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37. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP)

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

17.09. - 18.09.2021, digital

Prävalenz von SARS-CoV-2 bei künstlerischen Mitarbeitern der Bayerischen Staatsoper

Vortrag

  • corresponding author presenting/speaker Simone Graf - HNO Klinik, Phoniatrie, Klinikum rechts der Isar, TUM, München, Deutschland
  • Olivia Jeleff-Wölfler - HNO Klinik, Phoniatrie, Klinikum rechts der Isar, TUM, München, Deutschland
  • Luca Engelmann - HNO Klinik, Phoniatrie, Klinikum rechts der Isar, TUM, München, Deutschland
  • Lucia Krakenmayer - HNO Klinik, Phoniatrie, Klinikum rechts der Isar, TUM, München, Deutschland
  • Dieter Hoffmann - Institut für Virologie, TUM, München, Deutschland

37. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP). sine loco [digital], 17.-18.09.2021. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2021. DocV18

doi: 10.3205/21dgpp42, urn:nbn:de:0183-21dgpp423

Published: October 28, 2021

© 2021 Graf et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 License. See license information at http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.


Zusammenfassung

Hintergrund: Am 1. September 2020 fand die Wiedereröffnung der Bayerischen Staatsoper vor Publikum statt. Zuvor endete im März 2020 die Saison 2019/2020 vorzeitig aufgrund der Corona-Pandemie. Bei einer 7-Tages-Inzidenz von über 100 in München musste die Oper am 25.10.2020 erneut schließen.

Unter den künstlerischen Mitarbeitern befindet sich eine sogenannte „rote“ Personengruppe, die Schutzmaßnahmen (Maskentragen, 1,5 m Abstand) nicht einhalten kann und/oder Aerosole verursacht, aufgrund von instrumentalen, sängerischen, tänzerischen und künstlerischen Tätigkeiten. Dazu gehören die Mitglieder des Orchesters, des Chors und Balletts. Es handelt sich um eine Personengruppe von insgesamt ca. 1000 Mitarbeitern. Ziel war, die Prävalenz der SARSCoV-2 unter den künstlerischen Mitarbeitern zu ermitteln. Insbesondere asymptomatische und präsymptomatische SARSCoV-2-positive Personen sollten sicher und schnell detektiert werden, um eine Ausbreitung zu vermeiden.

Material und Methoden: Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich vom 01.09.2020 bis 02.11.2020, dabei wurde die Inkubationszeit von durchschnittlich 5–6 Tagen berücksichtigt. Die Diagnostik von SARSCoV-2 erfolgte mittels RT-PCR-Testung. Die Abstriche wurden sowohl nasal als auch oral gewonnen und ärztlich durchgeführt. Die Mitarbeiter wurden je nach Dienstplan in einem rollierenden System alle 14 Tage getestet. Risikofaktoren für einen schwerwiegenden Verlauf einer Covid-19-Infektion wurden erhoben und Symptome bei einer positiven Testung notiert.

Ergebnisse: Es wurden 810 Personen getestet. Insgesamt wurden 3100 nasale und orale Abstriche gewonnen. Im untersuchten Zeitraum wurden 23 Personen positiv auf SARSCoV-2 detektiert. Es waren 17 Tänzer*innen, zwei Orchestermitglieder und vier Personen aus anderen Bereichen; kein Sänger infizierte sich in diesem Zeitraum. Nur 61% der SARSCoV-2 positiven Mitarbeiter zeigten Symptome. Bei keinem der Erkrankten kam es zu einem schweren Verlauf.

Bei 439 künstlerischen Mitarbeitern konnten die Risikofaktoren erhoben werden. Das Durchschnittsalter lag bei 43 Jahren. Es waren 13,7% Raucher. Alle weiteren Risikofaktoren (kardiovaskuläre Erkrankungen, Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Immundefizite, aktives Tumorleiden und andere chronische Erkrankungen) lagen unter 8%.

Diskussion: Die 23 positiv auf SARSCoV-2 getesteten Personen stammten hauptsächlich aus dem Ballett. Sänger und Bläser sind durch ihre aerosolbildende Tätigkeit besonders gefährdet. Sie waren im Untersuchungszeitraum nicht unter den positiv auf SARSCoV-2 getesteten Künstlern. Ohne die regelmäßigen, verpflichtenden rollierenden RT-PCR SARSCoV-2-Testungen wären 39% der positiven Personen nicht detektiert worden, da sie keine Symptome der Erkrankung zeigten zum Zeitpunkt der Testungen.

Fazit: Durch regelmäßige, rollierende und verpflichtende RT-PCR SARSCoV-2-Testungen und spezifische Hygienekonzepte konnten SARSCoV-2-Infektionen und Ausbrüche an der Bayerischen Staatsoper größtenteils verhindert werden.


Text

Hintergrund

Am 1. September 2020 fand die Wiedereröffnung der Bayerischen Staatsoper vor Publikum statt. Zuvor endete im März 2020 die Saison 2019/2020 vorzeitig aufgrund der Corona-Pandemie. Bei einer 7-Tages-Inzidenz von über 100 in München musste die Oper am 25.10.2020 erneut schließen.

Unter den künstlerischen Mitarbeitern befindet sich eine sogenannte „rote“ Personengruppe, die Schutzmaßnahmen (Maskentragen, 1,5 m Abstand) nicht einhalten kann und/oder Aerosole verursacht, aufgrund von instrumentalen, sängerischen, tänzerischen und künstlerischen Tätigkeiten. Dazu gehören die Mitglieder des Orchesters, des Chors und Balletts. Es handelt sich um eine Personengruppe von insgesamt ca. 1000 Mitarbeitern. Ziel war, die Prävalenz von SARS-CoV-2 unter den künstlerischen Mitarbeitern zu ermitteln. Insbesondere asymptomatische und präsymptomatische SARS-CoV-2-positive Personen sollten sicher und schnell detektiert werden, um eine Ausbreitung zu vermeiden.

Material und Methoden

Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich vom 01.09.2020 bis 02.11.2020, dabei wurde die Inkubationszeit von durchschnittlich 5–6 Tagen berücksichtigt. Die Diagnostik von SARS-CoV-2 erfolgte mittels RT-PCR-Testung. Die Abstriche wurden sowohl nasal als auch oral gewonnen und ärztlich durchgeführt. Die Mitarbeiter wurden je nach Dienstplan in einem rollierenden System alle 14 Tage getestet. Risikofaktoren für einen schwerwiegenden Verlauf einer Covid-19-Infektion wurden erhoben und Symptome bei einer positiven Testung notiert.

Ergebnisse

Es wurden 810 Personen getestet. Insgesamt wurden 3100 nasale und orale Abstriche gewonnen. In dem untersuchten Zeitraum wurden 23 Personen positiv auf SARS-CoV-2 detektiert. Es waren 17 Tänzer*innen, zwei Orchestermitglieder und vier Personen aus anderen Bereichen; kein Sänger infizierte sich in diesem Zeitraum. Nur 61% der SARS-CoV-2-positiven Mitarbeiter zeigten Symptome. Bei keinem der Erkrankten kam es zu einem schweren Verlauf.

Bei 439 künstlerischen Mitarbeitern konnten die Risikofaktoren erhoben werden. Das Durchschnittsalter lag bei 43 Jahren. Es waren 13,7% Raucher. Alle weiteren Risikofaktoren (kardiovaskuläre Erkrankungen, Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Immundefizite, aktives Tumorleiden und andere chronische Erkrankungen) lagen unter 8%.

Diskussion

Die 23 positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Personen stammten hauptsächlich aus dem Ballett. Sänger und Bläser sind durch ihre aerosolbildende Tätigkeit besonders gefährdet. Sie waren im Untersuchungszeitraum nicht unter den positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Künstlern. Ohne die regelmäßigen, verpflichtenden rollierenden RT-PCR SARS-CoV-2-Testungen wären 39% der positiven Personen nicht detektiert worden, da sie keine Symptome der Erkrankung zeigten zum Zeitpunkt der Testungen.

Fazit

Durch regelmäßige, rollierende und verpflichtende RT-PCR SARS-CoV-2-Testungen und spezifische Hygienekonzepte konnten SARS-CoV-2-Infektionen und Ausbrüche an der Bayerischen Staatsoper größtenteils verhindert werden.