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58. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

26.09. - 28.09.2024, Würzburg

Praxis statt 112 – könnten viele Rettungsdienstpatient:innen nicht besser hausärztlich behandelt werden?

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Felix Holzinger - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
  • Rebecca Resendiz Cantu - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Abteilung Notfallmedizin/zentrale Notaufnahmen und Chest Pain Units Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum, Berlin, Deutschland
  • Martin Möckel - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Abteilung Notfallmedizin/zentrale Notaufnahmen und Chest Pain Units Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum, Berlin, Deutschland
  • Anja Alberter - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Abteilung Notfallmedizin/zentrale Notaufnahmen und Chest Pain Units Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum, Berlin, Deutschland
  • Christoph Heintze - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
  • Lisa Kümpel - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. 58. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Würzburg, 26.-28.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocV-26-02

doi: 10.3205/24degam140, urn:nbn:de:0183-24degam1405

Published: September 23, 2024

© 2024 Holzinger et al.
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Text

Hintergrund: Der Rettungsdienst wird auch häufig wegen weniger dringlichen Beschwerden in Anspruch genommen. Der Sachverständigenrat hatte 2018 eine direkte Umleitung solcher Fälle in die hausärztliche Versorgung vorgeschlagen, um Notaufnahmen zu entlasten und Fehlversorgung zu verringern.

Fragestellung: In welchem Ausmaß eine Umsteuerung realistisch wäre, ist unklar. In unserer Studie sollten daher bei in der Notaufnahme ambulant behandelten Rettungsdienstpatient:innen begleitende Umstände der Inanspruchnahme erhoben werden. Wir wollten herausfinden, wie häufig eine hausärztliche Konsultation eine adäquate Alternative darstellten könnte.

Methoden: Rettungsdienstpatient:innen wurden zu ihren Beweggründen für die Kontaktierung des Rettungsdienstes, Beschwerden, sowie zu soziodemographischen und medizinischen Merkmalen befragt. Zusätzlich wurden Krankenhausdaten und die Rettungsdienst-Dokumentation ausgewertet, und es erfolgte ein Fall-Assessment durch Rettungsdienstpersonal.

Ergebnisse: Es wurden bis 01/2024 insgesamt n=358 Teilnehmer:innen rekrutiert. Demographie: mittleres Alter 47,6 Jahre, SD 20,1; Geschlecht w/m: 208/150 (58,1%/41,9%). Eine:n Hausärzt:in hatten 90,9% der Teilnehmenden. Im Krankenhaus wurden 71,8% der MTS-Triagekategorie 3 zugeordnet, 28,0% der Kategorie 4. Die Entscheidung zur Alarmierung des Rettungsdienstes traf ein Drittel der Patient:innen nach eigenem Ermessen, doppelt so häufig waren andere Personen beteiligt (z.B. Angehörige, Kolleg:innen). Häufigste genannte Beweggründe betrafen die Beschwerdeintensität sowie assoziierte Angst. Rettungsdienstmitarbeiter:innen stuften die Beschwerden in 37,0% der Fälle als hausärztlich behandelbar ein, 44,5% der Patient:innen wären für ein hausärztliches Management offen gewesen. Dabei zeigten sich jedoch deutlich abweichende Bewertungen (Kappa nur ~ 0,1, n=275, Übereinstimmung in 53,4%). Weitere Auswertungen laufen, Ergebnisse werden zum Kongress vorliegen.

Diskussion: Die Beurteilung von Fallkonstellationen in der Akutmedizin ist komplex, die Einschätzungen von Patient:innen und Expert:innen divergieren nicht selten. Die Akzeptanz einer direkten Umleitung von „112 in die Praxis“ ist fraglich.

Take Home Message für die Praxis: Für die Steuerung von Akutpatient:innen bestehen aktuell umfangreiche Reformpläne. Hausärzt:innen wird auch weiterhin eine zentrale Rolle in der Beratung zukommen, da Notfallempfinden sehr subjektiv ist.