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Verletzungsepidemiologie im Frauenfußball – der Start des Verletzungs- und Erkrankungsregisters im Deutschen Frauenfußball
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| Published: | October 21, 2024 |
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Fragestellung: Frauenfußball gewinnt sowohl in Deutschland als auch weltweit immer mehr an Popularität und auch die Professionalität des Spielbetriebs wird stetig gesteigert. Aktuell meldet der DFB über 820.000 aktive Spielerinnen. Gerade im Vergleich zum Fußball der Männer ist im Frauenfußball jedoch die wissenschaftliche Datenlage zur Epidemiologie von Verletzungen und Erkrankungen sehr limitiert und deshalb nicht ausreichend.
Methodik: In Zusammenarbeit mit der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wurde das sog. „Verletzungs- und Erkrankungsregister im Deutschen Frauenfußball“ initiiert. In einer prospektiven Kohortenanalyse werden in der Saison 2023/24 alle Verletzungen und Erkrankungen in der Google Pixel Frauen-Bundesliga und der 2. Frauen-Bundesliga mit einer Ausfallszeit von mindestens einer Trainingseinheit oder Spiel mittels eines browserbasierten Online-Abfragetools erfasst und im Verlauf ausgewertet. Insgesamt handelt es sich hierbei um eine Kohorte von 26 Mannschaften mit ca. 650 Spielerinnen. Für die Eingabe wurden spezifische Fragebögen für typische Verletzungsregionen (Kopf, Kniegelenk, Sprunggelenk/Fuß, Muskulatur, sonst. Verletzungen) aber auch für Erkrankungen mit vordefinierten Eingabemöglichkeiten erstellt. Zusätzlich zur reinen Epidemiologie der Verletzungen werden anthropometrische Daten zu den Spielerinnen analysiert und Ausfallszeiten sowie Return-to-sports Daten erfasst. Es erfolgt sowohl eine Auswertung der gesamten Kohorte, als auch ein Vergleich der unterschiedlichen Ligen und Spielniveaus. Mit Hilfe einer Vergleichsgruppe aus dem Amateurfußball können zudem weitere Unterschiede im Spielniveau aufgezeigt werden.
Ergebnisse: Bislang konnten 22 von 26 Mannschaften der Google Pixel Frauen-Bundesliga und der 2.Frauen-Bundesliga rekrutiert werden (ca. 550 Spielerinnen). Nach Abschluss der Hinrunde wurden 274 Eintragungen im System registriert, davon ca. zwei Drittel neu aufgetretene Verletzungen (67,4%). Die am häufigsten betroffene Körperregion ist das Sprunggelenk bzw. der Fuß (33,2%), die Verletzungen treten am häufigsten beim Laufen (27%) oder beim Schuss (21%) auf und sind größtenteils Non-Contact-Verletzungen. Bei den Erkrankungen sind Atemwegsinfekte inkl. Covid-19-Infektionen deutlich führend (78,3%).
Ausblick/Ziele: Dies ist das weltweit erste Ligen-übergreifende Register zur Erfassung der Epidemiologie von Verletzungen und Erkrankungen im professionellen Frauenfußball. Eine Vergleichsstudie in den Bundesligen der Herren wurde bereits 2022/23 gestartet und konnte bereits erste Erkenntnisse zeigen. Durch die Verwendung der selben Studienmethodik kann ein optimaler Vergleich dieser Kohortengruppen erfolgen, dies ist ebenfalls bislang weltweit einmalig. Bei einer langfristigen, mehrjährigen Durchführung dieses Registers können geschlechtsspezifische Ursachen und Risikofaktoren für Verletzungen aufgezeigt und Ansätze zur Prävention sowie Diagnostik- und Therapiestandards ausgearbeitet werden.
