Article
Intracurriculäre Faktoren, die die Fachgebietswahl Medizinstudierender beeinflussen – eine systematische Übersichtsarbeit
Search Medline for
Authors
| Published: | September 23, 2024 |
|---|
Outline
Text
Hintergrund: Absolvent:innen des Medizinstudiums in Deutschland stehen vor der schwierigen Aufgabe, sich für eine von 49 fachärztlichen Weiterbildungen zu entscheiden. Eine bedarfsgerechte Besetzung aller Fachrichtungen ist bereits heute ein Problem, welches sich in naher Zukunft, u.a. infolge der Demographie innerhalb der Ärzt:innenschaft, noch verschärfen wird. Auch die unausgewogene Ärzt:innen-Verteilung zwischen stationärem und ambulantem Sektor sowie zwischen Städten und ländlichen Gebieten ist bereits heute problematisch. Ein besseres Verständnis der Entscheidungskriterien für die Wahl der Fachrichtung, speziell der Einfluss veränderbarer intracurriculärer Faktoren hierauf, kann dazu beitragen, sie gezielt zu beeinflussen und damit einer Fehlverteilung entgegenzuwirken.
Fragestellung: Welche intracurriculären Faktoren für die Fachgebietswahl Medizinstudierender sind in der internationalen Literatur beschrieben?
Methoden: Mittels einer eigens entwickelten Suchstrategie recherchierten wir systematisch in der Datenbank Medline. Von den 2.537 Primärergebnissen und 19 Treffern aus einer zusätzlichen manuellen Recherche wurden nach Anwendung zuvor definierter Ein- und Ausschlusskriterien schließlich 334 Studien zur Datenextraktion herangezogen. Zusätzlich erfolgte ein Qualitätsassessment aller eingeschlossenen Studien.
Ergebnisse: Auf Basis der recherchierten Literatur konnten insgesamt 14 Einflussfaktoren identifiziert werden von denen "klinisch-praktische Erfahrung", "klinische Vorbilder" und "freiwillige Angebote" am häufigsten genannt wurden. Die Studien wiesen eine große Heterogenität hinsichtlich Methodik und Qualität auf.
Diskussion: Die Ergebnisse liefern eine Grundlage für evidenzbasierte Änderungen des medizinischen Curriculums. Das Einbeziehen von Studierenden in die Planung und Strukturierung der klinischen Phasen, aktives Feedback, freiwillige Angebote, begleitende Seminare/Simulationen und die Einbindung in das klinische Team können eine Fachgebietspräferenz positiv beeinflussen. Eine große Bedeutung haben persönliche Interaktionen. Diskriminierung, Vorurteile und eine schlechte Qualität des Unterrichts und der klinischen Expositionen können abschreckend wirken. Weitere prospektive und qualitative Forschung ist erforderlich.
Take Home Message für die Praxis: Lehrende als Rollenmodelle haben einen erheblichen Einfluss auf die Fachgebietswahl. Wenn nötig, sollten sie dafür sensibilisiert werden.
