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58. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

26.09. - 28.09.2024, Würzburg

Wahrnehmungen und Wünsche zur Zusammenarbeit von Pflegekräften und Angehörigen von Menschen mit Demenz in stationären Pflegeeinrichtungen – Ergebnisse der qualitativen Interviews der EMPOR-Studie

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Tina Mallon - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
  • Laura Naumann - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
  • Dagmar Lühmann - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
  • Marion Eisele - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. 58. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Würzburg, 26.-28.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocV-12-04

doi: 10.3205/24degam069, urn:nbn:de:0183-24degam0691

Published: September 23, 2024

© 2024 Mallon et al.
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Text

Hintergrund: Die Versorgung von Menschen mit Demenz (MmD) in stationären Pflegeeinrichtungen kann durch eine gezielte Zusammenarbeit von Pflegekräften und Angehörigen von MmD verbessert werden. Eine gute Kommunikation gilt dabei als Voraussetzung für gegenseitiges Vertrauen.

Fragestellung: Welche förderlichen und hinderlichen Faktoren gibt es in der Zusammenarbeit von Pflegekräfte und Angehörige von MmD?

Methoden: Es wurden 20 semi-strukturierte, leitfadengestützte Interviews (13 Angehörige; 7 Pflegekräfte) geführt, transkribiert und durch qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet. Die Kategorienbildung erfolgte sowohl deduktiv anhand des TRASCIT-Modells als auch induktiv auf Basis der Daten.

Ergebnisse: Gespräche zwischen Pflegekräften und Angehörigen von MmD finden meist zwischen „Tür und Angel“ statt. Diskrepanzen bestehen zwischen dem Fokus der Pflegekräfte auf eine bestmögliche Versorgung aller Bewohner:innen versus dem Fokus auf die individuelle Situation des einzelnen MmD seitens der Angehörigen. Besonders hinderlich für die Zusammenarbeit sind fehlende Zeitfenster für gemeinsame Gespräche und die fehlende Kommunikation über gegenseitige Erwartungen sowie Gründe für Forderungen oder Entscheidungen. Pflegekräfte wünschen sich von Angehörigen mehr Vertrauen in ihre Kompetenzen und ihre Arbeit mit MmD. Die Bereitschaft zur Unterstützung ist bei Angehörigen oft vorhanden, Unsicherheiten halten Angehörige jedoch von der Umsetzung ab.

Diskussion: Pflegekräfte und Angehörige von MmD benötigen mehr Zeit für den gemeinsamen Austausch und einen geschützten Rahmen für die gemeinsame Kommunikation. Ein strukturiertes Gespräch könnte helfen, trotz des bestehenden Zeitmangels wichtige Versorgungsaspekte gemeinsam zu klären und so die Versorgung der MmD zu optimieren. Auf Basis der Ergebnisse werden verschiedene Kommunikationshilfen für Pflegekräfte und Angehörige zur Stärkung der Zusammenarbeit entwickelt.

Take Home Message für die Praxis: Angehörige von MmD benötigen Zeit für die Umstellung auf die Strukturen in Pflegeeinrichtungen. Dabei würden die Zusammenarbeit und die Versorgung von MmD stark profitieren, wenn Gespräche über gegenseitige Erwartungen zwischen Pflegekräften und Angehörigen von MmD zeitnah nach Einzug der MmD in die Pflegeeinrichtung stattfänden.