomie mit sehr schmalen Korridor für die SI Schraube. In allen Fällen konnte die sakrale Schraubenplatzierung wie geplant durchgeführt werden.
Als postoperative Komplikation ist eine oberflächliche Wundinfektion zu verzeichnen. Implantatfehllagen oder -versagen traten nicht auf.
Die mittlere stationäre Verweildauer betrug 27 Tage (SD 12), wobei diese unter Ausschluss der Polytraumata auf 22 Tage (SD 7) sank.
Das vorgestellte perkutane minimal-invasive System erlaubt die modulare Adressierung von Instabilitäten im Bereich des hinteren Beckenrings mit Erweiterung auf die Wirbelsäule sowohl bei Fragilitäts- als auch bei Hochrasanzfrakturen. Unsere Fallserie legt nahe, dass mit der perkutanen Versorgung gleiche Belastungsstabilität bei geringerer Komplikationsrate als beim offenen Verfahren erreicht werden kann.
Abbildung 1 [Abb. 1]