gms | German Medical Science

58. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

26.09. - 28.09.2024, Würzburg

Prävalenz der potenziell inadäquaten Medikation in der älteren Bevölkerung in Deutschland: Ergebnisse der Studie Gesundheit 65+

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Giselle Sarganas - Robert Koch Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland; DZHK, Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung, Deutschland
  • Daniel Grams - Robert Koch Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
  • Ana Ordoñez-Cruickshank - Robert Koch Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
  • Judith Fuchs - Robert Koch Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
  • Hannelore Neuhauser - Robert Koch Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland; DZHK, Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung, Deutschland
  • Beate Gaertner - Robert Koch Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland; DZHK, Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung, Deutschland
  • Petra A. Thürmann - Universität Witten/Herdecke, Philipp Klee-Institut für Klinische Pharmakologie, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. 58. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Würzburg, 26.-28.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocV-22-05

doi: 10.3205/24degam120, urn:nbn:de:0183-24degam1201

Published: September 23, 2024

© 2024 Sarganas et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 License. See license information at http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.


Outline

Text

Hintergrund: Potenziell inadäquate Medikamente (PIM) sind Arzneimittel, bei denen die Risiken für unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW) in der Regel den klinischen Nutzen überwiegen. PIM werden mit einem erhöhten Risiko für UAW, Krankenhausaufenthalte, Sterblichkeit und höhere Gesundheitskosten assoziiert. Dieser Beitrag stellt die PIM-Prävalenz und die damit verbundenen Faktoren bei in Deutschland lebenden Personen im Alter von 66+ Jahren dar.

Fragestellung: Wie hoch ist die PIM-Prävalenz in der älteren Bevölkerung in Deutschland?

Methoden: Daten der national repräsentativen Studie Gesundheit 65+, die zwischen 2021–2023 vom Robert Koch-Institut durchgeführt wurde, wurden analysiert. Alle in den letzten 7 Tagen vor der Befragung eingenommenen verschriebenen und rezeptfreien Arzneimittel wurden analysiert. Die PIM wurde anhand der PRISCUS-2.0-Liste ermittelt. Gewichtete Prävalenzen und assoziierte Faktoren wurden dargestellt.

Ergebnisse: 96% der Stichprobe (N=1.474) nahmen in den letzten 7 Tagen mindestens 1 Medikament ein. Die PIM-Prävalenz lag bei 29% (95% KI: 26–32%), 23% nahmen 1 PIM und 6% 2+. Es gab keine geschlechtsspezifischen Unterschiede, aber einen signifikanten Anstieg mit dem Alter: 23% in der Altersgruppe 66–74, 33% in der Altersgruppe 75–84 und 39% in der Altersgruppe 85+ (29% 1 PIM und 10% 2+). Bei Personen mit niedrigem Bildungsstand lag die PIM-Prävalenz bei 32%, bei Personen mit hohem Bildungsstand dagegen nur bei 21%. Bei Personen, die angaben, chronische Krankheiten zu haben, lag die PIM-Prävalenz bei 34% gegenüber 19% bei denjenigen, die keine chronischen Krankheiten angaben. Die PIM-Prävalenz stieg mit der Anzahl der verwendeten Arzneimittel: 13% bei 1–4 Medikamenten, 31% bei 5–9 und 53% bei 10+. Das am häufigsten verwendete PIM in dieser Stichprobe war Ginkgo-Biloba-Blattextrakt (pflanzliches Antidementivum), gefolgt von Diclofenac (nichtsteroidaler Entzündungshemmer) und trizyklischen Antidepressiva (Opipramol und Amitriptylin).

Diskussion: Die PIM-Prävalenz war höher als bei früheren Studien mit GKV-Daten, die nur verschriebenen Medikamente analysierten. PIM wurde mit höherem Alter, chronischen Erkrankungen, Polypharmazie und niedrigem Bildungsniveau assoziiert.

Take Home Message für die Praxis: Die Überprüfung von PIM bei älteren Menschen kann die Arzneimittelsicherheit verbessern.