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Selbstbild, Erwartungen, Bedürfnisse und Erfahrungen von Medizinstudierenden der Landarztgesetz-Quote an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf
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| Published: | September 23, 2024 |
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Hintergrund: Zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Regionen mit besonderem Bedarf wurde 2018 das Landarztgesetz Nordrhein-Westfalen (LAG NRW) verabschiedet. Mit der Bewerbung muss ein öffentlich-rechtlicher-Vertrag mit dem Land NRW unterzeichnet werden. Dieser beinhaltet die Verpflichtung zur Weiterbildung in der Allgemeinmedizin, Inneren Medizin oder Pädiatrie. Anschließend muss eine 10-jährige vertragsärztliche Tätigkeit in einer Bedarfsregion in NRW erfolgen. Bei Vertragsbruch droht eine Strafe von 250.000 Euro.
Fragestellung:
- Welche Erwartungen, Bedürfnisse und Vorstellungen haben Landarztstudierende zu ihrer Aus- und Weiterbildung und zu ihrer späteren Berufstätigkeit?
- Wie erleben sich die Landarztstudierenden im Modellstudiengang Medizin Düsseldorf und im Vergleich zu ihren Mitstudierenden?
Methoden: Es wurden vier moderierte Fokusgruppendiskussionen mit Landarztstudierenden durchgeführt. Die Transkripte wurden rekonstruktiv-hermeneutisch in multiprofessionellen Auswertungsgruppen qualitativ analysiert. Eine Re-Validierung ist in Planung.
Zusätzliche quantitative Daten werden von den Studierenden mittels Basis-Fragebogen der LocalHero-Studie (Longitudinales Curriculum Allgemeinmedizin zur Stärkung der Hausarztmedizin im ländlichen Raum) erhoben.
Ergebnisse: In der qualitativen Analyse der Fokusgruppendiskussionen wurden sieben Hauptkategorien (Selbstwirksamkeit, Rollenerleben, Institutionen, Zukunft/Arbeit, Motivation, akademische Resilienz, Druck/Überforderung) mit entsprechenden Subkategorien identifiziert, die durch Beispiele aus den Diskussionen verankert sind. So wird das Rollenerleben der Landarztgesetz-Studierenden durch die Erfahrungen im klinischen und universitären Alltag sowie die nicht erfüllten Erwartungen nach begleitenden Angeboten stark negativ beeinflusst. Sie erfahren sich als „anders“ im Vergleich zu ihren Kommiliton:innen. Ebenso erleben sie große Einschränkungen ihrer Selbstwirksamkeit für das spätere Arbeitsleben.
Diskussion: Landarztstudierende sind während ihres Studiums unterschiedlichsten Belastungsfaktoren ausgesetzt, die ihr Selbstbild und ihre Motivation für die hausärztliche Tätigkeit in unterversorgten Gebieten beeinflussen. Diesem Umstand sollte durch entsprechende Unterstützungsangebote begegnet werden.
Take Home Message für die Praxis: Soll die Landarztgesetzquote zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung erfolgreich sein, könnten die genannten Ergebnisse zukünftige Maßnahmen zur Stärkung der Nachhaltigkeit dieses Programms prägen, beispielsweise durch begleitende Angebote (Networking, Mentoring, ergänzende Seminare) für die Studierenden und/oder regelmäßige Informationen über mögliche Facharztauswahl und Bedarfsregionen.
