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Fraktursonografie in der ZNA
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| Published: | October 21, 2024 |
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Fragestellung: Für den Nachweis sowie den Ausschluss einer Fraktur ist das Röntgenbild der diagnostische Standard. Nur wenige klinische Untersuchungen sind dazu geeignet, Frakturen sicher auszuschließen, um die Anzahl angefertigter Röntgenbilder zu reduzieren. Gleichzeitig ist die Verfügbarkeit der Sonografie in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Durch Ultraschall lassen sich das Weichteilgewebe sowie die Knochenoberfläche hervorragend abbilden. Auch Frakturen können als Kortikalisunterbrechungen gut dargestellt werden. Ziel dieses Studiendesigns ist es, die Sensitivität und Spezifität der Fraktursonografie in ausgewählten Frakturentitäten im Vergleich zur Standardröntgendiagnostik zu untersuchen sowie die Effektivität und Akzeptanz einer niedrigschwellige Anwenderschulung im Sinne eines blended-learning Konzeptes zu evaluieren.
Methodik: In einem zweiarmigen Studiendesign werden Ärzt*innen der Orthopädie/Unfallchirurgie des Krankenhauses Köln-Merheim per Randomisierung einer Interventionsgruppe zugeteilt, die eine mehrstündige in-house Schulung in der Fraktursonografie erhält. Die Kontrollgruppe erhält keine gesonderte Schulung. In den folgenden 6 Monaten sollen potenzielle knöcherne Verletzungen des Sprunggelenks, des distalen Radius der Rippen, der Zehen sowie der Clavicula zunächst sonografisch untersucht und Standardbildebenen gespeichert werden. Als Goldstandard der Frakturdiagnose werden Röntgenbilder und Schnittbildverfahren nach klinischer Indikation herangezogen. Nach 3 Monaten werden die nach Untersuchern pseudonymisierten Ultraschallbilder aller Gruppen erneut verblindet zur Beurteilung vorgelegt und um Befundung gebeten.
Es erfolgt die statistische Auswertung zur Bestimmung der Sensitivität und Spezifität der Fraktursonografie sowie einer Retest- und Interoberserver-Reliabiltät.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Innerhalb von vier Monaten wurden von neun Ärzt*innen 83 Patient*innen eingeschlossen. 46 Sprunggelenke sowie elf distale Radii machen den Großteil der untersuchten Körperregionen aus. Über alle Entitäten wurden 23 Frakturen im Röntgen sichtbar, von denen 21 im Ultraschall gesehen wurden. 25 Frakturen wurden im Sono dargestellt, von denen 21 im Röntgen diagnostiziert wurden. Als größte Limitation der Studie scheint sich der Mehraufwand durch die doppelte Diagnostik hervorzutun.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen einen vielversprechenden Ausblick bezüglich der Sensitivität und Spezifität. Bei nicht-Unterlegenheit der Fraktursonografie gegenüber dem Röntgenbild könnte sich in der Zukunft die Sonografie als Screening-Untersuchung in der ZNA weiter etablieren. Die Ultraschall-unterstützte Frakturdiagnostik verspricht bei guter Verfügbarkeit und geringem apparativem Aufwand eine gute Ergänzung in Diagnosealgorithmen der Notfalldiagnostik zu sein und bietet zudem die Möglichkeit, eine große Anzahl an Röntgenbildern und somit auch Strahlenbelastung einzusparen.
