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50. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie

02.05. - 04.05.2024, München

Lymphovaskuläre Invasion als prognostischer Faktor bei PatientInnen mit high grade T1 nicht-muskelinvasivem Urothelkarzinom der Harnblase

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Ekaterina Laukhtina - Medical University of Vienna, Vienna, Austria
  • Jakob Klemm - Medical University of Vienna, Vienna, Austria
  • Tamas Fazekas - Medical University of Vienna, Vienna, Austria
  • Akihiro Matsukawa - Medical University of Vienna, Vienna, Austria
  • Paolo Gontero - University of Studies of Torino, Turin, Italy
  • Francesco Soria - University of Studies of Torino, Turin, Italy
  • Marko Babjuk - Charles University, Prague, Czech Republic
  • Jeremy Yuen-Chun Teoh - The Chinese University of Hong Kong, Hong Kong, China
  • Marco Moschini - IRCCS San Raffaele Hospital and Vita-Salute San Raffaele University, Milan, Italy
  • Pierre I. Karakiewicz - University of Montreal Health Center, Montreal, Canada
  • Mohammad Abufaraj - The University of Jordan, Amman, Jordan
  • Eva Compérat - Medical University of Vienna, Vienna, Austria
  • Shahrokh F. Shariat - Medical University of Vienna, Vienna, Austria

Bayerische Urologenvereinigung. Österreichische Gesellschaft für Urologie und Andrologie. 50. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie. München, 02.-04.05.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. Doc24urobay84

doi: 10.3205/24urobay84, urn:nbn:de:0183-24urobay843

Veröffentlicht: 26. April 2024

© 2024 Laukhtina et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die lymphovaskuläre Invasion (LVI) im histopathologischen Präparat einer transurethralen Resektion eines Blasentumors (TURB) ist nachweislich ein prognostischer Faktor für das Wiederauftreten und Fortschreiten der Erkrankung bei NMIBC. Vor diesem Hintergrund zielt unsere Studie darauf ab den Einfluss von LVI auf die onkologischen Ergebnisse bei Patienten mit T1 HG NMIBC, einer aggressiven und heterogenen Manifestation von NMIBC, zu untersuchen.

Methode: In dieser multizentrischen Studie wurden PatientInnen, die mit TURB und anschließender Bacillus Calmette-Guerin (BCG)-Therapie bei T1 HG behandelt wurden, retrospektiv analysiert. Die Assoziationen zwischen LVI und rezidivfreiem (RFS), progressionsfreiem (PFS), krebsspezifischem (CSS) und Gesamtüberleben (OS) wurden in Cox-Regressionsmodellen bewertet. Die Genauigkeit des Modells wurde mit dem Harrel-Konkordanzindex (C-Index) bewertet. Zusätzlich erfolgte eine Evaluation des klinischen Nutzen von LVI mittels Decision-curve analysis(DCA).

Ergebnisse: Insgesamt wurden 529 T1 HG NMIBC-PatientInnen in die Analyse einbezogen. Davon hatten 439 PatientInnen (83%) eine primäre T1-Erkrankung, 200 (38%) hatten multifokale T1-Tumoren, und bei 84 (16%) wurde ein LVI festgestellt. Die Rate an T1-Primärtumoren in der Kohorte ohne LVI gegenüber der Kohorte mit LVI betrug 85% bzw. 73% (p=0,006).

Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 125,9 Monaten (IQR 82,3-190,9) kam es bei 245 (46%) bzw. 97 (18%) Patienten zu einem Wiederauftreten bzw. Fortschreiten der Erkrankung. RFS und PFS nach 5 Jahren betrugen bei Patienten mit und ohne LVI 32,4% bzw. 68,5% und 69,8% bzw. 93,5%. LVI war mit einem schlechteren RFS (HR 2,80, 95%CI 2,12-3,71, p<0,001), PFS (HR 5,91, 95%CI 3,97-8,80, p<0,001), CSS (HR 5,49, 95%CI 2,63-11,44, p<0,001) und OS (HR 2,10, 95%CI 1,39-3,17, p<0,001) assoziiert. In multivariablen Analysen, die für bekannte klinisch-pathologische Merkmale adjustiert wurden, blieb LVI mit RFS (HR 2,58, 95%CI 1,88-3,56, p<0,001), PFS (HR 5,72, 95%CI 3,60-9,09, p<0,001), CSS (HR5,30, 95%CI 2,54-11,1, p<0,001) und OS (HR 1,78, 95%CI 1,14-2,78, p=0,01) assoziiert. Das Hinzufügen von LVI verbesserte die Genauigkeit des Vorhersagemodells für CSS und PFS deutlich (C-Index=0,68 vs. C-Index=0,56 bzw. C-Index=0,78 vs. C-Index=0,68) und für RFS und OS minimal. Die DCA zeigte eine geringfügige Verbesserung des klinischen Nutzens durch das Hinzufügen von LVI zum Vorhersagemodell.

Schlussfolgerung: Das Vorhandensein von LVI im TURB-Präparat von PatientenInnen mit T1 HG NMIBC erhöht das Risiko für Rezidive, Progression und Mortalität. Daher könnte die Berücksichtigung von LVI im klinischen Entscheidungsprozess dazu beitragen, die Behandlungsergebnisse zu optimieren, indem eine Untertherapie vermieden wird. Bei nachgewiesener LVI könnte eine intensivere Behandlung, wie eine zeitnahe radikale Zystektomie oder eine neoadjuvante Therapie gefolgt von einer Zystektomie, erforderlich sein.